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Opel: Betriebsrat Franz:Wo Schweigen Gold gewesen wäre

Opel paradox: Der neue Besitzer will viele Jobs streichen, was der Betriebsratschef verteidigt. Klaus Franz sollte einfach einmal schweigen.

Melanie Ahlemeier

Manche halten Klaus Franz für den heimlichen Opel-Chef. Weil der Betriebsratsvorsitzende seit Monaten immer und überall etwas zum publizistischen Dauerbrenner Opel von sich gibt. Franz, seit 30 Jahren bei Opel unter Vertrag, arbeitet wie ein Lautsprecher.

Dieser Lautsprecher sendet und sendet und sendet. Ginge es nach dem Schnauzbartträger könnte er vermutlich rund um die Uhr sein Dauerbeschallungsprogramm zum Rüsselsheimer Autohersteller vortragen. Sein jüngster Beitrag: Im Deutschlandfunk hat er am Mittwochmorgen den massiven Jobabbau bei Opel verteidigt.

O-Ton Franz über den inzwischen auf Europaebene ausgetragenen Zukunftskonflikt über den Opel-Jobabbau: "Ich sehe das nicht so dramatisch" und: "Ich bin kein Sozialromantiker". Der neue Noch-nicht-Eigentümer Magna will bei Opel 10.500 Stellen kappen, allein in Deutschland sollen 4500 Jobs wegfallen.

Fakt ist: Opel verbrennt jeden Tag massiv Geld, weil das Unternehmen einfach unrentabel arbeitet. Ohne Jobabbau - das war von Anfang an klar - kommt das Unternehmen nicht wieder auf die Beine.

Doch Franz ist nicht die Verlautbarungsstelle des Unternehmens, das nur dank eines staatlichen Überbrückungskredits in Höhe von 1,5 Milliarden Euro überhaupt noch existiert und das jetzt im Konglomerat mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und der russischen Sberbank in eine bessere Zukunft steuern soll. Franz ist der oberste Mitarbeitervertreter, gewählt von den Kollegen. Und er ist außerdem Chef der europäischen Opel-Betriebsräte. Der Mann trägt also doppelte Verantwortung.

Mit seinem aktuellen Interview allerdings hat Franz etwas getan, was ein Betriebsrat nicht tun darf: Er unterstützt öffentlich die Vernichtung von Arbeitsplätzen. Seinem eigentlichen Arbeitsauftrag, "die Beschäftigung im Betrieb zu fördern und zu sichern" - so steht es nämlich in Paragraph 80 des Betriebsverfassungsgesetzes geschrieben - kommt der Mitarbeitervertreter vom Dienst so nicht nach.

Franz hat sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Für die Verhandlungen mit Magna, die schon in wenigen Tagen beginnen sollen, hat der Betriebsratschef seine Ausgangssituation massiv geschwächt. Er darf, ja er muss sogar betriebsintern mit den anderen Betriebsräten den unvermeidlichen Jobabbau vorbereiten und notfalls einen Sozialplan mit ausarbeiten. Aber im Betriebsverfassungsgesetz steht nicht, dass ein Betriebsrat das Herauswerfen von Kollegen gutheißen darf. Der Opel-Betriebsratsvorsitzende hat ein Tabu gebrochen.

Ist dem Lautsprecher Franz der Opel-Wahn der vergangenen Monate zu viel geworden? Womöglich wäre er insgeheim gern selbst Opel-Chef, dann könnte er immer öffentlich über "Planzahlen" und den "betriebswirtschaftlichen Standort" philosophieren.

Bis dahin aber gilt: Manchmal ist es einfach besser, zu schweigen.

© sueddeutsche.de/jja
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