Privatisierungs-Pläne:Kabel- und Planungssalat in Berlin

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Es hätte alles so schön werden können. Ein Großflughafen sollte in Berlin entstehen, mit allen Insignien einer Hauptstadt, die sich selbst neu erfindet. Nach der Wende war das, als die DDR-Staatslinie Interflug pleiteging und das wiedervereinigte Deutschland sich auch baulich zu seiner Hauptstadt bekennen wollte. Der Bund wollte da nicht abseits stehen und stieg 1991 mit 26 Prozent als Gesellschafter einer neuen Flughafenholding ein, Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.

Abheben aber wollte das Großprojekt schon damals nicht, zwei Privatisierungsversuche scheiterten bis 2003, ehe Bund und Länder beschlossen, den Flughafen in Eigenregie zu bauen. Bei der Größe wollte man nicht übertreiben, in Berlin war kurz zuvor eine Immobilienblase geplatzt. Die Bauherren setzten also auf Bewährtes und das Büro des Architekten Meinhard von Gerkan, der schon Berlins Bahnhöfe umgebaut hatte. Für den neuen Flughafen wählte man Nussbaumholz und Sandsteinböden aus, alles sehr geschmackvoll.

Hinter die Deckenverkleidungen aber schauten offenbar nur Eingeweihte. Aufsichtsräte und Geschäftsführer behaupten bis heute, sie hätten lange nichts geahnt von dem heillosen Kabel- und Planungssalat im Innern des Renommierprojekts. Die Entrauchungsanlage hat bereits internationalen Ruhm erlangt. Ob und wann sie in Gang kommt, weiß keiner.

Die Kosten des Flughafens haben sich auf 4,3 Milliarden verdoppelt, für die jüngsten Mehrkosten zahlt der Bund 312 Millionen Euro, die Länder zahlen je 444 Millionen. Dreimal musste die Eröffnung des Flughafens verschoben werden. Sollte es am 27. Oktober 2013 klappen, was viele bezweifeln, muss ausgebaut werden. Der Flughafen ist zu klein für Berlins wachsenden Besucherstrom.

Die Schuld an dem Baudesaster weisen Bund und Länder sich gegenseitig zu. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bezichtigt Flughafengeschäftsführer Rainer Schwarz und Aufsichtsratschef Klaus Wowereit der Inkompetenz - und tritt auf, als sei er der Aufräumer in einer großen Länderschlamperei. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck revanchierte sich mit der Bemerkung, Ramsauer sei nicht "Robin Hood", sein Staatssekretär sitze im Aufsichtsrat und der Bund seit der Stunde null als Steuermann mit im Boot. Es gibt manche, die diese Stunde jetzt verwünschen.

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