Raumfahrt:Scharfe Augen im All

Pleiades neo Erdbeobachtungssatelliten Airbus

Produktion des Erdbeobachtungssatelliten Pléiades Neo bei Airbus im Werk Toulouse.

(Foto: Airbus/oh)

Airbus baut eine kleine Konstellation von Erdbeobachtungssatelliten auf - mit einer Auflösung von 30 Zentimetern. Der Konzern erwartet ein Milliardengeschäft.

Von Dieter Sürig

Wenn der Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Josef Aschbacher, davor warnt, dass Europa in der Branche abgehängt werden könnte, dann dürfte er damit auch die Erdbeobachtung per Kamera meinen. Wer hochauflösende optische Bilder von der Erdoberfläche haben möchte, ist bis jetzt meist auf amerikanische Satelliten angewiesen. Während die US-Firma Planet Labs eine Auflösung von 50 Zentimetern bietet, ist Maxar bei 30 Zentimetern angekommen.

Der Airbus-Konzern will nun mit der optischen Satellitenkonstellation Pléiades Neo aufholen - ebenfalls mit 30 Zentimetern Genauigkeit, aber mit 14 anstatt neun Kilometern Abtastbreite. "Das System hat europäische Wurzeln mit Schwerpunkt in Frankreich", sagt Airbus Vice-President Evert Dudok. Hinzu komme in jedem Satelliten ein Laserkommunikations-Terminal von der Airbus-Tochter Tesat aus Deutschland.

Der Konzern ergänzt mit diesem Projekt zwei Pléiades-Satelliten, die seit 2011 innerhalb des italienisch-französischen Satellitenprogramms Orfeo Bilder mit bis zu 50 Zentimetern Auflösung liefern. Unter dem Namen Pléiades Neo platziert der Konzern gerade vier Satelliten auf 620 Kilometern Höhe. Zwei der 922 Kilo schweren Geräte sind bereits im Orbit, zwei identische folgen im kommenden Jahr. Sie können dann täglich von jedem Punkt der Erde bis zu vier Bilder liefern, die immer zwischen zehn und 12.30 Uhr gemacht werden, um wegen der Sonneneinstrahlung eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. Jeder Satellit tastet Tag für Tag eine halbe Million Quadratkilometer ab. "Ein einziger Satellit könnte in einem Jahr die komplette Erde mit 30 Zentimetern Auflösung vermessen", sagt Dudok.

Die US-Firma Planet, die derzeit rund 150 aktive Satelliten im All hat, bietet ein Mehrfaches an Bildern an, auch öfter am Tag, bis jetzt aber nur mit einer schlechteren Auflösung. Maxar bietet mehrere Satelliten, die jeden Monat 60 Prozent der Erdoberfläche abtasten, aber nur einer davon mit der gleichen Auflösung wie Airbus. Kommendes Jahr will Maxar sechs neue Satelliten starten, die dann ebenfalls alle 30 Zentimeter Auflösung haben.

Pleiades neo Erdbeobachtungssatelliten Airbus

Foto der Engelsburg in Rom mit 30 Zentimetern Auflösung, aufgenommen von einem neuen Pléiades-Satelliten im Mai dieses Jahres.

(Foto: Airbus/oh)

Airbus sieht sich bei der Schnelligkeit vorne. Dank der Laserterminals kommen die Bilder mit bis zu 1,8 Gigabit/Sekunde beim Auftraggeber an. "Via Laserlink hat der Kunde die Daten innerhalb von 15 Minuten verfügbar, was einmalig ist", sagt Dudok. In dringenden Fällen kann die Kamera bis zu einer Viertelstunde vor der Aufnahme noch gesteuert werden, die im Idealfall bereits 30 bis 40 Minuten nach Kundenanfrage gemacht werden kann. Durch Nachbearbeitung per Künstlicher Intelligenz kann die Auflösung noch mal verbessert werden, was Maxar bereits anbietet, Airbus will da nachziehen.

Kunden der Datenbank brauchen die Bilder beispielsweise für die Infrastrukturplanung und Umweltüberwachung, suchen aber die Meere auch mal nach Plastikmüll ab. Ölkonzerne können damit Vorkommen erschließen und überwachen, zudem arbeitet Airbus auch mit militärischen Anwendern zusammen. Aber auch für Privatleute und kleine Firmen, wie etwa Makler, könne es interessant sein, zeitnah aktuelle Satellitenbilder zu bekommen, sagt Dudok. "Ein Waldbesitzer könnte zum Beispiel sehen, welche Schäden ein Sturm angerichtet hat, ob ein Baum umgekippt ist."

Airbus betreibt das Projekt nun komplett alleine und investiert dafür knapp 700 Millionen Euro. Der Konzern hofft dabei über die gesamte Lebenszeit des Systems von zehn Jahren auf etwa zwei bis drei Milliarden Euro Umsatz.

Pleiades neo Erdbeobachtungssatelliten Airbus

Pléiades Neo-Erdbeobachtungssatelliten von Airbus. Die ersten beiden einer Viererkonstellation sind im April und August 2021 ins All gestartet. Illustration: Airbus/oh

(Foto: Illustration: Airbus/oh)
© SZ
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