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Ruhestand:Die Rente mit 63 ist ein Paradies für Reiche

Bio-Aktiv-Hotel Grafenast in Hochpillberg, 2018

Wer mit 63 in Rente gehen möchte, muss ordentliche Extra-Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Unter Millionen Bürgern können sich das nur wenige leisten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nur wenige können es sich leisten, mit 63 in den Ruhestand zu gehen. Man muss mit der Zeit aber auch etwas anfangen können. Sonst erkauft man sich nur Langeweile und Frustration.

Zeitiger in Ruhestand gehen zu dürfen als Kollegen und Nachbarn - für viele Bundesbürger ist das eine fast paradiesische Vorstellung. Und offenkundig wollen sich immer mehr Menschen diesen Traum erfüllen. Seit 2017 kann man vom 50. Lebensjahr an der staatlichen Rentenkasse Geld überweisen, um bis zu vier Jahre vor dem offiziellen Rentenalter von künftig 67 in Ruhestand zu gehen - und auf diese Weise frühzeitig fällige Abschläge ganz oder in Teilen auszugleichen.

Genau darum zahlten, wie jetzt bekannt wird, 2018 etwa 17 000 Versicherte freiwillig Geld an die DRV Bund, gegenüber dem Vorjahr ist das ein sattes Plus von 47 Prozent. Im Schnitt wurden dabei 17 000 Euro pro Person bei der staatlichen Rentenkasse angelegt, das sind nicht gerade kleine Summen, zum Teil handelt es sich dabei nur um Raten. Kostbarer Gegenwert sind ein paar Jahre mehr Freizeit.

Eher in Rente zu gehen ist nur die hinreichende Bedingung dafür, im Alter zufriedener zu sein

Die Zahlen zeigen aber auch: Unter Millionen Bürgern können sich das nur wenige leisten - ab 63 in Rente zu gehen, sobald sie 35 Beitragsjahre vorzuweisen haben. Denn wer vier Jahre eher finanziell abgesichert in Ruhestand wechseln will, muss vorher Abschläge von bis zu 80 000 Euro leisten. Selbst dann fällt die Rente oft um monatlich 300 Euro schmaler aus, weil vom Renteneintritt an keine Beiträge mehr gezahlt werden. Nur Wohlhabende können sich das erlauben.

Das Frührentenmodell, so warnen Experten, ist aber auch - je nach Lesart - attraktiv für beziehungsweise anfällig gegen Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten. Wenn Firmen Beschäftigte aus betrieblichen Gründen eher in Rente schicken wollen, lohnt sich ein Deal: Das Unternehmen zahlt dem Mitarbeiter eine schöne Abfindung, die dieser umgehend an die Rentenkasse überweist - um mit deutlich geringen Abschlägen eher in Ruhestand zu wechseln.

Für alle diejenigen, die sich das nicht werden leisten können, bleibt immerhin ein kleiner Trost: Eher in Rente zu gehen ist nur die hinreichende Bedingung dafür, im Alter zufriedener zu sein. Hinzukommen muss etwas Weiteres: Man muss mit sich und seiner Freizeit auch etwas Sinnvolles anfangen können. Sonst erkauft man sich Langeweile und Frustration.

© SZ.de/vit
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