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Alternative Energien:Wissenschaftler warnen vor Biosprit und Biogas

Die Masse macht's - nicht immer. Wissenschaftler der Nationalen Akademie Leopoldina empfehlen, den Ausbau von Bioenergie zu stoppen. Die Umweltschäden seien größer als gedacht. Die Abkehr von dieser Energieform könnte die ehrgeizigen Pläne der Bundesregierung zerstören. Ist die Energiewende überhaupt noch möglich?

Es ist das Ende eines Mythos: Energie aus Biomasse zu gewinnen, ist eben nicht klimaneutral, wie es die Lobpreisungen für grüne Treibstoffe gern verkünden. Die simple Logik, dass Pflanzen beim Wachsen auf Feld, Wald und Wiese so viel Kohlendioxid aufnehmen, wie sie später beim Verbrennen wieder freisetzen, ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

Biogasanlage in Pliening, Bayern. Wissenschaftler senken den Daumen über der Bioenergie.

(Foto: EBE)

Daneben passieren lauter unübersichtliche Dinge beim Anbauen, Düngen, Ernten, Transportieren und Verarbeiten des Grünzeugs, die man nicht ignorieren darf. Die dabei verwendeten Maschinen verbrauchen Energie, die vollkommene Verwertung der Pflanzen schadet den Böden, wenn immer weniger Stroh untergepflügt wird, der Stickstoff aus dem Dünger landet als potentes Treibhausgas in der Atmosphäre. Und schließlich könnte eine globalisierte Biomasse-Wirtschaft schnell die Bedürfnisse der Ärmsten nach bezahlbarer Nahrung an den Rand drängen.

Immer mehr Wissenschaftler senken darum den Daumen über der Bioenergie. Zuletzt auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Die "Verwendung von Biomasse als Energiequelle in größerem Maßstab (ist) keine wirkliche Option für Länder wie Deutschland", stellt das Forschergremium in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme fest. Sie empfiehlt, den geplanten Ausbau der Bioenergie zu stoppen. Das europäische Ziel, 2020 zehn Prozent des Treibstoffs für Autos aus Biomasse zu gewinnen, solle man überdenken. Und die Idee, Deutschland könne im Jahr 2050 fast ein Viertel seines Energiebedarfs aus einheimischen Pflanzen decken, so wie es die Szenarien der Bundesregierung vorsehen, empfinden die Forscher als geradezu irrwitzig.

Es wird einfach überschätzt, wie viel da ist", sagt Rudolf Thauer, Direktor am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg, einer der Koordinatoren des Akademieberichts. Die Ausweitung der Produktion lasse sich nur durch eine massive Intensivierung der Landwirtschaft erreichen. Diese Intensivierung konterkariere weitgehend die erwünschten Effekte für das Klima, außerdem sei sie auf Dauer nicht durchzuhalten.

Dagegen hält Andreas Schütte an der Zahl von 23 Prozent fest, die heimische Biomasse im Jahr 2050 zum Energiebedarf beitragen kann. "Das ist zu schaffen, aber wir müssen es natürlich vernünftig und umweltgerecht machen", sagt der Leiter der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow bei Schwerin, die mit Geld des Bundeslandwirtschaftsministeriums die Erforschung der Biomasse fördert. Die Agentur hat das Potenzial im April 2011 vorgerechnet, als die schwarz-gelbe Koalition nach Fukushima gerade um ein neues Energiekonzept rang.