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Steueroasen:Die Reichen ziehen Milliarden aus Steueroasen zurück

Skyline von Frankfurt

Skyline von Frankfurt: Viele Reiche holen ihr Geld aus den Steueroasen und legen es wieder zu Hause an.

(Foto: Boris Roessler/dpa)
  • Eine neue Studie zeigt: Viele Reiche aus westlichen Staaten holen ihr Geld aus Steueroasen zurück und legen es wieder in der Heimat an.
  • Insgesamt holten Westeuropäer, Amerikaner und Japaner drei Prozent des Vermögens zurück. Grund dürfte der gewachsene politische Druck sein.

Der Kampf der Industriestaaten gegen Steuerflucht, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erinnert oft an das Märchen vom Hasen und dem Igel - was die Politik auch tut, sie kommt immer zu spät. Und doch: Erstmals seit Langem haben die Regierungen nun zumindest einen Etappensieg erzielt. Das ergibt sich aus dem Global Wealth Report, den die Beratungsfirma Boston Consulting (BCG) am Dienstag in New York vorgestellt hat. Demnach holten reiche Bürger aus Westeuropa, den USA und Japan im vergangenen Jahr einen Teil ihres Geldes aus sogenannten Offshore-Finanzzentren nach Hause zurück. Zu den Gründen zählten laut BCG der wachsende Druck der Politik sowie Steueramnestien, etwa in Italien. Zudem zogen sich einige Banken aus Angst vor einem weiteren Imageverlust aus Steueroasen zurück. Die Industriestaaten hatten zuletzt eine ganze Reihe von Initiativen ergriffen, um Steuerbetrügern und Geldwäschern das Geschäft zu erschweren. So wollen sie sich künftig gegenseitig über die Kapitalerträge ausländischer Bürger informieren. Zudem sollen die wahren Begünstigten von Briefkastenfirmen identifiziert werden. Offshore-Finanzzentren sind Länder und Gebiete, die Sparern niedrige Steuern, ein striktes Bankgeheimnis und eine eher großzügige Bankenaufsicht versprechen, wo aber auch politische Stabilität herrscht und eine Vielfalt an Anlageprodukten angeboten wird. Die Geschäfte, die dort getätigt werden, sind nicht von vornherein ungesetzlich. Die Grenzen zwischen legalen und illegalen Praktiken waren in der Vergangenheit aber oft fließend, weshalb viele Regierungen die Zentren misstrauisch beäugen. Die größten dieser Finanzplätze sind die Schweiz, Singapur, Hongkong, die Region Panama/Karibik, die britischen Kanalinseln sowie London und Dublin.

Laut BCG zogen Anleger aus Westeuropa, Nordamerika und Japan 2015 drei Prozent ihrer in Offshore-Zentren angelegten Gelder wieder ab. Absolute Zahlen werden in der Studie nicht genannt, es müsste sich aber um einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag handeln. Die Enthüllung der Panama Papers vor zwei Monaten, die das Ausmaß der weltweiten Steuerflucht erstmals dokumentiert hatte, spielte noch keine Rolle, könnte den Trend aber in diesem Jahr verstärken. Mit einem Offshore-Vermögen von umgerechnet 2,6 Billionen Dollar liegen die Westeuropäer gemeinsam mit den Asiaten allerdings immer noch auf Platz eins der Kapitalverschieber. Zum Vergleich: Amerikaner, Kanadier und Mexikaner haben insgesamt "nur" 700 Milliarden Dollar in Offshore-Zentren geparkt.

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Gewonnen ist der Kampf gegen die Steuerflucht trotz kleiner Erfolge noch lange nicht. Zwar wird der Anteil offshore angelegten Geldes am gesamten globalen Privatvermögen bis 2020 von sechs auf fünf Prozent sinken. In absoluten Zahlen ist das Volumen 2015 aber erneut um drei Prozent auf 9,8 Billionen Dollar gestiegen.

Die Zahl der Millionärshaushalte legte 2015 um sechs Prozent zu

Unabhängig vom Anlageort stiegen die Privatvermögen weltweit um fünf Prozent auf insgesamt 168 Billionen Dollar. Auch hier gab es große regionale Unterschiede. Während die Zuwachsraten in Westeuropa und Nordamerika von jeweils über sechs auf gut vier beziehungsweise knapp zwei Prozent sanken, betrug das Plus im Raum Asien/Pazifik erneut mehr als 13 Prozent. Bereits zu Beginn des kommenden Jahrzehnts wird Asien Nordamerika als vermögendste Region der Welt ablösen.

Das langsamere Vermögenswachstum in Nordamerika und Europa führt die Studie vor allem auf die schwache Aktienmarktentwicklung zurück. Da die Bundesbürger ihr Geld weniger stark in Aktien anlegen als die Menschen andernorts, konnten sie sich von der Negativentwicklung ein wenig abkoppeln. Mit vier Prozent fiel das Vermögenswachstum in Deutschland ähnlich hoch aus wie im Vorjahr, insgesamt liegt die Bundesrepublik mit einem privaten Finanzvermögen von 6,1 Billionen Dollar hinter den USA, China, Japan und Großbritannien auf Platz fünf.

Die Zahl der Millionärshaushalte legte 2015 um sechs Prozent zu, ihr Anteil am weltweiten Privatvermögen liegt mittlerweile bei 47 Prozent und dürfte bis 2020 weiter auf 52 Prozent steigen. Anders ausgedrückt: Jeder zweite Dollar, der irgendwo auf der Welt angelegt ist, gehört einem Millionär. Das Land mit den meisten Reichen und Ultrareichen sind und bleiben die USA, wo Millionäre fast zwei Drittel des gesamten Privatvermögens kontrollieren. China und Indien holen aber auf. Die höchste Reichen-Dichte, also der Anteil der Millionäre an der Gesamtbevölkerung, haben weiterhin die Schweiz und Liechtenstein.

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