Umweltschutz Verbraucher können wenig tun - etwas aber doch

Einige Unternehmen lassen das verwendete Palmöl deshalb zertifizieren, um sicherzustellen, dass es aus sauberer Produktion kommt, also umweltschonend und unter sozial gerechten Bedingungen erzeugt wird. Ob das stimmt, können die Verbraucher jedoch kaum überprüfen. Laut einer Greenpeace-Analyse aus dem Frühjahr können Markenartikler wie Colgate-Palmolive, Johnson & Johnson oder PepsiCo nicht ausschließen, dass in ihren Produkten Palmöl aus Regenwaldzerstörung stammt. Bei der Untersuchung hatten die Umweltschützer ingesamt 14 weltweit agierende Konzerne unter die Lupe genommen, die sich in den vergangenen Jahren ausdrücklich zu mehr Urwaldschutz bekannt hatten.

Dass überhaupt nur ein geringer Teil des hierzulande eingesetzten Palmöls aus sauberen Quellen stammt, zeigt eine Studie, die das Forum Nachhaltiges Palmöl im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Demnach stammen nur 28 Prozent des in Deutschland verbrauchten Rohstoffs aus umwelt- und sozialverträglichem Anbau. Dabei ist es erklärtes Ziel vieler Konsumgüter- und Handelskonzerne, den Anteil von zertifiziertem Palmöl deutlich zu steigern. "Wir haben beobachtet, dass die seit 2014 bestehende Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel schon viele Unternehmen dazu bewegt hat, zertifiziertes Öl zu verwenden", sagt Petersen vom WWF.

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Hundertprozentige Sicherheit kann aber auch ein Zertifikat nicht liefern. Das belegt eine Untersuchung des Bonner Südwind-Instituts. Dessen Experten stellten fest, dass es in Zusammenhang mit dem Anbau von Palmöl immer wieder zu Menschenrechtsverstößen kommt. Fazit ihrer Studie: auch ein Zertifikat ist keine Garantie dafür, dass soziale und ökologische Standards auch tatsächlich eingehalten werden. Bei ihren Recherchen stellten die Südwind-Experten fest, dass es in Malaysia und Indonesien immer wieder zu illegalen Landnahmen kommt und Arbeiter schlecht behandelt werden, selbst in zertifizierten Anbaugebieten.

Eine globale Lösung, um den steigenden Palmölverbrauch zu bremsen, liegt unterdessen in weiter Ferne. China und Indien nehmen mit anderen asiatischen Ländern fast 70 Prozent des Öls ab, ganz egal, ob dafür Standards eingehalten werden. Darüber macht man sich auch beim WWF keine Illusionen. Für die Produzenten fehlten die Anreize, nachhaltig zu produzieren, so ein Sprecher. Das ist auch ein Problem für deutsche Handelsketten, die viel daran setzen, Produkte mit Palmöl aus sauberem Anbau zu verkaufen. "Die Volumina, die wir an Palmöl brauchen, sind marginal im Vergleich zu dem was in Südostasien angebaut wird", sagte ein Sprecher der Rewe Group. Abnehmer wie Deutschland könnten wenig Druck ausüben. "Wenn wir Anforderungen stellen, wird das wegen unserer geringen Abnahme nur sehr zögerlich in Südostasien wahrgenommen", sagte er.

Worauf Verbraucher achten können

Völlig auf Palmöl verzichten? Für Verbraucher ist das kaum möglich. Denn das Fett ist in Tausenden Produkten enthalten. In Lebensmitteln müssen Hersteller es zwar inzwischen kennzeichnen, für Seife oder etwa Reinigungsmittel gilt das aber nicht. Trotzdem können Konsumenten laut WWF einiges tun, um den Verbrauch zu reduzieren: Einer der größten Hebel ist der Straßenverkehr. Wer sein Auto öfter mal stehen lässt und auf Bahn oder Fahrrad umsteigt, trägt zum palmöl-freien Verkehr bei. Ein erheblicher Anteil des Fetts findet sich in Fertigprodukten wie Pizza, Keksen oder Schokolade. Selbstbacken oder beim Einkauf die Zutatenliste prüfen, kann eine Lösung sein. Auch hier gilt: weniger ist mehr, gesünder ist ein Verzicht auf zu viel Fettiges allemal. Zudem können Käufer auf Palmöl aus zertifiziertem Anbau mit dem RSPO-Zeichen achten. Auch bei der Erzeugung von konventionellem Geflügel- und Schweinefleisch ist oft Palmöl im Spiel, es wird ins Futter gemischt. Auch hier hilft weniger essen oder zu Bioware greifen. SZ

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