Streaming-Dienst Was wirklich hinter den guten Netflix-Zahlen steckt

US-Schauspielerin Robin Wright als Claire Underwood in der Serie "House of Cards".

(Foto: dpa)
  • Der Streaming-Anbieter Netflix erhöht in den USA die Preise.
  • Ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt, wie viel Geld das Unternehmen inzwischen für die Produktion von Serien und Filmen ausgibt.
  • Netflix ist quasi gezwungen, weiter zu investieren, um sein Alleinstellungsmerkmal nicht zu verlieren - doch die Konkurrenz lauert schon.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Netflix erhöht in den Vereinigten Staaten die Preise für seinen Streaming-Dienst: für Neu-Abonnenten sofort und für bestehende Kunden in ein paar Monaten. Das kann man schon mal machen, schließlich produziert das Streamingportal unfassbar viele Inhalte, und manchmal befinden sich unter diesen unfassbar vielen Inhalten auch unfassbar gute Inhalte. Auch die am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen scheinen die Erhöhung des Abo-Preises zu rechtfertigen. Das Unternehmen konnte seine Abonnentenzahl weltweit um 8,8 Millionen auf nunmehr knapp 140 Millionen steigern.

Warum also nicht mal ausprobieren, was passiert, wenn man die Preise in den USA um bis zu 18 Prozent erhöht?

Um zu verstehen, was da gerade tatsächlich passiert, muss man auf andere Zeilen in diesem Quartalsbericht achten als auf Zuschauer und Kundschaft. Womöglich sogar auf jene Zahlen, die nur am Rande oder gar nicht erwähnt werden. Netflix hatte im vergangenen Vierteljahr trotz des offiziellen Gewinns einen negativen Cashflow von 1,3 Milliarden Dollar. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag er bei insgesamt drei Milliarden Dollar und soll auch im kommenden Jahr nicht besser ausfallen.

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Weiter unten findet sich eine weitere interessante Zahl, im Bereich "Streaming Content Obligations": 19,3 Milliarden Dollar. Sie bedeutet, dass Netflix bereits Produktionen in Höhe dieser Summe genehmigt hat. In der Bilanz müssen diese erst vermerkt werden, wenn die Projekte ausgestrahlt werden - bei der erfolgreichen Serie Stranger Things zum Beispiel, die pro Folge bis zu acht Millionen Dollar kostet, erst zum Start der dritten Staffel am 4. Juli. Die Produktionskosten jedoch muss Netflix bereits jetzt bezahlen.

Das Unternehmen verbrennt also ordentlich Geld, weil es kräftig in eigene Inhalte investiert. Zudem gibt Netflix viel Geld für die Produktionen anderer Unternehmen aus. Die Serie Friends etwa, die von 1994 bis 2004 auf dem amerikanischen TV-Sender NBC lief, gehört zu den beliebtesten auf dem Streamingportal. Netflix hat erst kürzlich etwa 100 Millionen Dollar an Warner Media überwiesen, um die Serie auch 2019 im Portfolio halten zu können.

Das Unternehmen verweist nun öfter auf die vielen Preise, die man gewinnt

Netflix ist quasi gezwungen, weiter zu investieren. Das breite Streaming-Angebot ist sein Alleinstellungsmerkmal - noch. Doch Konkurrenten wie Hulu, HBO und Amazon Prime lauern schon, und auch Unternehmen mit prall gefüllten Kassen wie Disney, Apple, AT&T und NBC Universal planen bereits eigene Portale. Netflix-Chef Reed Hastings hat derweil noch ganz andere Gegner ausgemacht: "Wir konkurrieren eher mit Fortnite als HBO, und als im vergangenen Jahr Youtube für ein paar Minuten ausgefallen ist, erlebten wir einen enormen Anstieg bei Zuschauern und neuen Abonnenten."

Netflix hat sich bereits vor Jahren festgelegt, diesen Kampf nur mit möglichst vielen und möglichst hochwertigen Inhalten auszufechten. Der Konzern verweist immer häufiger auf die vielen Preise (23 Emmys, fünf Golden Globes), die er damit gewinnt, und veröffentlicht die Zahlen der erfolgreichsten Produktionen, um sich gegen Kritik zu wehren. Der Horrorfilm Bird Box zum Beispiel, den viele für unfassbar schlecht halten, ist eigenen Angaben zufolge in mehr als 80 Millionen Haushalten gelaufen.

Netflix hat die Unterhaltungsbranche revolutioniert, sich durch die immensen Ausgaben aber auch in die Lage manövriert, immer weiter machen zu müssen mit dem Geldausgeben. Das Unternehmen muss nun beweisen, ob sich die Strategie der milliardenschweren Investitionen auszahlt und zu üppigen Gewinnen führen kann. Ob die vielen Inhalte tatsächlich gut genug sind, damit bestehende und künftige Kunden eine Preiserhöhung akzeptieren, dürfte sich ebenfalls bald zeigen.

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