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Thyssenkrupp:Stahljobs in Gefahr

ThyssenKrupp - Quartalszahlen

Die Stahlwerke von Thyssenkrupp leiden unter dem weltweiten Preiskampf, der schwächelnden Autokonjunktur und "hausgemachten" Problemen, schreiben die Vorstände.

(Foto: Roland Weihrauch / dpa)

Deutschlands größter Stahlhersteller will bis zu 2000 Stellen abbauen. Ganzen Anlagen im Pott droht das Aus.

Bei Deutschlands größtem Stahlhersteller Thyssenkrupp stehen bis zu 2000 Arbeitsplätze und ganze Anlagen auf der Kippe. "Das Produktionsnetzwerk wird sich verändern", kündigt der Vorstand der Stahlsparte in einem Brief an die etwa 28 000 Beschäftigten hierzulande an. Einzelne Anlagen würden hinzugefügt oder fielen weg, Arbeitsplätze an andere Orte verlagert. "Natürlich werden wir versuchen, dies möglichst sozial verträglich abzubilden", schreiben die Manager.

Die Stahlwerke des Traditionskonzerns ständen "stark unter Druck", konstatieren die Vorstände und verweisen auf den weltweiten Preiskampf, die zuletzt schwache Nachfrage der Autoindustrie - und den Importstahl aus Staaten mit geringeren Löhnen und Auflagen. Andere Probleme seien hausgemacht: "Einige unserer Anlagen sind nicht optimal ausgelastet oder entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik", sagen die Manager. "Außerdem bereiten sie uns große Qualitätsprobleme."

Für zwei Werke im Ruhrpott prüft der Konzern "Restrukturierung, Stilllegung oder Verkauf"

Der Vorstand um Premal Desai hat dem Aufsichtsrat der Stahlsparte am Dienstag Eckpunkte seines Zukunftsplans vorgelegt. Nun sickert durch, dass Thyssenkrupp insbesondere für Grobblech- und Elektroband-Werke in Duisburg und Bochum drei Optionen prüfe: "Restrukturierung, Stilllegung oder Verkauf." Man wolle in den nächsten Monaten entscheiden. Es sei unrealistischer, dass das Grobblechwerk alleinig im Konzern verbleibe, als das Elektroband-Werk in Bochum.

Thyssenkrupp hatte zuletzt versucht, die krisenanfälligen Stahlwerke in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten Tata Steel auszulagern. Doch die Fusion scheiterte im Mai am Veto der EU-Kommission. Der Konzern leidet bis heute unter Milliardenabschreibungen, die er nach Anlaufverlusten auf neue Stahlwerke in Brasilien und den USA vornahm.

"Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir investieren", lässt sich Thyssenkrupp-Vorstand Klaus Keysberg nun zitieren. "Und zwar mehr als in der Vergangenheit." 570 Millionen Euro jährlich seien bereits geplant, doch der Spielraum für zusätzliche Mittel "sehr begrenzt". Denn der ganze Konzern, zu dem etwa auch noch der Bau von Aufzügen, Anlagen und Autoteilen gehört, hat im vergangenen Geschäftsjahr Millionenverluste eingefahren.

Gleichwohl will der Stahl-Vorstand die "Strategie 20-30" als Flucht nach vorn verstanden wissen. "Wir werden uns nicht verkleinern", schreiben die Manager und rufen ein etwas höheres Absatzziel für die kommenden Jahre aus. Die Stahlsparte habe Potenzial und wolle sich "zurück an die Spitze kämpfen". Allerdings sollen dazu die Verwaltungskosten sinken und insgesamt bis zu 2000 Stellen wegfallen.

Das Konzept sei noch nicht beschlossen, so der Vorstand. IG Metall und Betriebsräte wollen es prüfen. Thyssenkrupp-Personalchef Oliver Burkhard geht nach eigenem Bekunden von einer Einigung im ersten Quartal 2020 aus. Sollte es nicht dazu kommen, wolle der Konzern einen Tarifvertrag, der den Stahlwerkern einstweilen Job- und Standortgarantien verspricht, "noch einmal letztmalig" bis Ende Juni 2020 verlängern. Am Donnerstag kommen die Stahlkocher in Duisburg, Dortmund und Gelsenkirchen zu Betriebsversammlungen zusammen.