Reform der Arbeitsvermittlung Das Jobwunder hat auch eine Kehrseite

Die Jobsuchenden gelten in den Jobcentern als Kunden. Sie kommen zu einem bestimmten Termin, Warteschlangen soll es nicht mehr geben. Das Prinzip dahinter heißt "Fördern und Fordern". Jeder soll sich um Arbeit bemühen oder zumindest an sich arbeiten, sich weiterqualifizieren, um die Chancen auf einen Job zu verbessern. Und die Vermittler und Fallmanager helfen dabei. Diese Reformen blieben nicht ohne Erfolg: Seit Beginn der Hartz-Reformen ist die Arbeitslosigkeit um etwa zwei Millionen zurückgegangen. Mehr als eine halbe Million Langzeitarbeitsloser hat einen Job gefunden.

Das deutsche Jobwunder hat aber eine Kehrseite: Viele der neuen Stellen sind unsicher oder schlecht bezahlt. Die Leiharbeit hat sich seit 1994 verfünffacht. Der Niedriglohnsektor ist rasant gewachsen. Mehr als vier Millionen Menschen verdienen weniger als sieben Euro brutto die Stunde. Andererseits haben gering Qualifizierte jetzt deutlich bessere Chancen, eine Stelle zu ergattern als noch vor sieben Jahren, wenn auch die Jobs oft nicht von langer Dauer sind und der Aufstieg in eine stabilere und besser entlohnte Tätigkeit nur schwer gelingt.

Das "Fördern und Fordern" gibt es so oder so auch in anderen Ländern. In Dänemark sind es die "Rechte und Pflichten", in den Niederlanden "Leistung und Gegenleistung". Viele Länder haben sich an Arbeitsmarktreformen versucht. Der Erfolg hängt jedoch nicht nur davon ab, wie Arbeitsagenturen und Vermittler arbeiten. Entscheidend ist, wie alle Kräfte zusammenspielen: Das hat in Deutschland zuletzt besonders gut funktioniert.

Zu den Arbeitsmarktreformen "kommt eine beschäftigungsfreundliche Lohnpolitik, die insbesondere in Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs die Arbeitsnachfrage beflügelt und im Abschwung den Kostendruck gebremst hat", heißt es beim Forschungsinstitut IAB. Außerdem hätten Unternehmen und Regierung durch ein erfolgreiches Krisenmanagement qualifiziertes und gut eingearbeitetes Personal "in einem noch bisher nicht gekannten Maße gehalten".