Zahlungsdienstleister:Razzia bei Wirecard - Aktie fällt nachbörslich um zehn Prozent

Zahlungsdienstleister: Der Stammsitz des Dax-Konzerns im Münchener Vorort Aschheim.

Der Stammsitz des Dax-Konzerns im Münchener Vorort Aschheim.

(Foto: Claus Schunk)

Grund für die Durchsuchung ist eine Strafanzeige der Finanzaufsicht Bafin wegen des Verdachts auf Marktmanipulation.

Von Jan Willmroth und Nils Wischmeyer, Köln

Die Woche endet mehr als turbulent für den Dax-Konzern Wirecard. Die Finanzaufsicht Bafin hat Strafanzeige gegen das Unternehmen mit Sitz in Aschheim gestellt, und das bereits vor einigen Tagen. Sie verdächtigt das Unternehmen um Chef und Anteilseigner Markus Braun der Marktmanipulation.

Konkret soll es um zwei Meldungen gehen, die Wirecard in den vergangenen Wochen veröffentlicht hat und die den Markt womöglich in die Irre geleitet haben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft München I auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung. Die Ermittler haben aufgrund der Anzeige die Ermittlungen aufgenommen und am Freitag die Räume des Konzerns in Aschheim durchsucht.

Sie führen zudem alle vier Vorstände des Zahlungsdienstleisters als Beschuldigte, darunter auch Vorstandschef Markus Braun. Zum Ergebnis der Durchsuchungen und zu möglichen weiteren Schritten machten die Ermittler keine Angaben. Wirecard selbst äußerte sich per ad-hoc-Mitteilung. Darin bestätigt der Konzern die Durchsuchungen der eigenen Räumlichkeiten. Die Ermittlungen würden nicht auf die Firma zielen, sondern sich gegen die Vorstände richten. Man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden.

Der KPMG-Bericht warf mehr Fragen als Antworten auf

Die beiden beanstandeten Meldungen vom 12. März und 22. April stehen im Zusammenhang mit einem Sonderbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Diese Sonderprüfung hatte Wirecard eigentlich beauftragt, um die langjährigen Vorwürfe der Bilanzmanipulation endlich zu widerlegen. Stattdessen warf die mehrmonatige Prüfung mehr Fragen als Antworten auf, weil die Prüfer wichtige Zahlungsströme nicht zweifelsfrei nachvollziehen konnten.

Im Vorfeld der Veröffentlichung des Berichts hatte Wirecard trotzdem jene beiden Meldungen ausgegeben, in denen sich der Konzern betont gelassen gab und es für Anleger so aussah, als würden durch den Bericht alle Vorwürfe entkräftet. Genau das war aber nicht der Fall. Der Bericht zählte zahlreiche Kritikpunkte und Mängel auf, woraufhin der Aktienkurs stark nachgab.

Die Ermittler schauen sich nun genauer an, ob Wirecard den Finanzmarkt anders hätte informieren müssen. Die Finanzaufsicht teilte auf Anfrage am späten Abend lediglich mit: "Die Bafin äußert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Gesellschaften."

Aktie sackt nachbörslich deutlich ab

Hintergrund des Berichts sind Vorwürfe gegenüber Wirecard, die Anleger und Investoren schon länger verunsichern und über die die Financial Times im vergangenen Jahr prominent berichtet hatte. Demnach sollen mehrere Rechnungen im Asiengeschäft zurückdatiert oder gefälscht worden sein, um - so der Vorwurf - den Umsatz künstlich aufzupumpen. Zwar hatte eine erste Untersuchung keine signifikanten Fehler gefunden, Markus Braun musste aber kleinere Probleme zugeben.

Wesentlich gravierender sind die Vorwürfe, dass Wirecard Geschäfte über Drittpartner womöglich künstlich aufgebläht hat. Der KPMG-Bericht hatte dazu keine endgültigen Beweise gefunden, konnte aber auch die Zahlungsströme nicht einwandfrei nachvollziehen, was bei vielen Investoren für Bedenken sorgte. Auch deswegen ist der Aktienkurs nach Veröffentlichung der Sonderprüfung kurzfristig dramatisch eingebrochen.

Auch an diesem Freitag gab die Aktie nachbörslich deutlich nach: Die Wirecard-Papiere verloren im Frankfurter Späthandel nach Bekanntwerden der Razzia mehr als zehn Prozent. Den regulären Handel hatten die Papiere zuvor noch 0,2 Prozent im Plus bei 95,88 Euro beendet.

© SZ/vit
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