bedeckt München 32°

Wirtschaft auf Erholungskurs:Realistisch bleiben

Vieles deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft den Tiefpunkt ihres schlimmen Absturzes hinter sich hat. Doch auch wenn einige Konjunkturdaten besser sind, ist die Krise noch nicht vorbei

Hat die deutsche Wirtschaft den schlimmsten Absturz der Nachkriegszeit hinter sich? Diese Frage treibt Politiker, Ökonomen, Firmenchefs und Arbeitnehmer um. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass der Tiefpunkt erreicht ist. Die Unternehmen bekommen wieder Aufträge herein, die Industrie produziert mehr, und die Exporte stabilisieren sich.

Containerschiff im Hamburger Hafen

(Foto: Foto: dpa)

Doch die guten Meldungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aufstieg aus einem tiefen Tal erfolgt. Daran ändern auch neue Zahlen der Metall- und Elektroindustrie nichts. Trotz der Krise seien kaum Mitarbeiter entlassen worden, erklärte deren Arbeitgeberverband.

Das klingt wohlfeil, denn mit mehr als drei Millionen Beschäftigten gehört die Branche zu den großen Arbeitgebern. Doch viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit. Hätte die Bundesregierung die Vorschriften dazu nicht vereinfacht, wäre die Zahl der Entlassungen deutlich gestiegen - auch bei den Metallfirmen.

Nur ein kleiner Schimmer sind auch die guten Nachrichten der Zeitarbeitsfirmen. Die Nachfrage nach Leiharbeitern zieht wieder an, heißt es dort hoffnungsfroh. Doch in der Zeitarbeit war die Krise zuerst spürbar, und zwar deutlich. Zeitarbeiter sind schnell zu "beschaffen", wenn es viel zu tun gibt - und sie sind ebenso schnell wieder loszuwerden, wenn die Aufträge ausbleiben.

Es wird noch eine Weile dauern, bis sich die Wirtschaft erholt. Eine Million Stellen sind gefährdet. Das sind die, auf denen die Menschen in Kurzarbeit sind. Der Herbst wird kritisch, weil viele Firmen dann prüfen, ob sie die Kurzarbeit verlängern oder Mitarbeiter entlassen. Nur wenn die Unternehmen gut über den Winter kommen, ist eine echte Erholung in Sicht.