Rückkehr an den Kapitalmarkt Griechenland wagt das Experiment

Griechenland kehrt an den Kapitalmarkt zurück.

(Foto: Getty Images)

Athen nimmt einen Kredit in Milliardenhöhe auf - ohne Rettungsschirm, ganz normal an den Finanzmärkten. Was wie eine gute Nachricht klingt, ist eine Härteprüfung für die Regierung in Athen.

Von Cerstin Gammelin, Brüssel, und Markus Zydra, Frankfurt

Vier Jahre ist es her, dass Griechenland die Euro-Staaten erstmals um Hilfe bat. Vier Jahre, in denen Rettungsmilliarde auf Rettungsmilliarde folgte, Krisengipfel auf Krisengipfel. Und nun soll plötzlich eine neue Zeit anbrechen? Nun soll all dies Geschichte sein?

Erstmals seit dem Jahr 2010 will Griechenland wieder Geld an den internationalen Kapitalmärkten einsammeln - und das noch in dieser Woche. Das Athener Finanzministerium kündigte am Mittwoch an, dass internationale Banken beauftragt worden seien, die Ausgabe einer Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit vorzubereiten. Zu den Instituten zählt auch die Deutsche Bank, die Medienberichten zufolge bereits am Mittwoch damit begonnen hat, die Anleihen bei Investoren zu platzieren.

An diesem Donnerstag soll alles abgeschlossen sein. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass Griechenland zwischen zwei und drei Milliarden Euro aufnehmen wird - es sollen aber schon Angebote in Höhe von elf Milliarden Euro vorliegen. Die Laufzeit der Anleihe werde fünf Jahre betragen. Die erwarteten Zinsen betragen 5,25 Prozent.

Alles bestens also?

Leider nein. Denn während die Griechen mit viel Tamtam ihre Rückkehr an die Kapitalmärkte feiern, fordert die Troika, also die Gruppe der internationalen Retter von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, Nachbesserungen beim jüngsten Reformpaket. Dieses hatte die Regierung in Athen gerade mit viel Mühe durch das griechische Parlament bugsiert. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland bis Juli insgesamt weitere 11,8 Milliarden Euro an Notkrediten bekommen kann.

Der Grund für die Kritik der Retter: Die Troika-Prüfer haben inzwischen die englische Übersetzung des im griechischen Parlament abgestimmten Reformpakets erhalten - und festgestellt, dass da nicht überall das abgestimmt wurde, was ausgehandelt war. In sieben oder acht Branchen, beispielsweise bei der Öffnung des Busmarktes, weichen die Vereinbarungen auf Griechisch von dem ab, was die Troika auf Englisch zuvor mit Athen ausgehandelt hatte - und zwar zugunsten der Griechen. Man sei deswegen in Verhandlungen, heißt es in Kreisen der Troika.

Parallel versucht Athen nun, die Anleihen zu platzieren. Entscheidend ist dabei, dass auch ausländische Profis Geld geben - das wäre ein Fortschritt für das südeuropäische Land. Sollten hingegen wieder nur griechische Banken ihrem Staat Geld leihen, wäre das ein Rückschritt. Gerade weil Griechenlands Banken in der Vergangenheit dem griechischen Staat so viel Geld geliehen hatten, kollabierten mit dem Staatshaushalt auch die Bankbilanzen.

Die Verquickung des heimischen Bankensektors mit der nationalen Staatsfinanzierung gilt in der Euro-Zone generell als Problem. Vor allem italienische Banken halten nach Ansicht einiger Notenbanker viel zu viele italienische Staatsanleihen. Die Euro-Politiker haben sich vorgenommen, diese gefährliche Verbindung zwischen staatlichen Schulden und den Bankbilanzen zu beenden.

Die Kreditzinsen für Griechenland sind zuletzt deutlich gefallen - von in der Spitze über 39 Prozent für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bis auf unter sechs Prozent. Ob der Preis so niedrig bleibt, wird die Auktion der Staatsanleihen zeigen. Das griechische Finanzministerium plant, die Anleihe mit 5,25 Prozent zu verzinsen. Der Verkauf ist ein Experiment, denn rund 70 Prozent der griechischen Staatsschulden liegen bei der Europäischen Zentralbank und dem Euro-Rettungsfonds, also in öffentlicher Hand. Seit 2010 wird Griechenland weitgehend mit Notkrediten finanziert.

Dennoch: Die Stimmung unter Investoren ist gut wie lange nicht. Zuletzt hatten sich zwei griechische Banken an den Finanzmärkten Kapital besorgen können.