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Tourismus:Condor darf Thomas-Cook-Fluggäste nicht mehr befördern

  • Der älteste Touristikkonzern der Welt ist pleite.
  • Alle Flüge seien gestrichen worden, teilt die britische Flugbehörde mit. Für Urlauber werde eine Rückholaktion gestartet.
  • Die britische Regierung hat einen Finanzierungsbitte des Reiseveranstalters über 150 Millionen Pfund abgelehnt.
  • Das deutsche Tochterunternehmen Condor darf Urlauber, die ihre Reise über Thomas Cook gebucht haben, aus rechtlichen Gründen nicht mehr an ihr Reiseziel bringen.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. Man habe keine Alternative gehabt, als mit sofortiger Wirkung Gläubigerschutz zu suchen, teilte der älteste Touristikkonzern der Welt in der Nacht zum Montag mit. Kurz zuvor hatte die britische Flugbehörde die Einstellung der Geschäfte und die Streichung aller Flüge bekanntgegeben. Sie kündigte eine Rückholaktion für Urlauber an.

Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt worden, doch die Verhandlungen scheiterten. Eine Finanzierungsbitte über 150 Millionen Pfund (knapp 170 Millionen Euro) des Reisekonzerns an die britische Regierung hat diese abgelehnt. "Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden", sagte Premierminister Boris Johnson der britischen Agentur PA.

Auch der britische Verkehrsminister Grant Shapps verteidigte die Entscheidung der Regierung. "Ich fürchte, das hätte sie nur für eine sehr kurze Zeit über Wasser gehalten", sagte Shapps am Montag dem Sender BBC in London. Das Unternehmen habe grundlegende Probleme in Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihre Reisen online buchen. Sowohl die Opposition als auch Gewerkschaften hatten die Regierung für die Ablehnung kritisiert.

Von der Pleite betroffen sind etwa 600 000 Touristen, darunter Zehntausende Deutsche. Dutzende Flugzeuge im Konzern sind für den deutschen Ferienflieger Condor im Einsatz. Dieser teilte in der Nacht auf seiner Website mit, die Flüge fänden planmäßig statt. "Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort", sagte eine Sprecherin am Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Aus rechtlichen Gründen darf Condor aber keine Urlauber mehr befördern, die ihre Reise über Thomas Cook gebucht haben. Das deutsche Tochterunternehmen hat bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt. Der Antrag werde gegenwärtig von der Bundesregierung geprüft, teilte der Ferienflieger mit. Die Lage werde aufmerksam verfolgt, teilte die Bundesregierung am Montag über Twitter mit.

Tochterfirma Neckermann Reisen stoppt Verkauf

Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben allerdings den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte die Thomas Cook GmbH am Morgen in Oberursel bei Frankfurt mit. "Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus", hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

Thomas Cook, gegründet im Jahr 1841, ist der älteste Touristikkonzern der Welt. Der Reiseveranstalter beschäftigt 21 000 Mitarbeiter in 16 Ländern - allein 9000 im Vereinigten Königreich. Pro Jahr buchen 19 Millionen Urlauber eine Reise mit Thomas Cook. Von einer Pleite wären insbesondere auch Hauptreiseländer wie Spanien, Griechenland oder die Türkei betroffen.

Thomas Cook war durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein britisches Tochterunternehmen und ein schwächeres Reisegeschäft ins Schleudern geraten. Stärker als der deutsche Konkurrent Tui leidet Thomas Cook unter der derzeitigen Reisezurückhaltung der Briten. Angesichts des drohenden Brexit und des bereits schwächeren Pfund halten sich viele mit Urlaubsbuchungen zurück.

Flugverkehr Thomas Cook droht die Pleite

Tourismus

Thomas Cook droht die Pleite

Der älteste Reisekonzern der Welt will eine Insolvenz abwenden, die britische Regierung arbeitet an einem Notfallplan. Ein Aus würde etwa 600 000 Touristen treffen.   Von Alexander Mühlauer