TS-Markt Sibirischer Supermarkt kommt nach Deutschland

So wie vor Jahren und Jahrzehnten die Aldi-Filialen daherkamen (im Bild), sehen noch heute die Filialen des russischen Discounters TS-Markt aus.

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  • Der russische Discount-Supermarkt "TS-Markt" plant, mehr als 100 Filialen in Ost- und Norddeutschland zu eröffnen.
  • Die Märkte erinnern an den ersten Aldi-Discounter in Deutschland 1962: überall Kartons, Paletten und der Preis auf schmucklosen Zetteln.
Von Michael Kläsgen

So wie Aldi früher mal war, wissen die Kunden nur noch aus Erzählungen: schmucklos auf Paletten aufeinandergereihte Kartons mit unverderblichen Lebensmitteln. Heute bemüht sich Aldi immer noch, schmucklos und damit billig zu wirken. Aber die Kartons sind größtenteils weg und die Paletten unauffällig kaschiert. Außerdem gibt es frisches Bio-Gemüse und Superfood. Von Reisen bis Klamotten findet sich fast alles im Sortiment. Den Aldi von damals gibt es nicht mehr, weshalb sich eine Marktlücke auftut. Denn auch Penny, Netto, Norma oder Lidl sind mit der Zeit gegangen.

Ein russischer Discounter aus Sibirien schickt sich nun an, diese Lücke zu füllen. Die TS-Markt GmbH plant, mehr als 100 Läden in Berlin, Ost- und Norddeutschland zu eröffnen. Das Unternehmen aus Krasnojarsk sucht zwar noch keine Filialmitarbeiter, dafür aber Leute, die nach geeigneten Standorten suchen, Logistik beherrschen und Läden einrichten können. Wobei Fotos der Discounter in Russland nahelegen, dass die Innenausstattung eine eher untergeordnete Priorität hat. Es sieht eher wie damals, 1962 in Dortmund, im ersten Aldi-Discounter aus: Kartons, Paletten, der Preis steht auf einem Zettel am Regal.

Aldi und Lidl beweisen täglich: Preise senken können sie immer noch

Torgservis, die Muttergesellschaft von TS-Markt, gehört mehrheitlich der Unternehmerin Valentina Shnayder. Sie gründete den Discounter erst vor neun Jahren. Heute ist er mit knapp 800 Filialen meist östlich des Urals und 1,3 Milliarden Euro Umsatz längst nicht der größte Lebensmittelhändler Russlands. Die Marktführer heißen Magnit und X5 Retail. Letzterer macht den deutschen Discountern bei der Expansion in einzelne Länder Osteuropas große Konkurrenz. X5 ist nach Angaben der Lebensmittelzeitung bereits der drittgrößte Discounter in Europa und macht einem Umsatz von knapp 18 Milliarden Euro.

Vielleicht will Torgservis einfach nur die scheinbar entstehende Lücke im Discounterland Deutschland als Erster besetzen und den anderen Konkurrenten aus Russland zuvorkommen. Andere, die es versucht haben, Real etwa, scheiterten allerdings an der hohen Effizienz der hiesigen Billigheimer. Preise senken können sie immer noch, das beweisen sie tagtäglich für einzelne Produkte. Nirgends in Westeuropa sind Lebensmittel so günstig wie hier.

Andererseits wollen die Kunden auch eine bestimmte Qualität und nicht nur den absolut günstigsten Preis, geben Experten zu bedenken. Vom individuellen Kundenempfinden einmal abgesehen, muss Torgservis darüber hinaus hierzulande natürlich die gesetzlichen Qualitätsstandards einhalten, um überhaupt verkaufen zu dürfen. Das wiederum könnte die Preise nach oben treiben. Der Erfolg des sibirischen Herausforderers ist also längst nicht ausgemacht.

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