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Sky und MySpace:Der Problem-Murdoch

MySpace muss radikal Personal abbauen, die deutsche Dependance wird ganz geschlossen, Sky braucht schon wieder frisches Kapital: Rupert Murdoch hat derzeit einfach kein Glück.

Er ist einer der größten und mächtigsten Medienunternehmer der Welt, kontrolliert 170 Zeitungen, eine ganze Reihe von Fernsehsendern und sogar ein Hollywood-Studio, das Erfolgsfilme wie Avatar produziert. Und doch hat Rupert Murdoch, 79, gerade mit teuren Zukäufen nicht immer eine glückliche Hand. Nun hat er mit ziemlichen Problemen zu kämpfen.

News Corp Chairman and CEO Rupert Murdoch gestures while discussiing 'the future of journalism' at the National Press Club in Washington

Rupert Murdoch kommt mit Sky einfach nicht aus den Schwierigkeiten heraus.

(Foto: REUTERS)

An diesem Mittwoch zeigt sich das einmal mehr: Die Internetfirma MySpace, die Murdoch vor mehr als fünf Jahren viel zu teuer eingekauft hatte, muss fast die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen, die deutsche Tochterfirma des Facebook-Konkurrenten wird gar ganz geschlossen. Und der seit langem angeschlagene Bezahlsender Sky Deutschland aus Unterföhring bei München braucht schon wieder frisches Kapital, das von Murdoch kommen soll.

Anfang 2008 waren Rupert Murdoch und sein News-Konzern beim damaligen Pay-TV-Sender Premiere eingestiegen. Er gab dem Unternehmen bald einen neuen Namen - unter Sky firmieren auch die anderen Bezahlkanäle Murdochs etwa in Italien oder Großbritannien. Doch die deutsche Firma fand nicht aus der Krise. Insgesamt sieben Mal mussten Murdoch und News bisher frisches Geld bereitstellen. Im vergangenen August waren gar 340 Millionen Euro fällig. Der neue Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan sagte damals zur Süddeutschen Zeitung: "Ich glaube, dass die 340 Millionen Euro, die wir jetzt bekommen, aus heutiger Sicht reichen werden, damit wir die nachhaltige Profitabilität erreichen."

Am Mittwochmorgen überraschte er dann mit der Mitteilung, Murdoch werde schon wieder 60 Millionen Euro in das Unternehmen pumpen. Die Begründung: Damit würden weitere Investitionen angeschoben, um das Wachstum zu beschleunigen. Dazu kommt: 2011 würden sich zwar die operative Ertragslage von Sky Deutschland weiter verbessern. Aber Gewinne würden noch immer nicht erwartet, hieß es. "Auch wenn wir noch einen langen Weg vor uns haben, sehen wir uns durch die Entwicklung der Kennzahlen und der Kundenzufriedenheit bestätigt", teilte Sullivan jetzt mit.

Immerhin hat sich die Geschäftsentwicklung im vierten Quartal 2010 überraschend verbessert. Von Oktober bis Dezember wurden insgesamt 131.000 neue Abonnenten gewonnen, im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor waren es nur 39.000 gewesen. Insgesamt kommt Sky Deutschland jetzt auf 2,65 Millionen zahlende Kunden, für Gewinne sind aber rund drei Millionen nötig. Außerdem haben zuletzt deutlich weniger Abonnenten gekündigt, das Angebot von hochauflösendem Fernsehen (HD-Kanäle) kommt offenbar auch gut an. Inzwischen zahlt jeder Kunde im Durchschnitt 30 Euro an Sky Deutschland, das sei ein historisches Rekordniveau, teilte Sky mit. Sullivan zeigte sich deshalb sehr optimistisch.

Noch schwieriger ist die Lage dagegen bei MySpace. Eine "bedeutende organisatorische Restrukturierung" mache die Streichung von 47 Prozent aller Stellen des Unternehmens nötig, teilte MySpace-Chef Mike Jones mit. Betroffen seien etwa 500 Arbeitsplätze weltweit. Die Internetplattform werde sich neu positionieren und damit ihre Aktivitäten einschränken und vereinfachen. Die Deutschland-Tochter werde geschlossen. "Ich bedauere die Entscheidung von MySpace sehr, den Geschäftsbetrieb in Deutschland einzustellen", sagte der bisher für MySpace Deutschland zuständige Manager Joel Berger.

"Hart, aber notwendig"

Murdoch und News Corp. hatten MySpace 2005 zum Preis von 580 Millionen Dollar (450 Millionen Euro) gekauft. Seitdem wurde das Internet-Unternehmen von dem Online-Netzwerk Facebook deutlich überholt, das mittlerweile fünf Mal so viele Nutzer wie MySpace hat und dreistellige Millionengewinne einfährt. MySpace dagegen fuhr bisher nur Verluste ein und wurde zunehmend unattraktiver. MySpace-Chef Jones erklärte nun, die geplanten Massenentlassungen seien zwar "hart, aber notwendig". Sie seien "beschlossen worden, um dem Unternehmen einen klaren Weg zu dauerhaftem Wachstum und Rentabilität zu geben". MySpace hat Jones zufolge derzeit mehr als 100 Millionen Nutzer, davon die Hälfte in den USA. Facebook kommt weltweit auf deutlich mehr als 500 Millionen.