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Bilanz-Skandal:Ermittler greifen sich Vermögen von Ex-Wirecard-Chef Braun

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun bei einer Bilanz-PK

Markus Braun, bis zum Auffliegen des Bilanzskandals Vorstandsvorsitzender von Wirecard, bei einer Pressekonferenz des Zahlungsdienstleisters 2019.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft will mit Arrestbeschlüssen gegen Manager und Firmen insgesamt 200 Millionen Euro retten. Das Geld soll Geschädigten des Wirecard-Skandals zugutekommen.

Von Klaus Ott und Jörg Schmitt

Im Milliardenskandal bei Wirecard haben sich die Ermittler Zugriff auf das Vermögen von Ex-Vorstandschef Markus Braun und von weiteren früheren Konzernmanagern wie auch von einzelnen Firmen gesichert. Die Staatsanwaltschaft München I will auf diese Weise erreichen, dass die Geschädigten einen Teil ihres bei Wirecard verlorenen Geldes zurückbekommen. Rund 200 Millionen Euro könnte die Aktion der Ermittler bringen. Viele Aktionäre und die Hausbanken der pleitegegangenen Wirecard AG haben insgesamt weit mehr als 20 Milliarden Euro verloren.

Die Staatsanwaltschaft hat beim Amtsgericht München etwa zehn Arrestbeschlüsse gegen Personen und Firmen erwirkt, die in die mutmaßlichen Betrügereien bei Wirecard verwickelt sein sollen. Das teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Die Ermittlungsbehörde nannte aber keinerlei Namen, sondern erklärte lediglich, dass es um vier Personen und drei Firmen gehe. Arrestbeschlüsse haben den Zweck, Beschuldigten den Zugriff auf ihr Vermögen zu entziehen.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist der aus Österreich stammende Ex-Konzernchef Braun einer der Betroffenen. Braun verfügt über wertvolle Immobilien in Österreich und hat außerdem vor zwei bis drei Monaten mehr als 100 Millionen Euro durch den Verkauf von Wirecard-Aktien eingenommen. Den größten Teil dieses Millionenerlöses brauchte der frühere Konzernchef allerdings, um einen privaten Kredit zurückzahlen zu können.

Summen "bis zum mittleren zweistelligen Millionenbereich"

Einer der weiteren Arrestbeschlüsse soll sich gegen Brauns ehemaligen Vorstandskollegen Jan Marsalek richten, der nach der Entdeckung eines Bilanzlochs in Milliardenhöhe geflohen ist und nach dem weltweit gefahndet wird. Brauns Anwälte äußerten sich nicht dazu, Marsaleks Anwälte waren Montagmittag nicht erreichbar. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es bei den Personen, die von den Arrestbeschlüssen betroffen sind, teilweise um Summen "bis zum mittleren zweistelligen Millionenbereich". Gemeint ist damit eine Größenordnung von 50 Millionen Euro.

Dies könnte auf Braun zutreffen. Der ehemalige Konzernchef sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn des Betrugs, der Bilanzfälschung, der Manipulation des Börsenkurses von Wirecard und der Veruntreuung von Konzernvermögen. Braun bestreitet alle Vorwürfe. Ob sich die Verdachtsmomente gegen ihn bestätigen oder als haltlos erweisen, müssen die weiteren Ermittlungen erst noch zeigen. Neben Braun sitzen noch drei weitere frühere Konzernmanager in Untersuchungshaft.

Über die drei Firmen, gegen die Arrestbeschlüsse ergingen, sollen hohe Millionenbeträge von Wirecard in dunkle Kanäle geflossen sein. Bei einer Firma geht es um mehr als 100 Millionen Euro. Wirecard hatte hohe Kredite an dubiose Gesellschaften in Asien vergeben. Außerdem hat der Konzern sehr viel Geld für den Kauf von Firmen ausgegeben. Über Kredite und Firmenkäufe könnte mehr als eine Milliarde Euro versickert sein.

© SZ vom 01.09.2020
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