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Bio:Ist Bio besser für die Umwelt?

Bio-Produkte

Ist Bio besser? In vielen aber nicht in allen Bereichen.

(Foto: dpa)

Ausgedehnte Teppiche grüner Algen verderben seit Jahren vielen Menschen den Badeurlaub. Sie sind eine der augenfälligsten Auswirkungen der Unmengen von Dünger, die von den Feldern in Gewässer geschwemmt werden. Stickstoff ist der Inhaltsstoff, der im Wasser Algen und an Land Gräser und Brennnesseln wuchern lässt - auf Kosten anderer Lebewesen, die mit dem Stickstoff-Überangebot nicht zurecht kommen. Das Umweltbundesamt bilanziert: Mit der ungebremsten Freisetzung von Stickstoff hat "die Menschheit schon heute die Belastbarkeit der Erde deutlich überschritten" - und schlägt als Lösung mehr Bio-Landwirtschaft vor. Ökolandwirte kommen ohne Mineraldünger aus und verursachen in der Regel geringere Stickstoffeinträge in die Umwelt.

Das zweitwichtigste Motiv für Bio-Lebensmittel war für die Leser von Süddeutsche.de der Umweltschutz. Die Verbände selbst werben durchaus offensiv mit den Vorteilen für die Umwelt - und in vielen Bereichen scheinen sie damit Recht zu haben. Umweltbundesamt und Verbraucherzentralen bilanzieren: "Der ökologische Landbau hat aus Umweltperspektive deutliche Vorteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft".

Sie verweisen unter anderem auf das Verbot von chemischen Pflanzengiften im Ökolandbau, die nicht nur Unkräuter, sondern weit mehr Lebewesen töten. Das Bienensterben geht zumindest in Teilen auf die Pestizide zurück. Auch Amphibien überleben die Gifte oft nicht. Allerdings erkaufen Biobauern den Verzicht in einigen Fällen mit dem Einsatz von Kupfer. Das Schwermetall wird gegen Pilzbefall bei Pflanzen eingesetzt, es kann aber Lebewesen in Boden und Wasser schädigen.

Doch unterm Strich leben auf ökologisch bewirtschafteten Flächen durchschnittlich 30 Prozent mehr Arten als auf konventionellen Äckern. Dazu trägt auch bei, dass Biobauern die Böden weniger auslaugen, die Pflanzenart auf ihren Feldern häufiger wechseln und öfter Ackerstreifen, Hecken oder andere naturnahe Flächen stehen lassen.

Und doch gibt es auch bei dieser Erkenntnis ein Aber: Legt man das gedankliche Raster größer an, ist auch die umgekehrte Schlussfolgerung möglich. Der Biolandbau hat geringere Erträge und braucht daher mehr Land, wie eine große Auswertung von mehr als 70 Studien ergab. Dies heißt auch, dass die konventionelle Landwirtschaft es ermöglicht, mehr Flächen komplett der Natur zu überlassen.

Zugleich ergab die Studie große Unterschiede zwischen einzelnen Farmen, die eher auf das Management der Bauern als auf die Existenz oder das Fehlen eines Biosiegels zurückgehen. "Das legt nahe", kommentieren die Autoren, "dass viel erreicht werden könnte, wenn man die vereinfachende Bio-versus-Konventionell-Debatte hinter sich lässt, und schaut, wie man die umweltfreundlichsten Praktiken beider Typen kombiniert".