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Nahaufnahme:Der Kämpfer

Ryzon-Gründer und -Chef Mario Konrad.

(Foto: oh)

Mario Konrad hat die Triathlon-Marke Ryzon mitgegründet und fühlt sich in der Nische wohl.

Von Elisabeth Dostert

Ein wenig naiv war es vielleicht schon. Mario Konrad, 42, leugnet das gar nicht. Es gibt ein paar milliardenschwere Sportmarken wie Nike und Adidas. Und Ryzon, die Firma die Konrad 2016 mitgegründet hat - ein Winzling. Das stört Konrad, der auch Geschäftsführer der Firma ist, nicht: "Als Gründer hat man vielleicht immer einen leichten Hang zu Naivität und Selbstüberschätzung. Aber wenn man das nicht hat, würde man vermutlich erst gar nicht loslaufen." Konrad lief also los. Gründen ist schließlich auch eine Art von Ausdauersport.

Ryzon macht Bekleidung für Ausdauersportler und Triathleten. Das sei eine Nische, die die Großen so gezielt nicht bedienten, sagt Konrad. Die Nische ist in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Nach Angaben der Deutschen Triathlon Union sind in Deutschland gut 60 000 Triathleten in Vereinen organisiert. Vor der Pandemie gab es jährlich fast 650 Veranstaltungen im Jahr mit insgesamt etwa 250 000 Teilnehmern. Männer wie - allen voran - Jan Frodeno oder Sebastian Kienle und Frauen wie Anne Haug oder Laura Philipp gehören zu den besten Dreikämpfern der Welt. Konrad hat während des Studiums und danach noch ein paar Jahre Triathlon-Wettkämpfe für die Schwimm- und Sportfreunde Bonn bestritten. "Beinahe wären wir mal in die erste Bundesliga aufgestiegen."

Mit "wir" meint er auch seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Markus. Die beiden machen viel gemeinsam, auch Gründen. Markus Konrad hat Sportmedizinische Technik an der Fachhochschule Remagen studiert und Mario Konrad Volkswirtschaft in Bonn. Um sich ihren Sport zu finanzieren, sind die Brüder schon während des Studiums von Wettkampf zu Wettkampf getingelt und verkauften aus dem Kofferraum Neoprenanzüge oder Fahrradteile. Zu den Marken, die sie anboten, gehörte der österreichische Sportartikelhersteller Skinfit. Für den haben sie nach dem Studium den Vertrieb in Deutschland aufgebaut. "Unsere Eltern haben uns immer unterstützt in dem, was wir gerade machen wollten. Das war unser großes Glück. Sie hatten nie die Erwartung, dass wir schnell das Studium zu Ende bringen und dann eine Karriere im Konzern einschlagen", erzählt Konrad.

Jan Frodeno ist einer der Gesellschafter

Schon 2014 fingen die Brüder, der Diplomdesigner Fabian Jung und Jan Frodeno an, an der ersten Kollektion zu arbeiten. Die Männer sind auch Gesellschafter von Ryzon. Als Sponsor hätten sie sich Frodeno auch gar nicht leisten können. Die erste Kollektion kam im Sommer 2016 auf den Markt, rund 35 Teile. Mittlerweile seien es mehr als 100. "Es gibt keine saisonalen Kollektionen. Bei uns laufen die Produkte eher über Jahre." Frodeno hat seine eigene Linie - Frodissimo. Alles außer Mützen und Rucksäcken werde in Europa produziert. Ryzon vertreibe seine Produkte auf Events, im Laden in Köln und über seinen Online-Shop. "Sonst könnten wir ein Laufhemd für rund 50 Euro in dieser Qualität in Europa gefertigt nicht bieten."

Das Jahr 2020 war nicht leicht, weil viele Wettkämpfe wegen der Pandemie ausfielen. Der Absatz des Hauptprodukts brach ein. Mit 1500 Race-Suits habe Ryzon geplant, daraus wurde nichts. Es ist auch mit rund 350 Euro eines der teuersten Produkte im Sortiment. Im Laufe des Jahres habe Ryzon vom Trend zum Individualsport in der Pandemie profitiert. Die Radhosen seien in kürzester Zeit verkauft gewesen. 2021 soll der Umsatz auf einen mittleren bis oberen einstelligen Millionenbetrag steigen. Konrad will raus aus der Nische. Mittelfristig sei ein "achtstelliges Umsatzniveau" realistisch.

© SZ
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