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Archäologie:Der Wüstensand reibt den Kalkstein ab

Als Hinkel 2007 starb, stoppten alle Ausgrabungen. Erst mit dem QMPS begannen die DAI-Forscher wieder mit ihren Arbeiten in Meroe, mit dem zusätzlichen Schwerpunkt, die teils einsturzgefährdeten Grabpyramiden der Könige zu erhalten. "Wir haben viele strukturelle Probleme bei den Pyramiden", sagt Pawel Wolf vom DAI. Die Hügel unter den Pyramiden sind aufgeschüttet und dann mit Stein verkleidet worden. Sobald die Spitze frei liegt, kann der Regen eindringen und die Bauten von innen quasi sprengen.

Zudem reibt der Wüstensand den Kalkstein ab. "Das ist wie ein Schleifpapier", sagt Wolf. "Stellenweise hat der Sand schon bis zu fünf Zentimeter weggenommen." Viele Reliefs sind bereits verloren. Schutzmauern sollen helfen, um den Wind umzulenken. Langfristig können Vegetationsgürtel rund um die Pyramiden den Sand draußen halten, sagt Wolf.

1000 Gräber und mehr als 100 Pyramiden gibt es in der Region um Meroe, die prächtigsten liegen auf den drei Friedhöfen östlich der Hauptstadt Meroe in einer hügeligen Region. Fast alle Herrscher und des Königreichs zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus und dem 4. Jahrhundert nach Christus sind hier begraben worden. Erstmals nach fast 100 Jahren konnten die Archäologen wieder eine Grabkammer unter einer Pyramide öffnen. Zum unterirdisch angelegten Grab der "Großen Königlichen Gemahlin" Khennuwa steigt man über eine zwölf Meter lange Treppe sechs Meter in die Tiefe.

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Der Vergleich mag ein bisschen übertrieben sein. Dennoch, die Freude ist groß, als Forscher auf einer Baustelle nahe Lyon Relikte aus der Römerzeit finden.   Von Hubert Filser

"Es ist ein unglaublicher Ort", sagt Wolf, als er in Berlin die hochaufgelösten Fotos der mit Hieroglyphen und Bildern bemalten Wände zeigt. Die Vorkammer ist weiß grundiert, so dass die Farben etwa der abgebildeten Isis- oder Osiris-Figuren kräftig leuchten, die Decke der Begräbniskammer hingegen schimmert schwarz, als ob dort der Nachthimmel des Jenseits wäre. Die astronomischen Texte und kalligrafischen Bilder darauf leuchten noch zwei Jahrtausende später im Scheinwerferlicht.

Die Forscher haben inzwischen das gesamte Gelände rund um die Stadt mit Radar und Magnetometer auf Untergrundstrukturen hin untersucht. Dabei entdeckten sie neue Hügelgräber und möglicherweise eine Erzabbaustätte. Auch die nahegelegene Siedlung Hamadab, "in der die Leute lebten, die die Pyramiden bauten", wie Wolf sagt, ist partiell ausgegraben, sie lag fünf Meter tief in der Erde. Fünfstöckige Lehmbauten, Häuser von Handwerkern, die Baumwolle zu Kleidern verarbeiteten oder Rohglas herstellten sowie eine Art Eisenhütte, fanden die Forscher dort.

Ein Besucher ritzte seine Handynummer in die Steine. Einer der Archäologen rief ihn an

Diese Detailanalyse der Alltagswelt ist den Archäologen ein großes Anliegen, mehr als die Suche nach Goldschätzen. Dass die Mehrheit in der Öffentlichkeit das genau anders herum sieht und man sie erst für die alten Steine begeistern muss, ist auch in Meroe ein Dilemma. Beim 3-D-Scannen der Pyramiden erfassten die Forscher Details wie die zahlreichen antiken und leider auch modernen Graffiti auf dem Kalkstein der Bauten. "Einer hat seine Mobilfunknummer eingeritzt", erzählt Pawel Wolf. "Als ich ihn angerufen habe, war er ganz erstaunt. Das seien doch nur Steine, sagte er."

Wenn man, wie beim neu geöffneten Grab der Khennuwa geplant, eine Anlage öffentlich zugänglich machen will, bleibt immer die Gefahr der Zerstörung. Hier entspannt sich an diesem Abend in Berlin eine wichtige Diskussion. Auf sudanesischer Seite ist der Wunsch spürbar, die Stätten für Besucher attraktiv zu machen. Die anwesenden deutschen Archäologen reagieren zurückhaltend, mahnen, doch nicht die Fehler aus Ägypten zu wiederholen, wo die Stätten unter dem Massentourismus leiden, beschwören den Charme des Authentischen.

"Lassen Sie alles, wie es ist", ist der Tenor. Sie verweisen auf die geplanten, kleinen Museen vor Ort oder digitale Animationen, welche die alten Welten in der Fantasie auferstehen lassen. Es ist spürbar, dass sich Ali Jassim Al Kubaisi, der Chefarchäologe der Katar-Museen, andere Tipps erhofft hatte. Man will die Menschen im Sudan für ihr Kulturgut begeistern und Touristen locken. Es ist ein Dilemma, bei dem man beide Seiten verstehen kann. Wer wäre nicht gern live dabei gewesen, wie einst der König in sein prächtiges Bad stieg, während aus der Wand das frische Wasser schoss.

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