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Rating-Agentur Moody's:Spaniens Banken brauchen womöglich mehr als 100 Milliarden Euro

Es sind Horrorzahlen, mit denen jetzt die Ratingagentur Moody's aufwartet: Die spanischen Banken brauchen womöglich weit mehr Kapital als bislang angegeben. Die Rede ist von bis zu 105 Milliarden Euro. Das wäre fast das Doppelte der Summe, die Madrid vor wenigen Tagen genannt hatte.

Schon den ganzen Tag waberten an diesem Dienstag die Gerüchte umher, dass Spanien nun womöglich doch unter den Rettungsschirm ESM flüchten muss. Bisher hat das Land lediglich einen Antrag auf Bankenhilfe gestellt. Bestätigt wurden diese Spekulationen nicht. Und doch: Womöglich braucht Spanien deutlich mehr Geld als bislang angenommen.

Die Ratingagentur Moody's geht jedenfalls nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg davon aus, dass Madrid zwischen 70 und 105 Milliarden Euro brauchen könnte, um die Verluste im Bankensystem des Landes abzufedern. Diese Zahl übersteigt deutlich die 54 Milliarden Euro, die nach den Stresstests unlängst von der spanischen Regierung als notwendiges Kapital genannt wurden. Allerdings hatte die EU zuvor angekündigt, notfalls mit bis zu 100 Milliarden Euro bereitzustehen.

"Die Beträge zur Rekapitalisierung, die von Spanien veröffentlicht wurden, liegen unter unseren Schätzungen für das, was Spaniens Banken brauchen, um im ungünstigen und sehr ungünstigen Fall die Stabilität zu erhalten", heiße es in dem Report, schreibt Bloomberg weiter.

Drohende Herabstufung Spaniens

Die 54 Milliarden Euro berücksichtigen allerdings bereits eingeleitete Zusammenschlüsse von Banken sowie Steuervorteile. Werden diese außer Acht gelassen, steigt der notwendige Betrag nach Angaben der Regierung in Madrid auf knapp 60 Milliarden Euro.

An diesem Dienstag teilte Moody's überdies mit, dass in diesem Monat über eine mögliche weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens entschieden werde. Ursprünglich sollte die Entscheidung bis Ende September fallen.

"Moody's Überprüfung von Spaniens Rating berücksichtigt eine Reihe von Faktoren, darunter den Kapitalbedarf der spanischen Banken", sagte eine Sprecherin. Auch der Haushaltsplan für 2013 und das Krisenmanagement der Euro-Zone sollen Eingang in die Bewertung finden.

Moody's hatte Spanien zuletzt im Juni von A3 auf Baa3 zurückgestuft. Eine weitere Herabstufung würde bedeuten, dass die Anleihen Spaniens auf Ramschniveau sinken würden.

© Süddeutsche.de/hgn/holz

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