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Arbeitskampf:Post setzt polnische Paketboten für Streikende ein

  • Damit der Betrieb trotz des Arbeitskampfs weiterläuft, hat die Deutsche Post jetzt unter anderem Aushilfen aus Polen engagiert.
  • Verdi ist bereits vor Gericht dagegen vorgegangen, dass der Konzern Beamte als Streikbrecher einsetzt, die Gewerkschaft scheiterte damit aber zunächst.

"Freiwillig zur Unterstützung im Einsatz"

Niemand soll etwas vom Streik bei der Deutschen Post merken, zumindest nicht die Kunden, die auf ihre Pakete warten - deswegen setzt der Konzern jetzt unter anderem polnische Paketboten ein. Sie sollen die Lücken füllen, die die Streikenden hinterlassen.

Schon seit dem Pfingstwochenende seien die Helfer von DHL Paket aus Polen im Einsatz, "dabei handelt es sich um erfahrene Zusteller, die freiwillig zur Unterstützung im Berliner Raum im Einsatz sind", sagte eine Unternehmenssprecherin dem Tagesspiegel. Die Zusteller würden mit den üblichen Arbeitsmitteln für die Paketzustellung ausgestattet und geschult, ihr Einsatz sei inklusive Kost und Logis. Sie seien dem Bericht der Zeitung zufolge bei der polnischen DHL-Tochter angestellt.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete den Einsatz der polnischen Paketboten als "beispiellos skandalös". "Das ist eine völlig neue Strategie, den Arbeitskampf im eigenen Land zu unterwandern, die auch bei der Bundespolitik auf Interesse stoßen dürfte", sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk im Tagesspiegel.

Die Gewerkschaft war bereits vor Gericht dagegen vorgegangen, dass die Post Beamte als Streikbrecher einsetzt. Am Dienstag ist sie mit Anträgen auf eine einstweilige Verfügung gegen den Einsatz der Beamten allerdings gescheitert. Verdi behielt sich vor, gegen die Entscheidung Rechtsmittel einzulegen.

Süddeutsche Zeitung Wirtschaft Sieg vor Gericht
Post

Sieg vor Gericht

Der Arbeitskampf bei der Post geht weiter. Ein Gericht hat nun entschieden, dass das Unternehmen Beamte einsetzen kann, um Streikende zu ersetzen. Doch ohne Urteil in einem Hauptverfahren ist der Konflikt nur vorläufig gelöst.   Von Bernd Dörries

5,5 Prozent mehr Lohn

Seit Anfang April bleiben in zahlreichen Orten immer wieder Briefe und Päckchen liegen, dem Konzern seien seit Beginn der Proteste Kosten im "niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich" entstanden, sagte ein Sprecher der Post.

Verdi will für 140 000 Tarifbeschäftigte des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Die Gewerkschaft kritisiert die Strategie der Post, neue Brief- und Paketzusteller in Deutschland unbefristet für weniger Lohn in neu gegründeten Gesellschaften arbeiten zu lassen. Die Post will am Gehalt der Boten sparen, weil sie ein Grund dafür seien, dass der Gewinn im Brief- und Paketgeschäft langsamer wachse als der Umsatz.

Die fünfte Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt ging in der vergangenen Woche ohne sichtbare Fortschritte zu Ende. Anfang Juni sollen die Gespräche fortgesetzt werden

Während der Hauptversammlung der Post in Frankfurt werden heute Proteste erwartet, Verdi-Chef Frank Bsirske will auf einer Kundgebung nahe der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst reden.