Familienunternehmen:Oetker spaltet sich auf

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Eine Tiefkühlpizza teilt man am besten, wenn sie frisch aus dem Ofen kommt. Bei Familienunternehmen ist die Sache komplizierter.

(Foto: imago)

Die Erben teilen eines der größten Familienunternehmen Deutschlands auf: Die einen übernehmen Pizza, Torten und Bier, die anderen Sekt, ein paar Hotels und die Kunst.

Von Elisabeth Dostert und Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Sie haben es versucht, geerbt, gestritten, sich angenähert und wieder gezofft. Streit gab es um fast jede Entscheidung in der Familie. Aber es geht nicht, also Ende, Aus, Basta. Die Erben aus den drei Ehen von August-Rudolf Oetker teilen den Konzern, eines der größten deutschen Familienunternehmen, auf. Das teilt der Konzern am Donnerstag mit. Nachkommen aus den ersten beiden Ehen, darunter der langjährige Geschäftsführer Richard Oetker, bekommen das Nahrungsmittelgeschäft mit Backzutaten, Fertigkuchen, Müslis und Pizzen, den Tiefkühltortenbäcker Coppenrath & Wiese, die Radeberger-Gruppe mit Marken wie Jever und Schöfferhofer, Getränkehändler und Lieferdienste wie Flaschenpost, ein paar Hotels und etliche andere Firmen. Der dritte Stamm, die drei Erben aus der dritten Ehe, übernehmen die Sektkellerei Henkell & Co, die Chemische Fabrik Budenheim, Immobilien, ebenfalls ein paar Hotels, die Kunststammlung des Vaters und "weitere Vermögensgegenstände."

Gerüchte um eine Aufspaltung gab es seit langem. In dem Streit ging es um viel Geld, aber nicht nur, sondern auch um Macht und Gefühle. Den Grundstock des Zwists legte Rudolf-August Oetker selbst. Er schenkte Anfang des Jahrtausends jedem der insgesamt acht Kinder aus seinen drei Ehen 12,5 Prozent der Anteile und verfügte, dass die Gesellschafter wichtige Entscheidungen mit einer deutlichen Mehrheit fällen müssen. Die brachten weder fünf Sprösslinge aus den ersten beiden Ehen auf, noch die drei Jüngsten. Sie blockierten sich munter. Das ist nicht untypisch für solche Geschwistergesellschaften, wie sie Experten nennen.

Die Trennungsvereinbarung soll noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Die Lage ist kompliziert. Zur Gruppe gehören knapp 400 Firmen. Im Geschäftsjahr 2020 setzte sie mit weltweit mehr als 36 000 Mitarbeitern 7,3 Milliarden Euro um. Der Großteil des Geschäfts fällt nun an die erste Gruppe, die 62,5 Prozent der Anteile hält, die zweite hält 37,5 Prozent. Allein mit Nahrungsmitteln setzte die Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr gut vier Milliarden Euro um, mit Bier und alkoholfreien Getränken 1,6 Milliarden, mit Sekt, Wein und Spirituosen waren es knapp eine Milliarde Euro.

Die Eigentümer und der Beirat seien überzeugt, dass mit der Trennung die schon heute "dezentral und selbständig geführten Unternehmen eine unbelastete Perspektive für profitables Wachstum in ihren jeweiligen Märkten haben werden." Auf die Mitarbeiter habe die Entscheidung keine Auswirkung. Der Geschäftsfeld Schifffahrt mit der Reederei Hamburg Süde hatte Oetker schon Ende 2016 an den dänischen Konzern Maersk verkauft. In Branchendiensten war damals über einen Preis von fünf Milliarden Dollar spekuliert worden. Zu den finanziellen Details der jüngsten Aufspaltung machte das Unternehmen keine Angabe.

Es kommt immer mal wieder vor, dass Familienunternehmern aufgespalten werden. Auch die Bahlsens taten das 1999. Lorenz Bahlsen, der älteste Sohn des Patriarchen Werner Bahlsen, bekam die salzigen Teile, etwa das Geschäft mit Chips und Erdnussflocken. Der jüngere Bruder Werner Michael das Geschäft mit Süßem, die Söhne ihrer verstorbenen Schwester Immobilien. Es ist auch nicht die erste Trennung im Oetker-Clan. Ursula, die Schwester von Rudolf-August Oetker, löste früh die Bande zu den Verwandten. Ihr Sohn Arend machte aus dem Erbe einen Milliardenkonzern, zu dem unter anderem der Marmeladenhersteller Schwartauer Werke gehört.

© SZ
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