Klima:2021 fünftwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen

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Klima: Ein Jahr der Extreme, auch ohne neuen Temperaturrekord: Das Dixie-Feuer, das im August in den USA wütete.

Ein Jahr der Extreme, auch ohne neuen Temperaturrekord: Das Dixie-Feuer, das im August in den USA wütete.

(Foto: Noah Berger/dpa)

Laut dem EU-Klimadienst Copernicus waren die vergangenen sieben Jahre die wärmsten, die jemals gemessen wurden. Die Konzentrationen an Kohlendioxid und Methan erreichten 2021 neue Rekordwerte.

Laut einem Bericht des Copernicus-Klimadienstes der EU, der am Montag veröffentlicht wurde, war das vergangene Jahr weltweit das fünftwärmste je gemessene. Die Temperaturen lagen im Mittel um 1,1 bis 1,2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Wert. Die vergangenen sieben Jahre waren demnach die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Ein wichtiger Faktor, der 2021 einen neuen globalen Hitzerekord verhinderte, war das anhaltende La-Niña-Ereignis. Das Klimaphänomen, Gegenstück zu El Niño, führt zu einer natürlichen Abkühlung im äquatorialen Pazifik und wirkt so leicht kühlend auf die globale Temperatur. Voraussichtlich wird es während der ersten Monate der Jahres 2022 weiter anhalten.

Laut dem Copernicus-Team stieg der Methangehalt in der Atmosphäre im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordwert. Das starke Treibhausgas, dessen Erwärmungseffekt mehr als 80 Mal so stark ist wie der von Kohlendioxid, stammt aus natürlichen Quellen wie Sümpfen sowie aus menschlichen Aktivitäten wie Öl- und Gasinfrastruktur, Rinderhaltung, Reisanbau und Mülldeponien. Zwar ist es aufgrund der zahlreichen Quellen schwierig, genau zu sagen, woher die größten Methanmengen kommen, doch gibt es neue Möglichkeiten, bisher schwer zu ermittelnde Emittenten aufzuspüren; satelliten- und bodengestützte Messungen können das Gas sichtbar machen.

Anders als CO₂ wird Methan in der Atmosphäre bereits nach rund zwölf Jahren abgebaut. Die starke, aber vorübergehende Wirkung macht Methanemissionen zu einem effizienten Hebel, um die Erwärmung in naher Zukunft zu begrenzen. Aus diesem Grund haben sich beim jüngsten UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow mehr als 100 Länder zu einer Verringerung der Methanemissionen verpflichtet.

Die Hitze verschlimmerte die Waldbrände rund um das Mittelmeer

Zwar liegt die Durchschnittstemperatur des vergangenen Jahres hinter der von 2016, 2020, 2019 und 2017 und nur geringfügig vor 2015 und 2018, aber der Gesamttrend ist eindeutig: Seit den 1960er-Jahren war jedes Jahrzehnt heißer als das vorherige. "2021 war ein weiteres Jahr extremer Temperaturen mit dem heißesten Sommer in Europa, mit Hitzewellen im Mittelmeerraum, ganz zu schweigen von den noch nie dagewesenen hohen Temperaturen in Nordamerika", sagte Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Climate Change Service. "Diese extremen Ereignisse erinnern uns eindringlich daran, dass wir etwas ändern müssen, rasch und entschieden hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft und auf eine Reduzierung der Netto-Kohlenstoffemissionen hinarbeiten müssen."

Der Juli 2021 war weltweit der heißeste Einzelmonat, den die US-Klimabehörde NOAA je aufgezeichnet hat. Auf Sizilien wurde ein - allerdings noch nicht offiziell bestätigter - neuer europäischer Temperaturrekord von 48,8 Grad Celsius aufgestellt, der den bisherigen Rekord um 0,8 Grad übertraf. Die Hitze verschlimmerte die Waldbrände rund um das Mittelmeer. Die Westküste Nordamerikas erlebte im Juni eine extreme Hitzewelle.

"Wir sollten die rekordbrechenden Ereignisse von 2021, wie die Hitzewelle in Kanada und die Überflutung in Deutschland, als einen Schlag ins Gesicht sehen, um Politiker und Öffentlichkeit aufzuwecken, was die Dringlichkeit der Klimakrise angeht", sagt Rowan Sutton vom National Centre for Atmospheric Science an der University of Reading. Zudem zeige der anhaltende Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre, dass die zugrundeliegenden Ursachen noch immer nicht beseitigt sind. Die Daten seien "eine weitere Warnung, was wir unserem Heimatplaneten antun", sagt Brian Hoskins vom Imperial College in London.

Auch Kohlendioxid, das Gas, das bislang etwa drei Viertel der Erwärmung des Planeten bewirkt hat, setzte seinen Anstieg fort. Sein Anteil in der Atmosphäre erhöhte sich um 2,4 Teile pro Million (ppm). Damit lag der Durchschnittswert in der Atmosphäre 2021 bei 414,3 ppm, das sind 50 Prozent mehr CO₂ als in der vorindustriellen Zeit. Die höchste Konzentration im Monatsmittel wurde im April 2021 mit 416,1 ppm erreicht.

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