Banken und Anwälte Die Anwälte: willige Helfer

Wenn die Unterstützung der Banken das Öl ist, das Räderwerk der Steueroasen schmiert und den reibungslosen Ablauf garantiert, sind die Anwälte, Treuhänder und Vermögensverwalter und Steuerberater das Benzin, das die Maschinerie antreibt. Ohne ihre Expertise, ohne ihren Rat in Sachen "grenzüberschreitende Steuerplanung" würden Firmen wie Portcullis oder CTL wohl lange auf Kunden warten.

Diese Rolle lässt sich in den Kundendaten präzise nachvollziehen. Insgesamt finden sich dort 12.000 Finanzintermediäre, also Anwälte und Treuhänder. Sie bringen die Leute mit dem Geld und die Länder mit den laschen Gesetze zusammen.

In den Daten des Leaks finden sich zahlreiche Anwälte aus der Schweiz. Ein Grund mag sein, dass die Hilfe bei der Steuervermeidung dort noch bis vor gar nicht so langer Zeit als üblich galt - und Steuerhinterziehung auch nicht als Straftat bewertet wird. Ein anderer Grund ist sicher, dass oft mit Geldern hantiert wird, die bereits in die Schweiz verbracht wurden, und nur eine neue virtuelle Heimat brauchten.

Unter den Schweizer Anwaltskanzleien ist auch die Zürcher Großkanzlei Lenz & Staehelin, die allein schon deswegen ins Auge sticht, weil sie drei Klienten von höchst prominentem Rang vertrat: Gunter Sachs, Elie de Rothschild und Baroness Carmen Thyssen-Bornemisza. Lenz & Staehelin setzte sich vehement für die Anonymität ihrer Kunden ein - die Namen von Sachs und Rothschild hielten die Anwälte über Jahre selbst aus den internen Kundendateien der Offshore-Dienstleister.

Im Fall von Rothschild, der immerhin 18 Trusts auf den Cook-Inseln gegründet hatte, führte das zu einem Portcullis-internen Rätselraten: Einige Kundenbetreuer hatten "sehr sehr reich" und "Familiendynastie" aufgeschnappt und verbreiteten in E-Mails, es handle sich um einen Rockefeller.

Aber auch deutsche Anwälte helfen ihren Kunden bei Offshore-Geschäften. Die deutsche Großkanzlei Beiten Burkardt etwa war bei PTN als "Masterclient" geführt, also als Verwalter der Firmen eigener Kunden. Und interne Emails zeigen, wie sehr sich Beiten Burkardt müht, Mandanten die völlige Anonymität zu bewahren: In dem Beispielfall geht es um eine gewöhnliche 80-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in München-Schwabing. Kaufpreis: eine halbe Million Euro.

Der Käufer gründet eigens eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln. Geschäftsführer und Inhaber sind andere Briefkastenfirmen, als Scheindirektoren und Scheinbesitzer. Aber der Münchner Notar, der den Wohnungskauf besiegeln soll, will einen echten Menschen am Ende der Kette.

Nun übernehmen die Anwälte von Beiten Burkardt. Für den anonymen Käufer machen sie sich in den Tarnfirmen von Portcullis auf die Suche nach der Person, die am Ende des wirren Firmennetzes steckt. Nach Wochen bekommt Beiten Burkardt einen Namen: David Chong. Er ist der Geschäftsführer der Firma in der Mitte des Tarnnetzes. Das ist nicht überraschend. Chong ist der Chef von Portcullis.

Das Geschäft findet statt, die Wohnung wird wenige Wochen später schon weiterverkauft. Den Verkäufer der Wohnung hatten die Beiten Burkhardt-Anwälte angeblich damit beruhigt, solche Käufe "schon hundertmal" abgewickelt zu haben.

Sollte die halbe Million ein bisschen gestunken haben - jetzt stinkt sie nicht mehr. Die Kanzlei möchte zu dem Fall keine Auskunft geben. Auch der Käufer mochte sich auf Anfrage nicht äußern.

Verdreifacht man die Zahl der involvierten Anwälte und Scheinfirmen und verzehnfacht die Summen, ist man bei Londoner Verhältnissen angelangt.

Das Gebäude One Hyde Park zum Beispiel, nahe der U-Bahn-Station Knightsbridge, gehört zu den teuersten Adressen der Welt. Die Post wird erst nach einem Röntgencheck ausgeliefert, vor der Tür stehen Sicherheitskräfte, die von Spezialeinheiten der Armee ausgebildet wurden. Fast alle Wohnungen gehören auf dem Papier nicht reichen Familien, Investoren oder Anlegern. Sondern Offshore-Firmen. Nachts ist das Gebäude komplett schwarz, kein Licht brennt in dieser Aprilnacht.

Hier wohnt kein Mensch. Nur geheimes Geld aus den Adern der Steueroasen.

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