Waffenexporte:Die Märkte im eigenen Land schrumpfen

Wezeman sagt, die Vorgänge seien ein typisches Beispiel dafür, dass bei Rüstungsgeschäften oft ökonomische Überlegungen im Vordergrund stünden. "Es wäre aber wünschenswert, dass man den Waffenhandel stärker unter sicherheitspolitischen Aspekten betrachtet", meint der Forscher. "Man hätte sich fragen sollen: Dient es unserer Sicherheit, wenn Gaddafi diese Waffen bekommt? Und was bedeutet es für die Sicherheit der Region? Und für die Sicherheit der Menschen, die in Libyen leben?"

Hintergrund des Werbens der Industriestaaten um neue Absatzmärkte für ihre Waffen ist insbesondere das ständige Schrumpfen der eigenen Rüstungsbudgets. Da die heimischen Armeen immer weniger Geld für neues Material ausgeben können, drohen in der europäischen Waffenindustrie Pleiten und der Verlust vieler Arbeitsplätze.

Um dies zu verhindern - und um zu garantieren, dass weiterhin komplexe Waffensysteme wie zum Beispiel Kampfflugzeuge im eigenen Land entwickelt werden können - sucht man Kunden im Ausland. "Es gibt einen harten Wettbewerb zwischen den Lieferanten um große Rüstungsaufträge in Asien, dem Nahen Osten, Nordafrika und Lateinamerika", fasst Paul Holtom, Direktor des Waffenhandelsprogramms bei Sipri, zusammen.

Indien zum Beispiel, das größte Abnehmerland, kauft unter anderem wegen des schwelenden Konfliktes mit Pakistan, der Rivalität mit dem großen Nachbarn China und auch wegen Sicherheitsproblemen im eigenen Land so viele Rüstungsgüter. Größter Lieferant war in den vorigen Jahren Russland.

In Indien ist Sipri zufolge auch zu beobachten, wie Schwellenländer versuchen, sich eine eigene, moderne Waffenindustrie aufzubauen. Die Bestellung wird oft an Bedingungen wie Technologietransfer oder die Verlagerung von Teilen der Fertigung nach Indien geknüpft. Um sich Aufträge zu sichern, würden Konzerne sich auf solche Forderungen einlassen. Deutschland konnte seine Exporte im vergangenen Jahrzehnt deutlich mehr steigern, als viele der anderen Industriestaaten.

Deutscher Waffenexport hat sich nahezu verdoppelt

Von 2006 bis 2010 verkauften deutsche Waffenhersteller 93 Prozent mehr ins Ausland als in den fünf Jahren zuvor. Deutschland konnte in der Rangliste der größten Waffenexporteure von der vierten an die dritte Stelle aufrücken. Besonders begehrt sind deutsche Kriegsschiffe - sie stehen für insgesamt 43 Prozent des Exportvolumens - gefolgt von gepanzerten Fahrzeugen, von denen seit 2006 mehr als 2300 Stück ins Ausland verkauft wurden.

Die deutschen Rüstungslieferungen gingen zu 43 Prozent an europäische Staaten. Bester Kunde war Griechenland, das unter anderem mehrere U-Boote bestellt hat. Wegen der angespannten Haushaltslage in Athen ist Sipri zufolge aber damit zu rechnen, dass dieser Markt künftig weniger lukrativ sein wird. Weitere große Abnehmer deutscher Waffen waren Südafrika, die Türkei, Südkorea und Malaysia.

Das Friedensforschungsinstitut Sipri gibt jedes Jahr eine Statistik zur Entwicklung der internationalen Waffengeschäfte heraus. Die Daten werden von den Forschern ausschließlich aus öffentlichen Quellen wie Regierungsberichten, Zeitungen und Fachmagazinen erhoben.

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