Wirtschaftskrise in Russland Kreml verdonnert Konzerne zum Devisen-Verkauf

Weigern sich die Multis, ihre Dollars zu verkaufen, dürften sie keine Hilfe mehr erwarten, hieß es aus der Regierung von Ministerpräsident Dmitri Medwedew.

(Foto: AP)
  • Russlands Regierung fordert die großen Öl- und Diamanten-Förderer des Landes auf, ihre Devisenbestände zurückzufahren und damit den Rubelkurs zu stützen. Falls sie sich weigern, dürften sie im Krisenfall nicht auf Hilfe hoffen.
  • Aufgrund des Verfalls der Landeswährung und der westlichen Sanktionen befürchtet Ministerpräsident Dmitri Medwedew eine schwere Rezession in seinem Land.
  • Zugleich hat die Zentralbank ihre Goldbestände im November den achten Monat in Folge aufgestockt.

Druck auf die Wirtschaft

Die russische Regierung greift im Kampf gegen den Kursverfall des Rubels zu neuen Mitteln. Fünf der größten staatlichen Exporteure würden dazu angehalten, einen Teil ihrer Devisenreserven auf den Markt zu werfen, hieß es am Dienstag aus Regierungskreisen.

Betroffen sind von der Aufforderung des Kreml die Energiekonzerne Gazprom, Rosneft sowie die Diamanten-Produzenten Alrosa und Kristall. Diese sollen bis März ihren Devisenbestand auf das Niveau von Anfang Oktober zurückführen, erklärte die Regierung. Bis dahin müssen sie jede Woche ihren Bestand der Zentralbank melden. "Natürlich steht es den Unternehmen frei, die harten Währungen auch zu behalten", sagte ein Regierungsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber dann behalten wir uns auch das Recht vor, ihnen nicht zu helfen, wenn sie harte Zeiten haben."

Premier Medwedew spricht von schwerer Rezession

Zugleich hatte Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew am Dienstag eingeräumt, er befürchte eine schwere Rezession in seinem Land. Die russische Wirtschaft leidet unter den internationalen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und unter dem massiven Rückgang des Ölpreises.

Dadurch war auch die Landeswährung dramatisch unter Druck geraten: Zwischenzeitlich hatte ein Dollar in der vergangenen Woche etwa 100 Rubel gekostet, etwa dreimal so viel wie in der ersten Jahreshälfte. Später stieg der Kurs wieder an. Nach Bekanntwerden der Regierungspläne für die Devisen-Reserven der Konzerne wertete die Währung erneut um zeitweise fünf Prozent auf. So mussten zuletzt für einen Dollar gut 54 Rubel bezahlt werden.

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Banker wittert verdeckte Kapitalkontrollen

"Wenn die Exporteure angehalten werden, ihre Devisenpositionen nicht zu erhöhen, dann kann das als inoffizielle Wiedereinführung von Kapitalkontrollen angesehen werden" sagte Wladimir Osakowsky von der Bank of America Merrill Lynch. Präsident Wladimir Putin hatte Kapitalkontrollen zuvor wiederholt abgelehnt.

Russland stockt Goldreserven auf

Ebenfalls vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen füllte der Kreml den Goldspeicher im November den achten Monat in Folge weiter auf. Die Bestände der Zentralbank seien um knapp 19 auf etwa 1187,5 Tonnen gestiegen, teilte der Internationale Währungsfonds (IWF) mit. Russland hat weltweit die fünftgrößten Reserven des Edelmetalls. Allerdings deckt sich der Staat auch deshalb mit Gold aus der Produktion heimischer Minen ein, weil dieses auf dem Weltmarkt kaum Abnehmer findet.

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