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Science-Fiction-Roman "Ausgebrannt":"Öl ist das Mittel, ohne das nichts geht"

Wie könnte es weitergehen?

Wenn man so weitermacht wie bisher und sagt "Jetzt kratzen wir eben noch die letzten Reste aus den Feldern, und wenn das auch alle ist, sehen wir, was wir machen", funktioniert es nicht. Dann stehen wir plötzlich da und haben nicht einmal mehr die Energie, die wir für die Erschließung neuer Energiequellen brauchen. Am schwierigsten wird es, das Transportsystem aufrechtzuerhalten. Bei Autos kann man Öl vielleicht noch ersetzen. Ein Auto kann auch mit Frittenfett fahren, wenn es sein muss, zur Not mit Batterien. Aber bei einem Flugzeug? Das funktioniert nicht, es würde schlicht nicht abheben. Auch heizen wird problematisch, kurz gesagt: Alles wird teurer. Die Kosten der Energie bestimmen alles andere, weil darauf alles aufbaut.

Sie beschreiben in dem Buch, wie die Ölknappheit die Weltordnung ins Wanken bringt. Wie die USA Saudi-Arabien besetzen. Mögliche Realität oder reines Gedankenspiel?

Um Öl sind immer Kriege geführt worden. Das wird auch so bleiben, bis das Öl letztendlich verbraucht ist, fürchte ich. Öl ist das Mittel, ohne das nichts geht. Unsere Energieversorgung ist komplett auf diesen Rohstoff ausgerichtet. Die gesamte Wirtschaft ist davon abhängig. Es nützt ja nichts, wenn man etwas produziert und es dann mangels Energie nicht dahin bringen kann, wo es gebraucht wird.

Sie verweben Statistiken mit einer fiktiven Geschichte. Hat man als Romanautor mehr Möglichkeiten, seinem Publikum Probleme näherzubringen, als Nichtregierungsorganisationen oder andere Akteure, die an die Fakten gebunden sind?

Das hoffe ich zumindest. Wie es so schön heißt: Ein Romanautor erzählt die Wahrheit mit einer Lüge. Ich erkläre die Fakten mit einer fiktiven Geschichte. Ich kann übertreiben, zuspitzen und die Knackpunkte herausarbeiten. Ich will beim Leser das Verständnis wecken, dass wir in einer technischen Zivilisation leben und nicht mehr ohne sie können - wir können nicht nackt und mit bloßen Händen rausgehen und trotzdem am Leben bleiben. Das geht nicht mehr, das hat schon begonnen mit dem ersten Feuer und dem ersten Faustkeil vor Millionen von Jahren. Die Grundlage unserer technischen Zivilisation ist die Energie. Doch momentan hängt alles am Öl, und das hat keine Zukunft. Wenn diese Botschaft beim Leser angekommen ist, habe ich schon viel gewonnen.

Hat sich nach dem Schreiben des Romans denn auch bei Ihnen etwas geändert?

Seit ich weiß, wie fragil das ganze System ist, staune ich, wie es am Laufen gehalten wird. Ich bin heute noch immer verblüfft, wenn ich an die Tankstelle fahre. Und es noch Benzin gibt.

© Süddeutsche.de/hgn/bbr/rus
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