Konjunktur:Die Stimmung dreht sich in Deutschland

Lesezeit: 2 min

Konjunktur: Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dürfte bei den aktuellen Wirtschaftsprognosen gute Laune haben - die Gefahr einer Rezession scheint erst einmal gebannt zu sein.

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dürfte bei den aktuellen Wirtschaftsprognosen gute Laune haben - die Gefahr einer Rezession scheint erst einmal gebannt zu sein.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)

Die deutsche Wirtschaft wird nach Prognosen der Regierung im laufenden Jahr doch nicht schrumpfen, sondern wachsen. 2024 soll das Plus sogar bei 1,8 Prozent liegen.

Von Michael Bauchmüller und Lisa Nienhaus, Berlin

Deutschland erlebt gerade einen rasanten Stimmungsumschwung. Noch im Herbst 2022 waren die Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2023 ziemlich düster. Eine Rezession schien sicher zu sein. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach im Oktober von "ernsten Zeiten". Nun wird es nach Erwartung der Regierung im Jahr 2023 ganz anders kommen: Die Wirtschaft schrumpft nicht, sondern sie wächst sogar ein bisschen.

Wie die SZ aus Regierungskreisen erfuhr, prognostiziert der Jahreswirtschaftsbericht, der an diesem Mittwoch von Habeck vorgestellt wird, für 2023 ein Wachstum von 0,2 Prozent. In seiner Herbstprojektion war das Ministerium noch von minus 0,4 Prozent ausgegangen. Für 2024 rechnet die Regierung aktuell sogar mit 1,8 Prozent Wachstum, wobei diese Zahl noch nicht in dem Bericht enthalten sein wird, da er sich nur aufs laufende Jahr bezieht.

Die Lage sei beherrschbar geworden, hieß es aus Regierungskreisen. Als Grund dafür sieht man dort vor allem das eigene Krisenmanagement. Wahr ist: Der befürchtete Gasmangel ist ausgeblieben, nicht zuletzt dank milder Winterwochen. Volksaufstände hat es auch nicht gegeben - stattdessen schützen nun Preisbremsen die Strom- und Gaskundschaft. Auch eine Pleitewelle gab es bislang nicht, ungeachtet vieler Sorgen in der Industrie.

"Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage durch die Bundesregierung ist positiver als gegen Ende des letzten Jahres vielfach erwartet", sagt auch Clemens Fuest, Direktor des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. "Die Entwicklung der Wirtschaftsdaten am aktuellen Rand kann diese Einschätzung durchaus rechtfertigen." Schon seit Oktober zeige der Geschäftsklimaindex des Instituts eine Stabilisierung an, sagt Fuest. "Die Energiepreise, insbesondere die Gaspreise, entwickeln sich auch besser als befürchtet." Binnen drei Monaten haben sich die Gaspreise am Amsterdamer Handelspunkt TTF mehr als halbiert.

Die Kauflust kommt langsam zurück

Das hat Folgen auch für den Konsum. Die Angst vor unkalkulierbar hohen Energiepreisen hatte eine Zeit lang auch die Kauflust gesenkt. Doch das ist erst einmal vorbei, konstatiert am Dienstag das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK. "Sinkende Preise für Energie, wie Benzin und Heizöl, haben dafür gesorgt, dass die Konsumstimmung weniger trüb ist", sagt deren Konsumexperte Rolf Bürkl.

Die Folge: Das GfK-Konsumbarometer steigt zum vierten Mal in Folge. "Auch wenn das Niveau noch sehr niedrig ist, hat der Pessimismus zuletzt doch nachgelassen", sagt Bürkl. Zwar werde der Konsum deshalb noch nicht zur Triebfeder des Aufschwungs. Aber zumindest die Angst vor einer Rezession habe sich einstweilen verflüchtigt. Stattdessen klettern die Konjunkturerwartungen den Nürnberger Marktforschern zufolge wieder auf das Niveau der Zeit vor dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Das deckt sich mit den Erwartungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Beim "Global Economic Outlook" im schweizerischen Davos hatte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa vorigen Freitag gesagt, 2023 werde "weniger schlimm" als befürchtet. Für Deutschland war sie sogar ganz besonders optimistisch: Sie deutete an, dass die Prognose des IWF auf 0,5 Prozent Wachstum erhöht werden könnte. Noch im Oktober hatte der IWF ebenfalls ein Schrumpfen vorhergesagt. Georgiewa warnte allerdings auch davor, jetzt von "zu pessimistisch" auf "zu optimistisch" umzuschalten.

Was bedeutet das für die Wirtschaftspolitik? Vor einem Jahr hatte Habeck, damals frisch im Amt, noch die sozial-ökologische Marktwirtschaft in den Mittelpunkt seines ersten Jahreswirtschaftsberichts gestellt. Geht es nach Finanzminister Christian Lindner (FDP), wäre es nun Zeit für Kurskorrekturen und eine stärker angebotsorientierte Wirtschaftspolitik. Es gehe nun darum, "nicht nur Wohlstand zu verteilen", sagte er am Dienstag in Berlin, sondern neuen Wohlstand zu schaffen. Es mangele an Dynamik. Auch darüber diskutiert es sich leichter ohne Rezession im Nacken.

Zur SZ-Startseite

Davos
:Wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht

2023 wird wohl "weniger schlimm" als befürchtet, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa - und hat gute Nachrichten für Deutschland. Welche Krisen bleiben, welche kommen könnten und was dagegen getan werden muss.

Lesen Sie mehr zum Thema