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Artenschutz:Schnabeltier in Gefahr

Platypus or Duck-billed platypus, Omithorhynchus PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: PauloxdexOliveira 12479512

Das Schnabeltier braucht Wasser um zu überleben.

(Foto: imago)
  • Die Brände in Australien haben den Schnabeltieren schwer zugesetzt.
  • Ohne Wasser können die eierlegenden Säuger nicht überleben.
  • Tierschützer bringen sie aus der Krisenregion in den Zoo von Sydney.

Das seltsame Schnabeltier, das Eier legt, und die Jungen, die daraus schlüpfen, säugt, gilt als lebendes Fossil. Die Vorfahren dieses urtümlichen Säugetiers lebten schon vor Millionen Jahren auf der Erde, lange bevor es Menschen gab. Doch jetzt kämpft Ornithorhynchus anatinus, das ausschließlich in Australien vorkommt, ums Überleben. Von Menschen eingeschleppte Tiere wie wilde Hunde und Katzen machen den nachtaktiven Tieren zu schaffen. Doch die größte Bedrohung für das Schnabeltier ist der Klimawandel.

In den Buschfeuern, die an der Ostküste Australiens am heftigsten gewütet haben - also genau dort, wo die meisten Schnabeltiere leben - könnten unzählige der Tiere verendet sein, befürchten Artenschützer. Unabhängig davon könnte der Bestand der Schnabeltiere bereits innerhalb der nächsten 50 Jahre dramatisch einbrechen. Denn die Säuger brauchen Wasser, um zu überleben, und davon gibt es in Australien immer weniger. Schnabeltiere suchen ihre Nahrung - Krabben, Insektenlarven und Würmer - unter Wasser. Bevor sie abtauchen, holen sie tief Luft, dann paddeln sie zum Grund des Gewässers, wo sie mit ihrem Schnabel im Schlamm wühlen und Steine umdrehen, um darunter nach Fressbarem zu suchen. Wenn die Tiere nicht im Wasser sind, ziehen sie sich in ihre Baue zurück, die sie in die Uferböschung graben.

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Um Schnabeltiere aus den von Buschfeuern betroffenen Gebieten zu retten, haben Artenschützer sie in den vergangenen Monaten eingefangen und in den Zoo von Sydney gebracht. Er gehört zu den wenigen Einrichtungen, in denen die Tiere gehalten werden dürfen. Denn ihre Ansprüche sind sehr hoch. Unter anderem brauchen sie extrem sauberes Wasser und vertilgen Unmengen an Futter. Erst seit 1998 ist es möglich, sie in Gefangenschaft zu züchten.

Schnabeltiere sind nicht die einzigen Lebewesen, die die Buschbrände in Australien in große Bedrängnis gebracht haben. Mehr als 11,8 Millionen Hektar Land sind auf dem Kontinent verbrannt. Wie viele Tiere in den Flammen ums Leben gekommen sind, weiß niemand genau. Schätzungen zufolge leben in Australien zwischen 600 000 und 700 000 verschiedene Tierarten. Viele dieser Spezies gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Große Sorgen machen sich Artenschützer zum Beispiel auch um den Bestand der Koalas auf der Känguru-Insel im Süden Australiens, wo die Buschfeuer ebenfalls heftig gewütet haben. Bevor die Brände ausbrachen, lebten dort etwa 50 000 Koalas. Schätzungen zufolge könnte mehr als die Hälfte des gesamten Bestandes verendet sein. Stark dezimiert wurde wahrscheinlich auch eine Unterart des Braunkopfkakadus. Schon vor dem Ausbruch der Brände lebten auf der Känguru-Insel nur noch knapp 400 dieser seltenen Vögel. Großen Schaden haben die Brände wahrscheinlich auch unter den Insekten angerichtet, von denen es in Australien etwa 250 000 verschiedene Arten gibt. Zwei Drittel dieser Tiere sind wissenschaftlich noch gar nicht erforscht und haben noch nicht einmal einen Namen.

© SZ vom 11.02.2020
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