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Anekdoten zu Mondmissionen:"Der Anblick ist die Reisekosten wert"

Weltraummissionen sind komplizierte Unternehmungen. Und wie das mit Fernreisen so ist: Hinterher gibt es jede Menge zu erzählen.

Warum Neil Armstrong als Kommandant der Apollo-11-Mission ausgewählt wurde? Eine Rolle spielte zweifellos seine professionelle Reaktion während eines Notfalls einige Jahre zuvor. 1966 war Armstrongs Gemini-Kapsel im Orbit außer Kontrolle geraten. Das Raumschiff trudelte mit 60 Umdrehungen pro Minute um sich selbst. Armstrong und sein Co-Pilot waren fast schon besinnungslos, als es ihnen gelang, mithilfe der für den Wiedereintritt vorgesehenen Raketendüsen die Kapsel wieder zu stabilisieren.

Bereits 1953, lange bevor der erste Mensch ins All flog, präsentierte die Zeitschrift Collier's den "weltweit ersten Raumanzug". Die später tatsächlich eingesetzte Weltraumbekleidung sah jedoch völlig anders aus.

Die Zentrifugen, mit denen die Belastungen getestet wurden, die der menschliche Körper aushält, hießen unter Astronauten "Augäpfel raus".

Von 1964 an gab es Studienreisen für Astronauten, unter anderem nach New Mexico und ins deutsche Nördlinger Ries, bei denen die Mondfahrer mit verschiedenen geologischen Gegebenheiten vertraut gemacht wurden.

Im Büro des Konstrukteurs Wernher von Braun waren Modelle aller Raketen aufgereiht, die er mitentworfen hatte. Ganz links stand die Nazi-Waffe V 1, ganz rechts die Saturn V, die zum Mond flog. Wegen der Größe der Mondrakete musste eine Aussparung in die Decke seines Büros gezimmert werden.

Drei Jahre vor dem ersten Menschen landete das Robotermodul S urveyor 1 auf dem Mond. Es prüfte unter anderem, wie weich die Oberfläche ist.

Einige Jahre vor den Mondmissionen erlebten Piloten im Raketen-Testflugzeug X-15 (Bild oben) das Gefühl von Schwerelosigkeit. "Es ist fantastisch. Es ist wirklich fantastisch", funkte der spätere Astronaut Edward White 1960 aus einer der Maschinen an die Bodenkontrolle. Die Antwort fiel nüchtern aus: "Roger".

1965 wäre der Astronaut John Young fast gefeuert worden. Er hatte ein Corned-Beef-Sandwich als Pausenbrot in seine Gemini-Raumkapsel mitgenommen. Die Ungehörigkeit wurde sogar im US-Repräsentantenhaus zum Thema. Doch Young durfte weitermachen und später mit Apollo 16 zum Mond fliegen. 1981 steuerte er das erste Spaceshuttle ins All.

Rocket Red Glare, 6 X-15 Rocket Plane

Das Raketen-Testflugzeug X-15, mit dem die Nasa ihre Piloten das Gefühl der Schwerelosigkeit ausprobieren ließ. Astronaut Edward White genoss den Testflug 1960.

(Foto: NASA/Taschen)

Viel wurde spekuliert über das etwas schwierige persönliche Verhältnis zwischen Armstrong und Aldrin, der beiden ersten Menschen auf dem Mond. Michael Collins, der als dritter Mann der Apollo-11-Mission in der Raumkapsel blieb, bezeichnete seine Crew-Kollegen als "freundlich gesinnte Fremde".

Der zweite Mann auf dem Mond, Buzz Aldrin, hatte am Massachussetts Institute of Technology über Andockmanöver promoviert. Das Wiederandocken seiner Landefähre nach der Mondlandung blieb sein Lieblingsthema. Er nervte damit seine Kollegen und soll die Landung gefährdet haben: Während des Anflugs schickte er von der Raumfähre Eagle ständig Radarsignale an die über ihm kreisende Kommandokapsel. Schließlich meldete der Bordcomputer der Eagle eine Überlastung.

Den im Vergleich zu Aldrin wenig kommunikativen Armstrong beschrieb der Schriftsteller Norman Mailer als denjenigen unter den Astronauten, "dem man am ehesten die Eigenschaften eines Heiligen zusprechen möchte".

"Ihr Typen könnt es auf dem Mond sachte angehen lassen", funkte Collins, der in der Kommandokapsel blieb, an Armstrong und Aldrin, die sich in der Landefähre bereit zum Abkoppeln machten. "Höre ich euch da keuchen und schnaufen, kriegt ihr von mir was zu hören."

Während der zweieinhalb Stunden, die Armstrong und Aldrin auf dem Mond verbrachten, wichen sie von einigen Anweisungen ab. So war vorgesehen, dass Armstrong als erstes Gestein einsammelt, für den Fall, dass die Mission übereilt abgebrochen werden müsste. Doch er entschied sich, zunächst Panoramaaufnahmen zu machen. Aldrin entfernte sich ungenehmigt 60 Meter weit von der Landefähre, ebenfalls, um ein Foto zu schießen.

Als die Apollo-11-Kapsel nach 73 Stunden Flugzeit den Mond erreichte, funkte Neil Armstrong zur Erde: "Der Anblick ist die Reisekosten wert."

Während Neil Armstrong die Treppe an der Landefähre hinabstieg, um den Mond zu betreten, filmte ihn eine außen angebrachte TV-Kamera und sendete die Bilder live zur Erde. Das klarste Signal davon empfing eine Schüsselantenne in der Nähe der australischen Stadt Canberra.

Nach der Rückkehr in die Landefähre brach Buzz Aldrin versehentlich einen wichtigen Schalter ab. Sie konnten zum Glück einen Filzstift verwenden, um den Schalter doch noch umzulegen.

50th Anniversary of Landing A Man On The Moon, In Space, - - 20 Jul 1969

Nachdem die Landefähre Eagle sich vom Kommandomodul Columbia gelöst hatte, flog das filigrane Raumfahrzeug zunächst kopfüber zum Mond hinab.

(Foto: Michael Collins/NASA HANDOUT/EPA)

Um den richtigen Kurs zu halten, hatten die Astronauten der ersten Mondflüge einen Weltraum-Sextanten an Bord. Damit peilten sie Fixsterne an und ermittelten ähnlich wie Seefahrer über Winkelberechnungen die eigene Position. Während des Flugs von Apollo 16 war der Sextant lebensrettend, denn ein anderes Navigationssystem war ausgefallen.

Während des Rückflugs vom Mond vollführten zwei der drei Apollo-16-Astronauten einen Weltraumspaziergang. Dabei tauchte auf kuriose Weise der Tage zuvor verloren gegangene Ehering eines der Astronauten wieder auf. Der Ring schwebte plötzlich schwerelos aus der geöffneten Luke ins All, prallte von Ken Mattinglys Hinterkopf ab und flog zur Luke zurück, wo ihn Charles Duke auffangen konnte.

Von allen Astronauten wurden Gipsabdrücke ihrer Hände mit leicht gekrümmten Fingern gemacht, um damit die Handschuhe ihrer Raumanzüge zu nähen.

4,41 Prozent des Staatshaushalts der USA flossen 1966, auf dem Höhepunkt der Apollo-Entwicklung, in die Raumfahrtforschung. Bereits ein Jahr nach der ersten Mondlandung erlahmte das Interesse der Öffentlichkeit. Das Budget für das Apollo-Programm wurde Ende 1970 gekürzt.

Seit der Astronaut Gene Cernan im Dezember 1972 mit der letzten Mondmission Apollo 17 den rund 380 000 Kilometer entfernten Mond verließ, hat sich kein Mensch mehr weiter als circa 420 Kilometer von der Erde entfernt - dem Orbit der Internationalen Raumstation.

Der heftigsten Belastung war die Crew von Apollo 16 ausgesetzt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wurden ihre Körper mit dem 7,19-Fachen der Erdbeschleunigung in die Sitze gepresst.