Reisen:Tui verbreitet Optimismus

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Reisen: Urlaub auf einem Tui-Kreuzfahrtschiff: Das soll wieder mehr Menschen begeistern.

Urlaub auf einem Tui-Kreuzfahrtschiff: Das soll wieder mehr Menschen begeistern.

(Foto: Imago Images/localpic)

Der Reisekonzern präsentiert solide Halbjahreszahlen. Doch Tui steht noch immer vor großen Herausforderungen.

Von Lea Hampel und Sonja Salzburger

Tui-Chef Fritz Joussen hat sich bei der Präsentation der Halbjahreszahlen bemüht, gute Stimmung zu verbreiten. Nach der Pandemie, betonte er, wollen die Menschen reisen und seien bereit, mehr Geld dafür auszugeben. Aktuell haben die Kunden, so Joussen, bereits 85 Prozent des Niveaus vom Vor-Pandemie-Sommer 2019 gebucht, sie fahren im Schnitt länger weg und geben bis zu 20 Prozent mehr Geld aus. Insbesondere Griechenland sei gefragt, auch in der Türkei und in Spanien könnten die Hotelzimmer zum Ende des Sommers knapp werden. Entsprechend solide wirken die Finanzen im Vergleich zu den zwei Krisenjahren. Der Konzern verfügt über liquide Mittel in Höhe von 1,23 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung ist auf 3,9 Milliarden Euro gesunken. Während der Pandemie hat die Bundesrepublik Tui mit insgesamt 4,3 Milliarden Euro Staatshilfen und zusätzlich mit Kurzarbeitergeld unterstützt. Joussen hofft nun, dass Tui im laufenden Geschäftsjahr endlich wieder profitabel wird.

Dennoch gibt es konkrete Probleme: Noch zeigen sich die Folgen der Pandemie, die Verschuldung ist immer noch hoch. Im zweiten Quartal 2022 machte der Konzern 330 Millionen Euro Verlust. Und die Lage rund um Großaktionär Alexej Mordaschow ist diffus. Der sanktionierte Russe hat Ende Februar knapp 30 Prozent am Unternehmen an seine mutmaßliche Ehefrau übertragen, die ebenfalls jederzeit sanktioniert werden könnte. Ob der Deal überhaupt gültig war, überprüft das Wirtschaftsministerium. Drängend wäre die Frage, was das für künftige strategische Schritte bedeutet. Dazu wollten sich weder Joussen noch Finanzchef Sebastian Ebel äußern.

Auch nach Ansicht von Bilanzexpertin Carola Rinker haben die Hannoveraner einige Hausaufgaben. Die Umsatzkosten, etwa Aufwendungen für Miete, Personal und Abschreibungen, seien höher als die Umsatzerlöse. Auch die Verschuldung sei teuer. Um Zinsen zu tilgen, musste Tui im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 173,9 Millionen Euro bezahlen. "Im Vergleich zu den Umsatzerlösen sind das erhebliche Zinsaufwendungen", sagt Rinker. Bislang habe Tui außerdem verhältnismäßig geringe Summen der Anzahlungen ihrer Kunden an Hoteliers weitergereicht.

Überhaupt ist die mittelfristige Entwicklung unklar. Eine neue Corona-Variante, die Inflation oder die Sicherheitssituation kann Kunden verunsichern. Doch Joussen ließ all das unberührt. Die Inflation beispielsweise "bereitet mir für dieses Jahr keine Sorgen", sagte er. "Es gibt eine starke Nachfrage und die wird über den Sommer hin anhalten", sagte der Tui-Chef. Die Börse reagierte weniger euphorisch, der Kurs lag bei rund 2,60 Euro, das ist rund die Hälfte von vor einem Jahr - und weniger als ein Viertel dessen, was Tui-Aktien noch vor fünf Jahren wert waren.

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