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Privatbank:Das steckt hinter den neuen Personalien bei der Warburg-Bank

Privatbank M.M. Warburg & CO

Es gibt viel Unmut über den Kurs der Warburg-Bank in der Cum-Ex-Krise.

(Foto: Axel Heimken/picture alliance/dpa)

Kaum ein Institut kämpft in der Cum-Ex-Affäre an so vielen Fronten wie die Hamburger Privatbank M. M. Warburg. Einem Vorstand wurde der Ärger jetzt zu viel. Nun kommt eine auf Risiko spezialisierte Bankerin.

Von Jan Diesteldorf und Meike Schreiber, Frankfurt

Selbst das höchste deutsche Strafgericht ist nur eine Zwischenstation: Bei der Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals um Aktiengeschäfte zulasten der Staatskasse hat die Hamburger Privatbank M. M. Warburg noch einen langen Weg vor sich. Als Nächstes steht die für Ende Juli angekündigte wegweisenden Entscheidung des BGH über die Einziehung von gut 176 Millionen Euro Cum-Ex-Beute bevor. Es folgen weitere Strafprozesse gegen amtierende und frühere Mitarbeiter, die Ermittlungen gegen die Miteigentümer Christian Olearius und Max Warburg dauern an, Zivilverfahren gegen frühere Geschäftspartner laufen.

Es ist ein nicht enden wollender Kampf an vielen Fronten: gegen die Justiz, gegen die Finanzaufsicht Bafin, die Deutsche Bank und gegen frühere Berater - ein Kampf um den guten Ruf einer jahrhundertealten Bank und nicht zuletzt auch um Geschäftszahlen, die bei Warburg schon länger nicht mehr gut waren. In einem solchen Umfeld kann man hoffnungsvoll gestartete Manager auch mal verschleißen.

So hat Matthias Schellenberg nach nicht einmal einem Jahr im Vorstand und Partnerkreis schon wieder abgedankt. Er habe das Geldhaus aber in bestem Einvernehmen verlassen und sei mit Wirkung zum 10. Juni 2021 ausgeschieden, teilte die Bank mit. Weitere Gründe für Schellenbergs Abtritt, der zuerst durch einen Bericht der WirtschaftsWoche bekannt geworden war, nannte sie nicht. Neu hinzu kommt Manuela Better, 60, eine krisenerprobte Risikoexpertin mit langjähriger Erfahrung im deutschen Bankensektor. Peter Rentrop-Schmid wird den Vorstand und den Partnerkreis aus persönlichen Gründen im Juli ebenfalls verlassen.

Im laufenden Jahr erwartet die Bank Gewinn

Schellenberg war erst im Herbst 2020 von der Münchner Privatbank Merck Finck nach Hamburg gewechselt und hatte die Bereiche Markets and Institutional Banking sowie Corporate Finance geleitet, sich also um Unternehmenskunden und um das Investmentbanking gekümmert. Eine Lesart ist, dass Schellenberg durchaus die Erwartung hatte, mittelfristig Sprecher des Vorstands und damit der neue starke Mann in der Bank zu werden. Christian Olearius soll es sich dann aber anders überlegt haben, woraus Schellenberg seine Konsequenzen gezogen habe. Das Problem sei gewesen, dass Olearius weiter alle Energie darauf verwendet habe, die Cum-Ex-Vergangenheit der Bank reinzuwaschen und bestenfalls die Deutsche Bank mit in die Verantwortung zu nehmen, die damals als Depot-Bank in einige der Geschäfte eingebunden war. Sogar gegen die Finanzaufsicht zieht Warburg vor Gericht, weil sie sich von der Behörde zu Unrecht verfolgt fühlt. Dabei hat der tonangebende Bankeigentümer Olearius offenbar die Gegenwart schleifen lassen.

Matthias Schellenberg Vorsitzender des Vorstands bei Merck Finck Privatbankiers in München. München Bayern Deutschland

Vorstand Matthias Schellenberg habe das Geldhaus in bestem Einvernehmen verlassen, heißt es bei der Warburg-Bank.

(Foto: Thomas Einberger via www.imago-images.de/imago images/argum)

Das wird in seinem Umfeld zurückgewiesen. Im Gegenteil: Die Bank habe zuletzt ihre Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt. Im Geschäftsjahr 2020 machte sie daher nur noch einen Vorsteuerverlust von sieben Millionen Euro nach 40 Millionen im Vorjahr. Zudem gelang es den Hamburgern im ersten Quartal dieses Jahres, ihr verbliebenes Schiffsportfolio um 70 Prozent zu reduzieren. Warburg erklärte, die wirtschaftlichen Folgen der Cum-Ex-Geschäfte seien mit dem letzten Jahresabschluss vollständig verarbeitet worden. Die Steuerforderungen seien beglichen. Zum Jahresende werde ein positives Ergebnis erwartet.

Kommt Manuela Better also gerade zur rechten Zeit? Die 60-jährige frühere Chefin des in der Finanzkrise verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) sowie der Deutschen Pfandbrief AG war zum Frühjahr 2020 Risikochefin der zur Sparkassengruppe gehörenden Dekabank. Dort war sie auch zuständig für Recht und Compliance, also Fragen guter Unternehmensführung. Joachim Olearius hob als Sprecher der Partner die "langjährige Vorstandserfahrung" Betters hervor. Man könnte noch anfügen: Ihre langjährige Krisenerfahrung wird M. M. Warburg womöglich auch noch brauchen.

© SZ/shs
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