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Pariser Autosalon:Die 13. Marke könnte irgendwann die wichtigste Marke im Konzern werden

Auch der frühere BMW-Mann und VW-Markenchef Herbert Diess würde gerne einen Haken an den alten Dieselbauer machen und sich nur noch mit ganz anderen Dingen beschäftigen. Er kam nach Wolfsburg, kurz bevor es im September 2015 los ging mit der Affäre. Seitdem hat er die Dieselaffäre und die Ermittler am Bein und streitet mit dem Betriebsrat über die richtigen Sparprogramme. Eine Menge unangenehmer Themen also, und Diess, heute krawattenlos, kommt im hellblauen Anzug herein und verkündet strahlend: "Paris ist der Wendepunkt."

Wendepunkt - das ist hier schon ein Statement, zumal für einen Automanager. Strenggenommen wird hier natürlich nicht langsam gewendet, sondern zügig und im fünften Gang die nächste Ausfahrt genommen. Diess hat ein Elektroauto mit 600 Kilometern Reichweite mitgebracht, das 2020 auf den Markt kommen soll. In der Branche heißen solche Autos "Konzeptfahrzeuge". Dieses hier trägt den Namen "ID" und soll so etwas werden wie der Käfer oder Golf der neuen Elektromobilität.

Weil die Zukunft besser sein soll als die jüngste Vergangenheit und weil sie eh kommt, plant VW-Chef Müller etwas sehr Außergewöhnliches: Der Konzern, der bisher aus zwölf Marken besteht (darunter VW, Porsche, Audi oder Skoda), will eine 13. Marke gründen. Es gab Zeiten, da träumten VW-Strategen noch von der Fiat-Tochter Alfa Romeo als nächster neuer Marke. Tempi passati.

Wolfgang Porsche wird selbst wohl kein Carsharing-Kunde

Die 13. Marke soll gar keine richtige Automarke sein, sondern das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen bündeln. Car-Sharing, Fahrdienst-Vermittlungen, eigene urbane VW-Taxiflotten mit selbstfahrenden Autos, Shuttle-Angebote - in zwei Monaten will VW die 13. Marke präsentieren und ihr einen Namen geben. Wenn es so ist, dass Menschen irgendwann keine Autos mehr kaufen, sondern nur noch nutzen, dann könnte diese 13. Marke irgendwann die wichtigste im Konzern werden.

Das weiß auch einer im Konzern, der nicht unbedingt für die neue Mobilität steht. Wolfgang Porsche ist jetzt auch schon 73; der Enkel des VW-Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, Porsche-Aufsichtsratschef und VW-Miteigentümer ist nicht mehr ganz die Generation "Autonomes E-Auto-Fahren". Also, Herr Porsche, wie sieht es bei Ihnen mit Car-Sharing aus? "Ich muss gestehen, dass ich das nicht mache", sagt Porsche. Man muss wissen, dass der Konzernerbe eine gut gefüllte Garage mit diversen Oldtimern und Sportwagen hat, von denen einige so heißen wie er.

Autos teilen ist im Hause Porsche also nicht unbedingt erforderlich. "Aber", sagt Porsche dann noch, "es ist eine tolle Sache". Und wie ist es mit dem Fahrdienst Uber? Den wiederum kennt Porsche gut. "In fünf Minuten waren die da, und es waren sehr freundliche Menschen." Und wie finden Sie es, dass wir uns bald alle von vollautomatischen Autos fahren lassen? "Ich bin ein schlechter Beifahrer", sagt der Salzburger. "Aber es muss ja weitergehen." Soll heißen: Ich brauch das nicht, aber wenn es die Leute wollen, bittschön.

© SZ.de/mahu
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