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Stellenkahlschlag:Vorzeige-Industrien vor Job-Crash

250.000 Stellen weniger - eine Studie zeichnet ein düsteres Bild für den deutschen Autobau. Der Jobmarkt floriert dagegen in ganz anderen Branchen.

Noch ist von der Krise am Arbeitsmarkt recht wenig zu spüren. Die Kurzarbeit federt die mitunter drastischen Folgen noch ab - und dennoch: Den Mitarbeitern der deutschen Vorzeigebranchen stehen harte Zeiten bevor. Bis zum Jahr 2013 werden alleine in der Autoindustrie bis zu 250.000 Jobs wegfallen, berechnete die Unternehmensberatung A.T. Kearney. Ebenso düster sieht es bei der Elektrotechnik (bis zu 175.000), im Maschinenbau (bis zu 165.000) und in der Metallverarbeitung (bis zu 125.000 Stellen) aus.

Opel, Produktion, Bochum, Foto: ddp

Nicht nur bei Opel - auch bei anderen Autofirmen fallen Arbeitsplätze weg.

(Foto: Foto: ddp)

Insgesamt könnten in Deutschland bis zu 1,3 Millionen Arbeitsplätze durch die Krise verlorengehen, heißt es in der Studie. Für dieses Jahr erwarten die Experten von A.T. Kearney, dass die Umsätze der 100 größten Unternehmen um 125 Milliarden Euro einbrechen - und die Gewinne um bis zu 30 Prozent.

Auch das nächste Jahr wird demnach düster. Im Jahr 2010 könnten die Firmenpleiten auf den neuen Höchstwert von 45.000 schnellen, schreiben die Berater. Jedes zehnte Unternehmen sei in den kommenden fünf Jahren massiv insolvenzbedroht.

Fachkräfte gesucht

Dann jedoch soll der anspringende Export wieder für mehr Jobs sorgen. In den Wachstumsbranchen könnten bis 2015 wieder fast 1,8 Millionen neue Stellen entstehen, heißt es in der Studie. Dazu zählten unter anderem die Bereiche nachhaltige Mobilität, industrielle Biotechnologie oder Solartechnik. "Vor allem Wachstumsbereiche im Bereich Nachhaltigkeit werden in der Summe etwa eine halbe Million Arbeitsplätze schaffen und zusammen mit dem Dienstleistungssektor wesentlich dazu beitragen, dass sich der Arbeitsmarkt ab 2011 wieder deutlich erholt", sagte Jürgen Rothenbücher von A.T. Kearney.

Allerdings werde dieser Aufschwung bedroht durch den zu erwarteten Mangel an qualifizierten Personal. Alleine in Deutschland fehlen demnach etwa 400.000 Fachkräfte. Gesucht würden vor allem Mathematiker, Informatiker sowie Naturwissenschaftler. Aber auch Techniker und Meister seien gefragt.

Viele Arbeitsplätze sollen der Studie zufolge langfristig auch bei Unternehmen entstehen, die Aufgaben übernehmen, um die sich andere nicht mehr selbst kümmern, weil sie sich auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren und flexibler werden wollen. "Viele Dienstleister wachsen und werden auch in den kommenden Jahren wachsen, weil Unternehmen Tätigkeiten extern erledigen lassen, die sie bisher im eigenen Haus erledigt haben", sagte Joachim von Hoyningen-Huene von A.T. Kearney der Welt.

Dazu gehörten Marketing, IT, Personalvermittlung sowie Forschung und Entwicklung. Den Dienstleistern gehe es gut, wenn die starken Export-Branchen der deutschen Wirtschaft florierten. "Starke Industrieunternehmen sind die Basis für das Wachstum im Dienstleistungssektor", sagte Hoyningen-Huene.