Offshore-Leaks Vertrauter bringt Hollande in Bedrängnis

Er hatte Steuerflüchtlingen einst den Kampf angesagt. Doch nun wird bekannt, dass Hollandes früherer Schatzmeister Jean-Jacques Augier selbst an mehreren Firmen in Steueroasen beteiligt ist. Damit gerät ein weiterer Vertrauter des sozialistischen Präsidenten ins Zwielicht - und allmählich auch Hollande selbst.

Von Frederik Obermaier

Der Rücktritt seines Haushaltsministers Jérôme Cahuzac ist noch keine drei Wochen her, dessen Geständnis, ein geheimes Auslandskonto unterhalten zu haben, nicht einmal drei Tage alt, da droht Frankreichs Präsident François Hollande bereits neues Ungemach: Dokumente, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, zeigen, dass sein Wahlkampfmanager und Freund Jean-Jacques Augier an mehreren Firmen in Steueroasen beteiligt war. Damit gerät ein weiterer Vertrauter des sozialistischen Präsidenten ins Zwielicht - und allmählich auch Hollande selbst.

Jean-Jacques Augier gilt als ein langjähriger Freund des Staatsoberhaupts. Zusammen besuchten sie einst die École nationale d'administration, kurz: ENA - Frankreichs Eliteschmiede. Beide gehörten sie zum berühmten "Jahrgang Voltaire", zu dem auch die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal - Hollandes Ex-Lebensgefährtin - zählt. Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 war Augier dann der Schatzmeister für Hollande.

Hollande hatte den Franzosen im Wahlkampf eine "vorbildliche" und "untadelige" Republik versprochen und Steuerflüchtlingen den Kampf angesagt. Nun allerdings gibt es erhebliche Zweifel an der Vorbildlichkeit seines Freundes Augier. Der 59-jährige Geschäftsmann, der lange Zeit das Unternehmen Taxis G7 leitete und mehrere Zeitschriften herausgibt, hatte im Jahr 2005 über seine Finanzholding Eurane auf den Cayman-Inseln - einer berüchtigten Steueroase - zusammen mit weiteren Aktionären das Unternehmen International Bookstores Limited, Registrierungsnummer CR144207, gegründet. Drei Jahre später beteiligte sich Augier an der Gründung eines zweiten Offshore-Unternehmens - auch dieses hatte seinen Sitz auf den Karibik-Inseln, bevor es nach Hongkong umzog.

In einer ersten Stellungnahme erklärte Augier, er habe weder ein eigenes Konto auf den Cayman-Inseln noch persönlich dort Geld angelegt. Die Investition sei vielmehr über eine Gesellschaft getätigt worden, die seine Buch- und Verlagsgeschäfte in China abwickle. Nicht er habe darauf bestanden, die Firma auf den Cayman-Inseln zu registrieren, sondern sein chinesischer Geschäftspartner, ein Mann namens Xi Shu. Augier ergänzte: "Nichts ist illegal."

Wie aus Frankreich verlautete, wollen nun die Steuerbehörden den Fall prüfen. Neben dem Verdacht, dass es neben Ex-Haushaltsminister Cahuzac ein weiterer Vertrauter des Präsidenten mit seiner Steuererklärung nicht so genau gekommen hat, beschäftigt die französischen Medien vor allem die Frage, ob die Sozialisten ihren eigenen Ansprüchen genügen.

Finanzminister Pierre Moscovici hat am Donnerstag Vorwürfe in der Schwarzgeld-Affäre um den zurückgetretenen Haushaltsminister Cahuzac entschieden zurückgewiesen. Er habe als Finanzminister in "jeder Phase vorbildlich gehandelt", sagte Moscovici. Sein Ministerium habe "transparent, objektiv, rasch und ernsthaft" reagiert. Fragen zum Hollande-Vertrauten Jean-Jacques Augier und seinen beiden Offshore-Firmen ließ Moscovici unbeantwortet.