Steueroasen Deutschland belegt Spitzenplatz im Steueroasen-Ranking

Beim Stichwort "Steueroasen" kommt den meisten eher das Panorama einer Stadt im Karibik in den Sinn - doch Berlin scheint genauso angebracht zu sein.

(Foto: Jochen Tack/imago)
  • Eine Liste des Netzwerks Steuergerechtigkeit lässt Zweifel an Europas Vorreiterrolle im Kampf gegen Steueroasen aufkommen.
  • Luxemburg wird als einziger EU-Staat noch schlechter bewertet als die Bundesrepublik.
Von Cerstin Gammelin, Berlin

Nach den dilettantischen Versuchen der Europäer, eine schwarze Liste der geächteten Steueroasen aufzustellen, liefert nun das Netzwerk Steuergerechtigkeit eine plausible Vorlage. Sie fällt wenig schmeichelhaft aus für die Europäer, die sich als Vorreiter im Kampf gegen Schwarzgeld und Steueroasen präsentieren. Nach dem am Dienstag veröffentlichten Schattenfinanzindex sind nicht etwa karibische Inselstaaten die größten Steuervermeidungsplätze, sondern mächtige Staaten wie die Schweiz, Großbritannien, die USA, Hongkong - und die Bundesrepublik. Deutschland sei "weiterhin eine Geheimnisoase für ausländisches Vermögen", sagte Markus Meinzer, Projektleiter beim Netzwerk Steuergerechtigkeit, in Berlin.

Deutschland belegt im Ranking der größten Steueroasen den siebten Platz. Die größte Volkswirtschaft Europas sei "ein sicherer Hafen für Schwarzgeld aus der ganzen Welt". Anders als vom früheren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) angekündigt, der gegen Steuervermeidung und Schwarzgeldwäsche vorgehen wollte, rückte Deutschland sogar noch einen Platz nach vorne. Als Gründe führt das Netzwerk regulatorische Schlupflöcher an, Geldflüsse würden zu wenig nachgeprüft, die Vertraulichkeit von Steuerinformationen sei politische Chefsache. Das alles habe Deutschland "zu einem attraktiven Anlageziel für illegitime Geldflüsse aus dem Ausland gemacht".

Nur Luxemburg steht noch schlechter als Deutschland dar

Lisa Paus, designierte finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen äußerte scharfe Kritik. Platz 7 unter den globalen Schattenfinanzzentren sei "eine eindrückliche Mahnung, endlich die Scheinheiligkeit zu beenden und mit gutem Beispiel im Kampf gegen Steuerflucht und Geldwäsche voranzugehen". Anders als die "politisch aufgeweichte" Liste der EU, zeigten die Untersuchungen, dass die wichtigen Schattenfinanzzentren "direkt vor unserer Tür liegen". Deutschland bleibe mit der Kombination aus Geheimhaltung und Sicherheit ein Zentrum für schmutziges Geld. Finanzvermögen von Steuerausländern werde nicht besteuert. Vermögen würden in vielen Fällen nicht einmal an die betreffenden ausländischen Staaten gemeldet.

Als weltweit größte Steueroase gilt weiter die Schweiz. Dortige Banken managten mehr als 2500 Milliarden Euro an ausländischem Vermögen, das ist ein Viertel des Weltmarkts. Als "versteckte Nummer 1" ist das Vereinigte Königreich aufgeführt. Das liegt an den Banken der City of London, die im Zentrum eines breiten Netzwerkes von Steueroasen in den britischen Überseegebieten und Besitztümern der Krone stehen. Auf Platz zwei liegen die USA. Das einzige EU-Land, das noch schlechter als Deutschland bewertet wird, ist Luxemburg auf Platz 6.

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