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Tarifstreit:Post-Streiks sollen nächste Woche beginnen

  • Die Gewerkschaft Verdi ruft im Tarifstreit mit der Post zu einem unbefristeten Streik auf.
  • Der Ausstand soll Anfang nächster Woche beginnen, der genaue Termin ist noch unklar.
  • Verdi geht es vor allem um die Paketboten, die zu Jahresbeginn in andere Gesellschaften ausgelagert wurden. Für sie gilt ein oft niedrigerer Tarif als bei der Post selbst.

Streik ab nächster Woche

Wegen eines Streiks bei der Post dürften ab kommender Woche zahllose Briefe und Pakete liegenbleiben. In dem Tarifkonflikt zwischen Verdi und Deutscher Post geht es um die Arbeitsbedingungen von etwa 140 000 Beschäftigten, vor allem aber um die etwa 6000 Paketzusteller. Die Gewerkschaft Verdi wollte die Post per Ultimatum zu einer Entscheidung zwingen, doch die ließ sich nicht darauf ein. Jetzt macht die Gewerkschaft ihre Drohung wahr: Anfang kommender Woche sollen unbefristete Streiks beginnen.

Die Auswirkungen

Die Briefkästen vieler Bürger dürften demnächst leerbleiben. Vor allem aber werden viele Briefe mit deutlicher Verspätung eintreffen. Weil weniger Zusteller zur Arbeit kommen, stauen sich die Briefe in den Verteilzentren. Wann sie ausgetragen werden, ist nicht berechenbar. Das kann problematisch sein, wenn man etwa eine Kündigung verschickt, die zu einem bestimmten Stichtag ankommen muss. Verloren gehen sollten die Briefe durch den Streik aber nicht.

Auch Pakete können verspätet kommen. Viele Versandhändler werden während der Post-Streiks auf andere Paketdienste wie Hermes, DPD oder UPS ausweichen. Im Berliner Raum hat die Post zuletzt auch DHL-Mitarbeiter aus Polen für die Paketzustellung eingesetzt.

Darüber streiten Verdi und Post

Angefangen hat alles damit, dass die Post zum Jahresbeginn 49 regionale Gesellschaften für die Paketzustellung gegründet hat. Hier arbeiten inzwischen rund 6000 Beschäftigte, die nicht nach dem Haustarif, sondern nach den jeweils gültigen, oft niedrigeren regionalen Tarifen des Logistikgewerbes bezahlt werden. So will die Post im harten Wettbewerb Kosten sparen. Die Gewerkschaft will jedoch nicht akzeptieren, dass die Zusteller weniger Geld bekommen.

Die Deutsche Post zahlt den Paketboten nach eigenen Angaben im Schnitt 17,70 Euro pro Stunde. Damit seien die Löhne doppelt so hoch wie bei den Wettbewerbern, heißt es von der Post. Die Einstiegslöhne bei den ausgegliederten Regionalgesellschaften liegen den Arbeitgebern zufolge im Schnitt bei knapp 13 Euro. Hinzu kämen Zuschläge.

Arbeitskampf

Post setzt polnische Paketboten für Streikende ein

Damit Pakete trotz Streiks ankommen, hat die Deutsche Post jetzt Aushilfen aus Polen engagiert. Verdi bezeichnet das als "beispiellos skandalös".

Das will die Gewerkschaft erreichen

Verdi verlangt, dass die Ausgliederung rückgängig gemacht wird. Alle Paketzusteller sollen nach dem höheren Haustarifvertrag bezahlt werden. Dafür würde die Gewerkschaft für dieses Jahr auch auf eine lineare Entgelterhöhung verzichten und zustimmen, dass neu eingestellte Beschäftigte länger in einer Gehaltsstufe bleiben, bevor sie aufsteigen. Ganz ohne Lohnplus soll die Tarifrunde aber nicht ausgehen: Verdi fordert eine Einmalzahlung von 500 Euro und 2016 dann ein Lohnplus von 2,7 Prozent.

Die Reaktion der Post

Die Post reagiert skeptisch. Das strukturelle Problem, dass die Post deutlich mehr zahle als die Wettbewerber, werde so nicht gelöst, hieß es vom Unternehmen. Nach Rechnung der Post würde der Verdi-Vorschlag zudem Mehrkosten von 250 Millionen Euro bedeuten. Endgültig will sich der Konzern Anfang kommender Woche zu dem Verdi-Angebot äußern.