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Raumfahrt:Start-ups fordern Zugang zu EU-Aufträgen

65th Ariane 5 mission, from Europe?s Spaceport

Start einer Trägerrakete Ariane 6 in Kourou/Französisch-Guayana. Die EU sollte künftig auch Microlauncher einsetzen, fordern Raumfahrtunternehmen.

(Foto: Guillon, Esa/dpa)

Junge New-Space-Firmen möchten bei Ausschreibungen der Kommission gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle erreichen. Deswegen haben sie einen Brief an Kommissar Breton geschrieben.

Von Dieter Sürig, München

Wenn die EU-Kommission Aufträge ausschreibt, dann wollen vermehrt junge Space-Firmen dabei sein, nicht nur als Zulieferer an Konzerne. In einem Brief an Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton fordern deshalb 26 Firmen und Verbände, die Raumfahrtpolitik neu auszurichten. Nach US-Vorbild sollten der Wettbewerb verstärkt werden und Kommission und Esa als Kunden auftreten. "Daher plädieren wir für mehr Offenheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen für Start-ups bei der Umsetzung des EU-Raumfahrtprogramms", so die Unterzeichner. "Start-ups sollten einen fairen, gleichberechtigten und direkten Zugang zu allen Programmen erhalten".

Matthias Wachter vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Initiator des Briefes, sieht dies als Voraussetzung, weltweit auf Augenhöhe agieren zu können: "Ein stärkerer innereuropäischer Wettbewerb ist zentral, wenn Europa international den Anschluss nicht verlieren will." Die Firmen fordern zudem, künftig auch die neuen europäischen Kleinraketen zu nutzen und sich nicht auf die Raketen Ariane und Vega zu beschränken, "um Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum zu gewährleisten".

Hintergrund des Briefes ist auch eine Machbarkeitsstudie für ein Breitbandinternet-Satellitennetz, das die Kommission Ende 2020 an ein Konsortium von Airbus, Arianespace, Eutelsat, Hispasat, OHB, Orange, SES, Telespazio und Thales Alenia Space vergeben hat. Der Bau soll nach Esa-Schätzungen rund fünf Milliarden Euro kosten. Kleine Unternehmen waren von der Ausschreibung ausgeschlossen, weil Bewerber fünf absolvierte Raumfahrtprogramme mit jeweils 100 Millionen Euro Volumen nachweisen müssen. "Die Bundesregierung ist gefordert, alles daran zu setzen, dass es eine zweite Machbarkeitsstudie gibt", sagt Wachter. "Noch kann die EU in diesem frühen Stadium umsteuern und durch Öffnung des Verfahrens für den Wettbewerb die Grundlage für die beste aller Lösungen für Europa legen", sagt der Chef der Laserkommunikationsfirma Mynaric, Bulent Altan.

Hyimpulse-Chef Mario Kobald wirbt insgesamt für mehr Akzeptanz von Start-ups bei der EU: "Sehr oft wurden solche Projekte immer wieder von ähnlichen Konsortien aus Industrie und staatlichen Forschungseinrichtungen gewonnen". New Space und Old Space könnten sich ergänzen. Es müsse aber sichergestellt sein, dass "Old Space nicht durch Lobbyismus, ungleiche Rahmenbedingungen und größeren finanziellen Rückhalt den New Space ausbremst".

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