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Wirtschaft kompakt:Escada: Letzte Chance oder Insolvenz

Dem Modekonzern Escada droht die Pleite. Besser sieht es in der Autoindustrie aus - und auf Eon-Vize Teyssen warten höhere Aufgaben. Die Wirtschaft im Überblick.

Dem Modekonzern Escada droht noch in dieser Woche die Insolvenz.

Escada, Foto: ddp

Escada unter Druck: Sollte ein Umtauschangebot für eine Anleihe scheitern, müsste der Modekonzern einen Insolvenzantrag stellen.

(Foto: Foto: ddp)

Sollte ein am Dienstag um 15 Uhr auslaufendes Umtauschangebot für eine Anleihe scheitern, werde man noch in der laufenden Woche einen Insolvenzantrag stellen, erklärte das Unternehmen. Dies habe der Vorstand beschlossen. Für Mittwoch sei eine Aufsichtsratssitzung einberufen worden.

Der Umtausch der Anleihe mit einem Volumen von insgesamt 200 Millionen Euro ist Teil des Rettungsplanes für Escada. Dabei sollen die Gläubiger auf große Teile ihrer Forderungen verzichten.

Für 1000 Euro der alten Anleihe bietet Escada neue Schuldverschreibungen und eine Barzahlung mit einem Wert von zusammen 400 Euro sowie zehn Aktien.

Escada muss eine Umtauschquote von 80 Prozent erreichen. Nachdem der Umtausch schleppend angelaufen war, hatte das Unternehmen die Frist verlängert und das Angebot nachgebessert.

Eine weitere Verlängerung oder eine neuerliche Nachbesserung seien aufgrund der Liquiditätssituation von Escada nun aber ausgeschlossen, erklärte das Unternehmen.

Eon-Vize Teyssen: Vom "Innenminister" zum "Außenminister"

Der Eon-Aufsichtsrat wird voraussichtlich Johannes Teyssen zum neuen Konzernchef bestimmen. Er soll im kommenden Jahr Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Wulf Bernotat werden. Entsprechende Medienberichte wurden in Unternehmenskreisen bestätigt.

Der 49-jährige Teyssen ist bislang Stellvertreter von Bernotat und gilt bereits seit längerem als dessen wahrscheinlicher Nachfolger. Bernotat hatte in der Hauptversammlung im Mai mitgeteilt, dass er für eine Vertragsverlängerung über das Frühjahr 2010 hinaus nicht zur Verfügung stehe. Bernotat wird 2010 62 Jahre alt und will sich dann neuen beruflichen Aufgaben stellen.

Teyssen hält im operativen Tagesgeschäft bereits seit längerem die Fäden in der Hand. Stellvertretender Eon-Chef ist er seit März vergangenen Jahres. Der seit 2003 amtierende Bernotat behielt allerdings die Gesamtverantwortung und blieb für die Öffentlichkeit weiter "Mister Eon" - Teyssen sei der Innenminister, Bernotat der Außenminister, hieß es oft.

"Teyssen kennt das Geschäft sehr gut und genießt hohes fachliches Ansehen", sagte ein Branchenexperte. Der promovierte Jurist ist bei der im Jahr 2000 gegründeten Eon und ihren Vorläufern seit 20 Jahren tätig.

Seine Laufbahn begann 1989 in Hannover bei Preussen-Elektra, ehe er über weitere Stationen in Norddeutschland bei den Versorgern Hastra und Avacon 2001 nach München zur mächtigen Eon-Energie wechselte.

Autoindustrie kommt um Massen-Stellenabbau herum

In der deutschen Autoindustrie ist es trotz der weltweiten Absatzkrise nur zu einem geringen Stellenabbau gekommen, auch dank der Kurzarbeit.

Der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, sagte, während der Umsatz in den ersten vier Monaten des Jahres um über 40 Prozent zurückgegangen sei, sei die Zahl der Beschäftigten in den Stammbelegschaften in den letzten zwölf Monaten moderat um 17.800 auf 729.800 Mitarbeiter gesunken.

Das sei ein Rückgang um 2,4 Prozent, erklärte Wissmann. Besonders betroffen seien die Zulieferer. "Ziel der Unternehmen ist es nach wie vor, die Stammbelegschaften so weit wie irgend möglich zu halten."

Seit Jahresbeginn stiegen nach VDA-Angaben die Neuzulassungen in Deutschland um 27 Prozent auf 2,4 Millionen Fahrzeuge, das sind über eine halbe Million Autos mehr als in den ersten sieben Monaten 2008. "Diese Entwicklung ist allerdings stark auf die Wirkungen der Neuordnung der Kfz-Steuer und der Umweltprämie zurückzuführen", sagte Wissmann. Der inländische Auftragseingang der deutschen Pkw-Hersteller habe in den ersten sieben Monaten um knapp ein Viertel über dem Vorjahresstand gelegen.

Für das Gesamtjahr ergebe sich ein Volumen von gut 3,5 Millionen Autos. "Dieses hohe Niveau wird im kommenden Jahr sicherlich nicht zu erreichen sein", sagte Wissmann und warnte zugleich: "Die Entwicklung auf dem Inlandsmarkt ist kein Grund, in Euphorie auszubrechen." Denn entscheidend für diese Industrie sei ihr Erfolg auf den Auslandsmärkten.

Und gerade da hapert es noch gewaltig. "Wir sind noch nicht über dem Berg", sagte Wissmann. Bei den weltweiten Pkw-Neuzulassungen "verfestigte sich die seit einigen Monaten abzeichnende Bodenbildung; eine durchgreifende Erholung lässt sich jedoch daraus noch nicht ableiten".

Umsatzplus: Industrie sieht wieder Land

Die Serie guter Nachrichten aus der Industrie setzt sich fort: Nach Aufträgen und Exporten stieg im Juni auch der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe. Er legte um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bereits im Mai hatte es ein saisonbereinigtes Plus von 4,4 Prozent gegeben - das war der stärkste Zuwachs seit der Wiedervereinigung. "Wir sehen eine Stabilisierung, aber auf niedrigem Niveau", hieß es beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Auch die Aussichten für die kommenden Monate sind positiv, nachdem die Industrie im Juni das stärkste Auftragswachstum seit zwei Jahren verzeichnete - vor allem wegen der steigenden Auslandsnachfrage. Dadurch nahmen die Bestellungen den vierten Monat in Folge zu.

Trotzdem leidet die Schlüsselbranche mit ihren zahlreichen Weltmarktführern noch immer unter der globalen Rezession: Von Januar bis Juni lag der Umsatz um 20,9 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. "Das zeigt, dass die Lage angespannt bleibt", schrieb der BDI. Der Tiefpunkt sei zwar erreicht, ein Aufschwung aber noch nicht in Sicht.

Besonders stark leiden die Fahrzeughersteller und ihre Zulieferer unter der Nachfrageflaute. Ihr Umsatz brach in den ersten sechs Monaten um 31,2 Prozent ein. Die Maschinenbauer verloren mit minus 26,4 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich. Die Pharmaindustrie schlug sich vergleichsweise gut: Sie büßte 8,2 Prozent Umsatz ein.

Kapitulation im DVD-Krieg: Toshiba läuft zum Rivalen über

Nach dem Scheitern des eigenen hochauflösenden Videoformats will der japanische Toshiba-Konzern nun in den Markt für die Konkurrenz-Technologie Blu-ray einsteigen.

Toshiba wolle schon in den kommenden Monaten unter anderem Blu-Ray-Spieler verkaufen, teilte das Unternehmen mit. Daneben seien auch Notebook-Computer mit Blu-Ray-Brennern in Planung. Eine abschließende Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, welche Blu-Ray-Produkte Toshiba herstellen wolle.

Grund für den Einstieg in den Markt für den DVD-Nachfolger sei dessen rasantes Wachstum, teilte Toshiba mit. Deswegen sei es nötig, die eigene Produktlinie entsprechend zu erweitern. Toshiba habe sich aus diesem Grund entschlossen, dem Blu-Ray-Herstellervereinigung beizutreten.

Nach langem Tauziehen hatte sich die Elektronikindustrie vor mehr als einem Jahr auf den Blu-Ray-Standard als DVD-Nachfolger festgelegt.

Toshibas HD-DVD bot ebenso wie Blu-Ray hochauflösende Bilder, jedoch setzte sich die Konkurrenz wegen der größeren Unterstützung der führenden Hollywood-Studios und großer US-Einzelhandelsketten durch.

Die japanischen Elektronikhersteller investierten in den vergangenen Jahren massiv in das Wettrennen um die DVD-Nachfolge.