bedeckt München 27°

Wirtschaft kompakt:Katar liebäugelt mit Einstieg bei Auktionshaus Christie's

Für Araber hatte London schon immer eine große Anziehungskraft - nun hat das Emirat Katar Interesse an einer Übernahme des traditionsreichen Auktionshauses Christie's geäußert. "Wir bauen ein Museum, und Christie's hat Verbindungen zu Dingen, die wir für unser Museum zusammentragen", sagte der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, der Financial Times.

Ein offizielles Gebot gibt es aber noch nicht. Christie's bezeichnete eine mögliche Übernahme durch das Emirat Katar als "Spekulation". Diese werde nicht kommentiert. Christies gehört der Privatholding Artemis des französischen Milliardärs und Kunstsammlers François Pinault. Im ersten Halbjahr verbuchte das Auktionshaus einen Umsatzanstieg um 46 Prozent auf 1,71 Milliarden britische Pfund (1,92 Mrd. Euro).

Hilfe aus Downunder: Im Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch die spanische ACS kann Deutschlands größter Baukonzern Hochtief auf Hilfe vom fünften Kontinent hoffen.

Die australische Hochtief-Tochter Leighton teilte mit, den heimischen Übernahme-Ausschuss angerufen zu haben, um die eigenen Minderheits-Aktionäre zu schützen.

Der Ausschuss solle die "nicht akzeptablen Umstände" des ACS-Gebots für Hochtief klären. Man sei besorgt, dass ACS versuche, über eine niedrige Offerte für Hochtief auch die Kontrolle über Leighton zu bekommen. Es sei zu befürchten, dass ACS damit ein Übernahme-Angebot für Leighton zum vollen Preis umgehen wolle.

Auch Hochtief will sich an den Ausschuss wenden. Damit soll die australische Kontrollinstanz für Übernahmen dazu gebracht werden, von ACS auch ein Angebot für Leighton zu verlangen. Die Essener hoffen, die Kosten für die hoch verschuldeten Spanier damit in unbezahlbare Höhen zu treiben.

Die australischen Kontrolleure könnten die Zustimmung verweigern, wenn die Spanier über Hochtief die Kontrolle von Leighton erhalten wollten, ohne für die Tochter Leighton zu bieten. Hochtief hält 54,5 Prozent an Leighton. Die restlichen Aktien der Australier haben einen Marktwert von etwa 3,6 Milliarden Euro. Damit ist Leighton an der Börse doppelt so viel Wert wie die deutsche Mutter.

Im Inland erhielt Hochtief zusätzliche Unterstützung von der SPD: Parteichef Sigmar Gabriel sagte nach Beratungen mit Hochtief-Vertretern, es gehe darum, eine Lücke im deutschen Recht zu schließen. Danach sollen ausländische Firmen, die bereits 30 Prozent an deutschen Unternehmen halten, verpflichtet werden, ein neues Angebot an die Aktionäre abzugeben, wenn sie ihre Anteile weiter erhöhen wollen. Dies sei in Deutschland anders als in Spanien oder einer Reihe von anderen EU-Ländern bislang nicht der Fall.

Die SPD habe dazu den anderen Parteien einen entsprechenden Vorschlag für eine Gesetzesänderung zugeleitet, der mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit schnell im Bundestag verabschiedet werden könne.