Wirtschaft kompakt Zumwinkel entkommt Anklage

Der ehemalige Telekom-Chef Ricke und Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Zumwinkel entgehen einer Anklage in der Spitzelaffäre. Außerdem: Toyota macht Gewinn - trotz massiver Rückrufe.

Das Ermittlungsverfahren gegen die Topmanager Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke wegen der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom wird nach Informationen der Financial Times Deutschland aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Der ehemalige Telekomchef Kai-Uwe Ricke und der einstige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel (Foto) stritten stets ab, in die Bespitzelung von Telekom-Aufsichtsräten, Gewerkschaftern und Journalisten verwickelt gewesen zu sein. Nun wird aus Mangel an Beweisen nicht weiter gegen sie ermittelt.

(Foto: Foto: ddp)

Der einstige Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende und der frühere Telekom-Chef müssten nicht mehr mit einer Anklage rechnen, berichtete das Blatt unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Kreise. Die formale Einstellung des Verfahrens stehe unmittelbar bevor.

Die Bonner Staatsanwaltschaft lehnte auf Nachfrage eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die Sicherheitsabteilung der Deutschen Telekom hatte in den Jahren vor 2007 Aufsichtsräte des Unternehmens, Gewerkschafter und Journalisten bespitzelt.

Durch den Abgleich von Telefonverbindungsdaten wollte sie einer vermuteten undichten Stelle im Aufsichtsrat auf die Spur kommen, die Medienvertreter mit brisanten internen Unterlagen versorgt hatte. Der frühere Post-Chef Zumwinkel und Ricke hatten stets bestritten in die Bespitzelung verwickelt gewesen zu sein.

Die juristische Aufarbeitung des Skandals werde sich nun auf einige Telekom-Führungskräfte aus der dritten Reihe, sowie einen externen Dienstleister beschränken, berichete die Zeitung weiter. Gegen sie hätten die Staatsanwälte offenbar ausreichend Belastungsmaterial gesammelt.

Gewinn trotz Rückrufaktion bei Toyota

Der weltgrößte Autohersteller Toyota befindet sich nach Einschätzung seines Präsidenten noch immer in "stürmischer See". Daran habe sich nichts geändert, sagte Akio Toyoda nach der Vorstellung der Jahreszahlen. Trotz des Sturms sei aber mittlerweile auch wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar.

Ungeachtet der Imageverluste nach einer massiven Rückrufaktion hat Toyota im ersten Quartal dieses Jahres wieder Gewinne erzielt. Der japanische Automobilkonzern wies ein Plus von 112 Milliarden Yen (926 Millionen Euro) aus. Ein Jahr zuvor, noch mitten in der globalen Automobilkrise, steckte das Unternehmen mit 766 Milliarden Yen (6,3 Milliarden Euro) in den roten Zahlen.

Maßgeblichen Anteil an der Wende hatte ein Programm zur Kostensenkung. Der Quartalsumsatz schnellte um 49,2 Prozent nach oben auf 5,28 Billionen Yen (43,6 Milliarden Euro). Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2009/2010 erzielte Toyota einen Gewinn von 209 Milliarden Yen (1,7 Milliarden Euro) - nach dem schlechtesten Jahr der 1937 begonnenen Unternehmensgeschichte mit einem Verlust von 437 Milliarden Yen.

Der Jahresabsatz sank um vier Prozent auf 7,24 Millionen Fahrzeuge. In den vergangenen Monaten musste Toyota weltweit mehr als acht Millionen Autos zurückrufen.

Wegen einer Rückrufaktion für Pickups hat Toyota derzeit neuen Ärger in den USA. Die zuständige Behörde geht der Frage nach, ob Toyota im Jahr 2005 Kleinlaster vom Typ "Hilux" wegen Problemen mit der Steuersäule rechtzeitig in US-Werkstätten zurückgerufen habe. Die Schwierigkeiten waren bereits 2004 in Japan aufgetreten, und Toyota hatte damals erklärt, das betreffe nur die im Heimatland des Herstellers verkauften Fahrzeuge.

Toyota hatte sich erst im April zur Zahlung einer Geldbuße von 16,4 Millionen Dollar bereiterklärt. Dem Konzern war vorgeworfen worden, Fahrzeuge wegen Problemen mit hakenden Pedalen zu spät in die Werkstätten zurückgerufen zu haben. Toyota bestritt allerdings ein Fehlverhalten.

Gläubiger bewilligen Woolworth-Verkauf

Die Gläubiger von Woolworth haben dem Verkauf der insolventen Handelskette an eine Tengelmann-Holding zugestimmt. Das berichtete der Sprecher des Frankfurter Insolvenzverwalters Ottmar Hermann. Dieser informierte auch die Mitarbeiter in der Frankfurter Firmenzentrale der Billigkaufhauskette über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird Frankfurt die Zentrale verlieren. Es sei aber damit zu rechnen, dass zumindest den Mitarbeitern von Einkauf, Marketing und Vertrieb Anschlussverträge angeboten würden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. In der Woolworth-Zentrale im Stadtteil Niederrad arbeiten knapp 200 Beschäftigte.

Über den Kaufpreis machte der Insolvenzverwalter weiterhin keine Angaben. Er hatte bereits am Freitag bestätigt, dass die HH-Holding den Zuschlag für die noch 162 Geschäfte erhalten hat. Insgesamt sind 4500 Beschäftigte betroffen. Ihre Verträge gelten unverändert weiter, sind aber auf ein Jahr befristet.

Bei HH handelt sich um ein in Bönen bei Dortmund beheimatetes Konsortium des Handelskonzern Tengelmann mit seinen Discount-Töchtern Kik und Tedi. Für das Unternehmen hatte sich der Woolworth-Hauptvermieter Cerberus starkgemacht. In Bönen sind auch Kik und die von der Frankfurter Mutter unabhängige Woolworth-Logistiktochter beheimatet.

Post steigert Gewinn und Umsatz

Die Deutsche Post will in diesem Jahr den Konzernumsatz trotz des Wegfalls des Steuerprivilegs und des anhaltenden Niedergangs der Briefsparte steigern. Der Briefumsatz werde um drei Prozent hinter dem Vorjahr zurückbleiben, sagte Finanzvorstand Larry Rosen.

Der Konzernumsatz werde das Vorjahr aber übertreffen. 2009 hatte die Post 46,2 Milliarden Euro umgesetzt. Am Morgen hatte die Post angekündigt, der operative Gewinn vor Sonderposten werde 2010 am oberen Ende der Spanne zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro liegen.

In diesem Jahr sollen zudem die größten Projekte des Konzernumbaus abgeschlossen werden. Zwar fänden Umstrukturierungen bei einem großen Unternehmen nie ein Ende, doch werde im kommenden Jahr die bisherige Leitkennziffer operatives Ergebnis vor Sonderposten wegfallen.

Im ersten Quartal hat die Deutsche Post getragen von der konjunkturellen Erholung etwas mehr umgesetzt und wegen des Sparkurses deutlich mehr verdient. Im ersten Quartal erhöhte sich der Umsatz von 11,5 Milliarden auf 12,0 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sonderposten stieg dank der Sparkur und des Konzernumbaus von 312 Millionen auf 566 Millionen Euro. Der Überschuss legte einen gewaltigen Sprung von 944 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro hin. Grund ist die Bilanz-Umstellung auf IFRS.