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Währungen:Die EZB dürfte ihren Kurs nicht so bald ändern

Marktexperten erwarten, dass diese Unsicherheit nicht so schnell verschwinden wird. "Mario Draghi hat für 2016 ein Wachstum von 1,9 Prozent vorhergesagt. Damit hat er die Latte sehr hoch gelegt", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Wenn diese Vorgabe nicht erreicht wird, so legt Krämer nahe, ist dies ein Grund, das Programm zum Anleihekauf auszubauen. Immerhin prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) der Euro-Zone nur 1,4 Prozent Wachstum. "Ich halte sowohl eine Verlängerung als auch eine Erhöhung der monatlichen Beträge für möglich." Draghi selbst verteidigte die Anleihenkäufe mit starken Worten: "Vermögenskäufe sind ungewöhnlich, aber nicht unorthodox. Sie sind sogar besonders orthodox", sagte er während einer Konferenz in Frankfurt. Für die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank sei es entscheidend, dass sie auch die Mittel habe, um ihre Ziele zu erreichen. Die Ziele - das sind in diesem Fall höheres Wachstum und die Abwehr einer schädlichen Deflation. Und nicht zuletzt habe die Politik der EZB bisher Erfolg gehabt: "Die Schwächung des Wachstums wurde umgedreht."

Solche Aussagen sprechen dafür, dass es bei der EZB nicht so bald eine Trendwende geben wird. Nick Lawson, ein Händler bei der Deutschen Bank in New York, sagte dem Wall Street Journal: "Inzwischen werden die Dollar-Euro-Parität und Null-Renditen für Bundesanleihen offen diskutiert. Sie dürften für niemanden als Überraschung kommen."

EZB in Frankfurt am Main

Das Monster ist weg. Lange Zeit zierte ein Graffito den Bauzaun des Hochhauses der EZB in Frankfurt - was manche Beobachter sehr sinnig fanden.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Zu den Risiken zählt die schwierige Lage deutscher Lebensversicherungen

Die Politik Draghis entfaltet sich nicht so sehr über die Geldmenge oder die Zinsen direkt, sondern über den Wechselkurs. Wenn die Zinsen ohnehin schon nahe null sind, dann bewirken ein paar Mini-Senkungen nicht viel. Der billige Euro jedoch schlägt unmittelbar durch: Die Importpreise steigen, das bringt die Inflationsrate nach oben. Und er hilft der europäischen Exportwirtschaft, indem er deren Produkte billiger macht. Eigentlich gehört der Wechselkurs nicht zu den offiziellen Instrumenten der EZB, sie nimmt die positiven Effekte jedoch dankend hin. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny bekräftigte diese Position am Mittwoch: "Wechselkurse sind relevant, ja, aber sie sind kein großer, dominanter Faktor in der Weltwirtschaft", sagte der Präsident der Österreichischen Nationalbank. Es sei falsch, "das, was jetzt stattfindet" als "Währungskrieg zu bezeichnen." Die EZB betreibe keine Politik der Wechselkurse. "Das ist ein Nebeneffekt anderer Dinge." Auf Deutsch: Die EZB kann mit dem Verfall des Euro-Kurses leben.

Langfristig jedoch birgt die Null-Zins- und Billiger-Euro-Strategie erhebliche Risiken. Nicht nur der Zorn der Sparer über fehlende Erträge wird zunehmen. Sowohl Lebensversicherungen als auch betriebliche Pensionskassen geraten immer mehr in Schwierigkeiten, wenn sie ihre Verpflichtungen erfüllen wollen. Auch diese Perspektiven werden in das Kalkül der Finanzmärkte eingehen.