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Schlecker-Insolvenz:Delikatessen von Feinkost Käfer? Lieber Leberkässemmeln!

"Richter dürfen sich von solchen Äußerlichkeiten nicht beeinflussen lassen, es kann aber vorkommen", sagt der Wirtschafts-Strafverteidiger Sven Thomas. Er rate seinen Mandanten stets, vor Gericht ihre Identität zu wahren. "Die Zeiten des Büßergewandes sind vorbei." Sein Kollege Klaus Volk hält es ähnlich: "Wenn Josef Ackermann plötzlich in der A-Klasse angerollt wäre, hätten sich doch alle totgelacht", sagt Volk. So fuhr der Deutsche-Bank-Chef im November 2006 zum Mannesmann-Prozess in Düsseldorf - wie immer - in seinem Dienstwagen mitsamt Personenschützern vor. Das löste auch keinen größeren Aufruhr aus - im Gegensatz zum Victory-Zeichen, das Ackermann im Gerichtssaal mit Zeige- und Mittelfinger bildete.

Beginn Mannesmann-Prozess

Josef Ackermann, wie er nachträglich vielen in Erinnerung bleiben wird.

(Foto: dapd)

Dabei hatte Ackermanns Geste gar nichts mit dem Untreue-Prozess zu tun. Stattdessen ahmte er nur Popstar Michael Jackson nach. Dieser hatte kurz zuvor in den USA ein Gericht lang warten lassen und auf dem Weg das Victory-Zeichen gemacht. Weil Ackermann und sein Anwalt Volk ihrerseits mehrere Minuten auf die Richter warten mussten, sagte einer: "Das ist ja wie bei Michael Jackson, nur andersrum." Daraufhin Ackermann: "Und dann macht er auch noch so." Fertig war das Foto mit dem grinsenden Angeklagten und seinen gespreizten Fingern. An das Bild erinnern sich auch elf Jahre danach noch viele Menschen. An den Freispruch in erster Instanz und an die spätere Verfahrenseinstellung gegen Zahlung einer 3,2-Millionen-Geldauflage dagegen nur noch wenige.

Dienstwagen und Chauffeur - eine beliebte Kombination

Auch der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ließ sich im Jahr 2014, als gegen ihn wegen Untreue verhandelt wurde, stets von seinem Chauffeur im Audi zum Landgericht Essen fahren und wurde dabei regelmäßig abgelichtet. Einmal aber wählte er einen ungewöhnlichen Heimweg: Auf der Flucht vor Fotografen sprang er aus dem Fenster in einen Hinterhof.

Oft bringen sich die Strafverteidiger aktiv ein, um ihre Mandanten vor negativer Publicity zu schützen. Klaus Volk berichtet von einer Sitzungspause im Steuerprozess gegen Boris Becker. Um dem Blitzlichtgewitter zu entgehen, fragte Volk die Justiz-Bediensteten, ob er sich mit Becker in ihren Aufenthaltsraum zurückziehen könne. Das Personal stimmte der gemeinsamen Pause mit dem Tennis-Star zu. Sogleich wollte Beckers Manager von Feinkost Käfer Delikatessen bringen lassen. Da grätschte der Anwalt dazwischen und bestellte in der Justizkantine Leberkässemmeln. Die machten auch satt - und verhinderten Fotos einer dekadenten Völlerei.

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