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Öffentlicher Dienst: Tarifkonflikt:"Sozial ist, was Kaufkraft schafft"

Im öffentlichen Dienst bahnt sich eine harte Tarifrunde an. Die Gewerkschaften fordern fünf Prozent mehr Gehalt. Trotz Finanzkrise halten sie die Forderung für überfällig.

Die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund gehen mit einem Forderungspaket im Gesamtvolumen von fünf Prozent in die Tarifrunde für die knapp zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Ländern. Das beschlossen die Tarifkommissionen der Gewerkschaften am Dienstag in Berlin.

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes demonstrieren im Februar in Frankfurt am Main. Die kommenden Tarifverhandlungen könnten ebenfalls zu Konflikten führen.

(Foto: Foto: ddp)

Neben einer spürbaren linearen Gehaltsverbeserung beinhaltet die Forderung auch eine tarifliche Altersteilzeitregelung als Beschäftigungsbrücke für Jüngere. Die Tarifrunde startet am 13. Januar in Potsdam.

Verdi-Chef Frank Bsirske erklärte, die Gesamtkosten bei voller Durchsetzung der Forderung lägen bei 4,57 Milliarden Euro.

"Hinter Entwicklung aller anderen Branchen zurückgeblieben"

"Die Einkommensentwicklung im öffentlichen Dienst ist - trotz steigender Belastung für die Beschäftigten - in den vergangenen zehn Jahren hinter der durchschnittlichen Entwicklung aller anderen Branchen zurückgeblieben", erklärte er.

Spürbare Lohnerhöhungen seien aber gerade angesichts der schwachen Binnennachfrage nötig, um die beginnende wirtschaftliche Erholung zu stabilisieren. "Sozial ist, was Kaufkraft schafft", sagte Bsirske.

Verdi führt die Tarifverhandlungen gemeinsam mit der GdP, der GEW und der dbb-tarifunion im Deutschen Beamtenbund. Im März wurden für die 800.000 Beschäftigten der Länder Entgelterhöhungen von drei Prozent beschlossen. Ab März 2010 erhalten sie eine weitere Erhöhung um 1,2 Prozent.

Unterdurchschnittlich

Die Tariflöhne und -gehälter im öffentlichen Dienst sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich langsamer gestiegen als in den meisten anderen Branchen.

Dies geht aus einer Analyse des WSI-Tarifarchivs in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Seit dem Jahr 2000 sind die Tarifvergütungen im öffentlichen Dienst in den alten Bundesländern demnach nominal um 17 Prozent gestiegen, in der Gesamtwirtschaft dagegen um 21,4 Prozent und in der Metallindustrie sogar um bis zu 27,4 Prozent.

Auch die etwas stärkeren Tarifsteigerungen der Jahre 2007 bis 2009 hätten den Rückstand des öffentlichen Dienstes nicht wettmachen können.

© sueddeutsche.de/APD/pak
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