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Traditionsfirma:Es wird nicht einfacher für Osram

Osram

Eigentlich soll Osram-Chef Berlien auch nach der Übernahme bleiben. Dass das wirklich so kommen wird, ist unwahrscheinlich.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Das Unternehmen soll an Finanzinvestoren verkauft werden. Doch die Probleme bleiben.

Kommentar von Thomas Fromm

Osram-Chef Olaf Berlien hat eine Vorliebe für Superlative. Aus der alten Lampenfirma will er ein High-Tech-Unternehmen machen, und zwar nicht irgendeins, sondern einen "führenden Photonik-Champion". Und der soll dann nicht bloß modern sein, sondern: "sehr innovativ".

Jetzt soll das Traditionsunternehmen, vor über 100 Jahren gegründet, an die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle verkauft werden und seine Selbständigkeit verlieren. Das wirft Fragen auf. Warum schafft es der frühere ThyssenKrupp-Vorstand Berlien - ein Mann, der immerhin Millionen verdient - nicht, diesen Konzern selbständig in die Zukunft zu führen? Warum sollen jetzt Finanzinvestoren den Konzern kaufen? Dahinter steckt eine gängige Managerstrategie: Wenn sich die Technologien immer rasanter verändern, das Geschäft immer schwieriger wird, die Gewinne Achterbahn fahren und einen die Börsianer vor sich her treiben - Investoren gehen immer.

Man kann es aber auch anders sehen: Da reicht einer das Unternehmen, das er ein paar Jahre lang geführt hat, einfach mal an Investoren weiter. Zwar sollen Berlien und sein Team an Bord bleiben und Osram weiter führen. Realistisch ist das aber nicht. Nach einer Übernahme durch Investoren ist der Chef oft nur noch ein Übergangskandidat, und zwar solange, bis die neuen Eigentümer ihre eigenen Leute einsetzen. Für einen Vorstandschef a.D. ist es ohnehin nicht ganz so schwer, nach einer Fremdübernahme elegant zum nächsten Karriereschritt überzuleiten. Das unterscheidet ihn vermutlich von den meisten der mehr als 26 000 Osram-Mitarbeiter, für die nun eine neue, vermutlich lange Phase der Unsicherheit beginnt. Wieder mal.

Zuerst gab es 2013 die Abspaltung von der Konzernmutter Siemens. Später folgte die Trennung vom traditionellen Geschäft mit Glühbirnen, das vor drei Jahren an einen chinesischen Investor ging. Immerhin: Osram verlor von heute auf morgen 40 Prozent seines Umsatzes. Zuletzt hatte der Konzern auch sein defizitäres Geschäft mit Büro-, Straßen- und Stadion-Beleuchtung an einen Investor abgegeben. Und, als wäre das nicht genug, überraschte der Chef immer wieder mit neuen Gewinnwarnungen, dazu kamen hartnäckige Übernahmegerüchte. Für die "Osramiten", wie sich die Osram-Mitarbeiter lange Zeit nannten, wurden die vergangenen Jahre wegen des rasanten technologischen Wandels zu einem Dauer-Trauma. Der Konzern war eine Dauerbaustelle geworden. Es sollte vieles neu gebaut werden, aber erst einmal wurde vor allem abgerissen. Osram schrumpfte sich jahrelang selbst, und die Stimmung im Unternehmen schrumpfte mit.

Es braucht einen sehr guten Plan, um diesen riskanten Schritt zu rechtfertigen

In München sei man zumindest froh, heißt es, dass zwei US-Käufer zugreifen und keine chinesischen Investoren. Und, auch das: Bain und Carlyle gelten, anders als etwa der aktivistische Fonds Elliott, der gerade bei Bayer eingestiegen ist, nicht als aggressive Zerschlager. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, Unternehmen zu einem niedrigen Preis zu übernehmen, zu sanieren und später gewinnbringend wieder zu verkaufen. Das setzt aber voraus, dass die Dinge unter ihrer Kontrolle besser laufen als bisher. Das wird nicht gerade einfach werden.

Der Markt für LED-Lampen, auf den Osram lange gesetzt hat, wird auch in den nächsten Jahren ein schwieriges Geschäft mit fallenden Preisen sein. Die Autoindustrie, einer der großen Abnehmer für Osram-Produkte, steckt in der Flaute und wird vorerst als großer Gewinnbringer ausfallen. Der Vorstandschef und seine neuen Eigentümer werden überzeugende Antworten geben müssen, um diesen riskanten Verkauf zu rechtfertigen. Es steht nicht weniger auf dem Spiel als eines der ältesten Unternehmen des Landes.

"Es wird auch weiterhin Licht geben, und das kommt von Osram", sagte Berlien vor einiger Zeit. Zumindest der erste Teil des Satzes wird mit Sicherheit auch in Zukunft gelten.

© SZ vom 05.07.2019/lüü
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