Streit über Lebensmittel-Pranger:In Dänemark grinst der Smiley

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Wenn es um die Ampeln geht, führen deutsche Verwaltungsgerichte auch europarechtliche Bedenken an. Verwunderlich, andere europäische Länder sind viel konfrontativer. Die tschechische Aufsichtsbehörde SZPI nennt ihre Datenbank über Verstöße von Lebensmittelhändlern ganz offiziell: "Essens-Pranger". Die gleichnamige App wurde 20 000 Mal heruntergeladen, sagt Pavel Kopriva von der SZPI.

Pankows Vorbild ist aber Dänemark. Ein Land, das glücklich ist mit seinem Pranger. Kontrolleure vergeben Smileys, vom traurig dreinblickenden bis zum grinsenden. Restaurants und Lebensmittelhändler müssen sie sichtbar anbringen. Bürger können die jüngsten vier Berichte über jeden Betrieb online lesen. Ein großer Anreiz für die Betriebe, sauberer zu arbeiten, sagt Kenny Larsen von der dänischen Aufsicht: "Seit 2002 ist der Anteil der Betriebe mit glücklichen Smileys von 70 auf 85 Prozent gestiegen." Jeder Däne kenne die Smileys. Die Mehrheit der Gastronomen sei Umfragen zufolge zufrieden. Manche Betriebe nutzten das System gar zur internen Qualitätssicherung, nach dem Motto: Wenn wir einen Smiley bekommen, bekommst du einen Bonus.

Manfred Redelfs, Recherche-Leiter von Greenpeace und Verfechter offener Behördendaten, sagt: "Die Lebensmittelindustrie versteckt sich hinter dem vermeintlichen Betriebs- und Geschäftsgeheimnis. Die Erfahrung in Dänemark zeigt aber, dass das Mehr an Transparenz niemandem geschadet, sondern allen genützt hat - einschließlich der Lebensmittelbranche."

Noch weiter in Sachen Transparenz ist Nordamerika. Die New York Times bastelte aus der Liste, die der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg ins Netz stellen ließ, die erwähnte Karte, die alle Restaurants der Metropole samt Bewertung zeigt. Das Weiße Haus unterstützte San Francisco und New York dabei, eine gemeinsame Software-Schnittstelle zu entwickeln. Dank der können Verbraucher nun auch auf dem kommerziellen Bewertungs-Portal Yelp erfahren, wie sauber die Hinterzimmer ihres liebsten Burgerbraters in der jeweiligen Stadt sind. Toronto führte 2001 das DineSafe-Programm ein, über das die Stadt alle Ergebnisse öffentlich macht. In den folgenden Jahren stieg der Anteil der Betriebe, die die erste Überprüfung ohne Probleme bestehen, von 78 auf 92 Prozent.

In Deutschland tut sich außerhalb von Pankow, Bielefeld und Duisburg erst einmal nichts. Niedersachsen will vom Bundesverfassungsgericht feststellen lassen, wie Veröffentlichungen rechtlich ohne Widerhaken organisiert werden können. Der Bund will die Bedenken der Verwaltungsgerichte in eine Gesetzesnovelle einbauen. Beides kann Jahre dauern. Solange bleiben Verbraucher "souverän", wie es Lebensmittelhersteller wollen - also ahnungslos.

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