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Siemens-Chef Peter Löscher:Es gilt das gebrochene Wort

Fuehrungstreffen Wirtschaft der 'Sueddeutschen Zeitung'

Hat sich für seine zweite Amtszeit ehrgeizige Ziele gesetzt: Siemens-Chef Peter Löscher (hier Mitte November beim Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung in Berlin). 

(Foto: dapd)

Verspätete ICE-Züge, Debakel im Solargeschäft, umstrittene Sparaktionen: Siemens-Chef Peter Löscher hat zu Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Problemen zu kämpfen. Jetzt wagt der Kornzernlenker die Milliardenübernahme des britischen Bahnspezialisten Invensys.

So ein Termin bereitet richtig Freude: Um einen herum große Weltenlenker, und dann fädelt man auch noch einen Milliardenauftrag ein. Peter Löscher unterzeichnete vor zwei Wochen im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsidenten Wladimir Putin in Moskau eine Absichtserklärung darüber, 675 Elektroloks an die russische Staatsbahn zu liefern. Wird daraus eine Bestellung, hätte sie einen Wert von 2,5 Milliarden Euro.

An diesem Mittwoch stand für den Siemens-Chef ein weniger erfreulicher Termin an - und das hat ebenfalls mit Eisenbahnen zu tun. Der Aufsichtsrat des Technologiekonzerns mit 410.000 Beschäftigten tagte und ließ sich über das Geschäft informieren. Das heißt: auch über die verspätete Lieferung von ICE-Zügen und über das umstrittene Sparprogramm.

Löscher war 2007 als erster Siemens-Chef von außerhalb des Konzerns gekommen. Der Manager griff direkt durch: Er bereinigte die Korruptionsaffäre, verpasste Siemens eine neue Struktur, senkte die Kosten. Im Juli 2012 startete er nun seinen zweiten Fünf-Jahres-Vertrag. Und das ist ein ziemlich holpriger Start. Das Unternehmen erzielt immer noch hohe Gewinne, doch Mitarbeiter sind verunsichert, Kunden verärgert. Seinen eigenen Ansprüchen - und denen der Aktionäre - wird der 55-Jährige oft nicht gerecht. Das ist misslich für einen, der mit 7,9 Millionen Euro Einkünften zu den Spitzenverdienern im Dax gehört. 2011 waren es sogar 8,7 Millionen Euro. Gelingt ihm nicht die Wende, könnte sein zweiter auch sein letzter Siemens-Vertrag gewesen sein. Eine Zwischenbilanz - anhand alter Zitate.

Siemens verärgert Kunden, weil Großprojekte nicht fertig werden

Löscher sieht sich gerne als oberster Verkäufer seiner Firma. Jettet durch die Welt, trifft Kunden, fädelt Geschäfte ein. Doch das Vertrauen von Bahn-Chef Rüdiger Grube in den Handlungsreisenden dürfte angeknackst sein seit klar ist, dass es - anders als von Löscher persönlich versprochen - bei der Lieferung der bestellten ICE-Züge wieder eine Verspätung gibt. "Da setze ich auf das Wort von Peter Löscher", hatte Grube gesagt. Die Bahn ist wichtiger Kunde der Siemens-Sparte Infrastruktur & Städte, in der Löscher 2011 jene Bereiche bündelte, die Produkte für Metropolen, Versorger und Verkehrsunternehmen anbieten. Der Plan zahlt sich bisher nicht aus. Von allen vier Siemens-Sektoren verdient dieser am schlechtesten, und der Wert neuer Aufträge brach im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im September endete, stark ein.

Die Verspätungen bei den Zügen sind aber nur Teil eines größeren Problems: Siemens verärgert immer wieder Kunden, weil Großprojekte nicht rechtzeitig fertig werden. Die Komplexität wird unterschätzt, bei Schwierigkeiten wird zu spät gegengesteuert. So kann der Konzern Windparks auf See nicht pünktlich ans Stromnetz anschließen - das bescherte Siemens bislang eine halbe Milliarde Euro an Belastungen. Immerhin greift Löscher hier durch: Die zuständigen Bereichsleiter für Bahnen und Stromübertragung wurden abgelöst und dürfen sich jetzt an anderer Stelle im Siemens-Reich bewähren.

Das Desaster bei der Verkabelung der Windparks dürfte Löscher besonders schmerzen, schließlich erhofft sich der Österreicher viel von der Energiewende. Im März warb er auf Anzeigen persönlich für das Jahrhundertprojekt, und Siemens bezeichnet der Manager gerne als "grünen Infrastruktur-Giganten". Den Umsatz mit ökologischen Produkten - etwa Windrädern oder besonders energiesparende Maschinen - will er kräftig steigern. Als er antrat, waren das 17 Milliarden Euro, nun hat Löscher 33 Milliarden Euro pro Jahr erreicht, 40 Milliarden sollen es 2014 sein.