Rubel-Krise Russische Großbank braucht Hilfe

Eine Filiale der Trust Bank in Moskau

(Foto: AFP)
  • Die russische Zentralbank muss erstmals seit Ausbruch der Rubel-Krise eine Bank vor der Pleite retten. Die Trust Bank ist eine der größten russischen Geschäftsbanken.
  • Der Rubel hat wegen Sanktionen der westlichen Länder und sinkender Rohölpreise seit Jahresbeginn etwa 50 Prozent seines Wertes verloren.

Was die Rettung kostet

Wegen der Rubel-Krise muss die russische Zentralbank erstmals eine Geschäftsbank vor der Pleite retten. Die Trust Bank werde demnächst 30 Milliarden Rubel (433 Millionen Euro) Stützgeld erhalten, teilte die Zentralbank in Moskau mit. Die Aufsicht über die angeschlagene Bank soll demnach die Agentur für Einlagenversicherung zeitweilig übernehmen, hieß es. Diese Maßnahmen "werden es Trust ermöglichen, den Zahlungsverkehr nahtlos fortzusetzen".

Die Trust Bank steht auf der von der Zentralbank geführten Top-15-Liste der russischen Geschäftsbanken. Sie hat 253 Filialen in etwa 160 Städten. Bekannt geworden ist sie auch durch eine Werbung mit dem Hollywood-Schauspieler Bruce Willis: In dem Video rettet er einer Frau das Leben, während er am Telefon ein Beratungsgespräch führt.

Privatkunden hielten zum 1. Dezember Guthaben in Höhe von 145 Milliarden Rubel (2,1 Milliarden Euro). Die Zentralbank kündigte an, einen Investor zu suchen - das könnte eine der größeren Banken des Landes sein.

Der gewollte Absturz

Der Rubel fällt und fällt und fällt - und das ist gut so. Der Absturz der Währung zeigt, dass die Sanktionen des Westens gegen Russland wirken. Er ist aber auch Ausdruck einer epochalen Veränderung der Weltwirtschaft. Kommentar von Ulrich Schäfer mehr ... Kommentar

Warum sich der Rubel leicht erholt

Wegen westlicher Sanktionen gegen Russland und sinkender Rohölpreise hat der Rubel seit Jahresbeginn etwa 50 Prozent seines Wertes verloren. Inzwischen erholt sich der Rubel zwar wieder, der Druck auf die russischen Banken ist trotzdem noch groß. Der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen - ein Anzeichen für Nervosität und mangelnde Liquidität. Die Regierung plant, die Branche mit Hilfen in Höhe von insgesamt einer Billion Rubel (13 Milliarden Euro) zu stützen.

Woher die leichte Erholung der Währung kommt? Neben dem leichten Anstieg der Ölpreise - sie spielen für die stark vom Rohöl abhängige russische Wirtschaft eine wichtige Rolle - dürfte ein Angebot aus China den Rubel gestärkt haben. "Wenn Russland Hilfe braucht, werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen", sagte der chinesische Außenminister Wang Yi bereits am Samstag in einem Fernsehinterview. Nähere Details nannte er jedoch nicht.

Finanzministerium interveniert

Neben der Entwicklung der Ölpreise erklärte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank die Erholung des Rubels auch mit der jüngsten Entscheidung des russischen Finanzministeriums. Demnach sollen Dollar-Reserven des Ministeriums an den Devisenmärkten zur Stützung der russischen Währung eingesetzt werden. "Die Entscheidung des Ministeriums, sieben Milliarden US-Dollar aus den Devisenreserven für Interventionen bereitzustellen, hat dem Rubel eindeutig geholfen", sagte Leuchtmann.

Maßgeblich für die weitere Kursentwicklung ist aber vor allem die russische Notenbank. Nach Einschätzung der Commerzbank-Experten ist die Zentralbank jederzeit bereit, sich mit Dollar-Interventionen am Devisenmarkt gegen die Rubel-Schwäche zu stemmen. Allerdings waren zuletzt milliardenschwere Eingriffe nahezu wirkungslos verpufft. Dies galt auch für die drastische Leitzinsanhebung zu Beginn der vergangenen Woche.

Zollschranke für Getreideprodukte

Dass die Lage auch trotz der jüngsten Rubel-Erholung noch angespannt ist, zeigt sich nicht nur am Beinahe-Bankrott der Trust Bank. Zu Wochenbeginn meldeten russische Nachrichtenagenturen, dass die Regierung eine Zollschranke für Getreideexporte beschlossen habe. Diese könne binnen 24 Stunden errichtet werden.

Der Hintergrund: Für Landwirte ist der Export von Getreide attraktiver als der Verkauf in Russland. Die Zollschranke soll nun für ein größeres Getreideangebot und für niedrigere Preise im Inland sorgen. Medienberichten zufolge wird bereits ein Anstieg des Brotpreises um zehn Prozent erwartet. Russland ist der drittgrößte Getreideexporteur der Welt - auf den europäischen Märkten stiegen nach der Ankündigung die Kurse für Weizen.

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