Oktoberfest in Peking:Es ist Wiesn - und keiner geht hin

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Chinesen lieben das Oktoberfest - aber nur das Original: Die asiatische Version der Wiesn, das Pekinger Bierfest, floppt, die Besucher bleiben aus. Fast 100 Millionen Euro hat ein chinesisches Unternehmen in die Kopie investiert, nur um jetzt festzustellen: "Die Trinkkultur ist doch eine andere als in München."

Marcel Grzanna

"Bloß nicht hingehen", lautet der Tipp des jungen Deutschen. Der Mann hat gerade mit ein paar Freunden das 1. Pekinger Bierfest verlassen, die chinesische Version des Münchner Oktoberfests. Es ist Samstagabend, 18 Uhr. Normalerweise gerät man um diese Zeit bei einem Bierfest erst halbwegs in Trinklaune. Doch die deutsche Gruppe hat sich entschieden, ihr Bier lieber anderswo in Peking zu trinken, dort, wo etwas los ist.

Oktoberfest 2010 - Opening Day

Das Oktoberfest in München.

(Foto: Getty Images)

Insgeheim hatten die Veranstalter des Oktoberfestes gehofft, mit der Wiesn auch den Erfolg aus Bayern nach China importieren zu können. Vier Millionen Besucher sollten es werden, 100.000 an jedem Tag. Das Ziel entpuppte sich als utopisch.

Nimmt man den vergangenen Samstag als Maßstab, dann sind es in vier Wochen insgesamt vielleicht 100.000 Besucher gewesen. Doch selbst das scheint noch zu hoch gegriffen. Von acht Festhallen waren am vergangenen Festwochenende nur noch zwei geöffnet.

Fünf Jahre lang hat ein privates Unternehmen namens Xiedao das Pekinger Oktoberfest mitten im Sommer geplant. 800 Millionen Yuan, fast 100 Millionen Euro, hat Firmenboss Fu Xiuping dafür investiert. Er hat die Festhallen 20 Kilometer nordöstlich vom Stadtzentrum gebaut, Hunderttausende Liter Bier aus Deutschland besorgt und 4000 Mitarbeiter angestellt, darunter 400 Deutsche. Fünfmal war Fu in dieser Zeit Gast des Münchner Oktoberfests, und er hat sich beraten lassen von einem, der sich auskennt.

Michael Schottenhamel, Unternehmer und Sohn des gleichnamigen Wiesnwirts, ist mit dem Oktoberfest groß geworden. Schottenhamel hat den Chinesen die Schnittmuster für die Dirndl geliefert, die Noten für die Blasmusik und das Rezept für die Zubereitung der Hendl. "Trotzdem war der Charakter des Festes eher auf chinesische Besucher zugeschnitten", sagt Schottenhamel.

Auf bayerische Klänge verzichteten die Veranstalter lieber. Stattdessen boten die Liveacts am Samstagabend chinesischen Rock oder Schlager. Zum Sauerkraut gab es Fisch. Als klar war, dass das Bierfest kein Publikumsmagnet mehr wird, sank der Bierpreis von anfänglich rund zehn Euro für eine Maß um 30 Prozent.

"Wir haben festgestellt, dass die Trinkkultur doch eine andere ist als in München", sagt ein Sprecher des Planungsteams namens Zhang. Das Jeder-trinkt-mit-jedem-Konzept einer Festhalle passt nicht zu diesem Prinzip. Trotz des schwachen Starts wird es im kommenden Jahr die zweite Auflage geben. Sprecher Zhang sagt, man dürfe das Fest nicht nur an Besucherzahlen messen.

Im nächsten Jahr wird sich einiges ändern. "Dann werden wir uns noch enger an das Original in München halten", verspricht Zhang. Nur mit den Bierpreisen will man es nicht so halten wie die Münchner. Die Maß soll von Beginn an billiger werden.

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